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Kickboxen

Dominik Santl zeigt, was er drauf hat

Das Super-Talent aus Regensburg besiegt beim „Ring of Fire“-Turnier in München den zehnfachen Weltmeister Daniel Dörrer.
Von Maxi Frickel

Ein Modellathlet, der die Blicke auf sich zieht und eine große Zukunft im Kickboxen haben könnte: Dominik Santl Foto: Waldenberger
Ein Modellathlet, der die Blicke auf sich zieht und eine große Zukunft im Kickboxen haben könnte: Dominik Santl Foto: Waldenberger

Regensburg.„Wow, es sieht so aus als ob hier eine Kickbox-Generation die andere ablöst“, rutschte es dem perplexen Kommentator des Kampfes über die Lippen. Denn die Zuschauer beim „Ring of fire“-Turnier in München in der Arena und daheim an TV-Geräten erlebten am vergangenen Samstag eine kleine Sensation. Der erst 18-jährige Dominik Santl stieg gegen den zehnfachen Weltmeister Daniel Dörrer in den Ring. Im Vorfeld war die Rede von einem Kampf zwischen David und Goliath. Dörrer, der 32-jährige „Goliath“, bestritt in seiner Karriere bereits 128 Kämpfe und beendete 121 davon als Sieger. Santl hingegen kam bis dato nur auf 36 Kämpfe, wobei er allerdings nur zwei davon verlor – und das in seinen Anfangszeiten.

Derartig starke Gegner wie Dörrer standen dem Regensburger bislang allerdings noch nicht gegenüber. Für die Zuschauer umso überraschender war der Ablauf der ersten Runde: Dörrer blieb in seiner Deckung und verzichtete zum größten Teil auf Eigeninitiative. Santl hingegen suchte diese. Ein Schlag auf die Deckung des Gegners folgte dem nächsten. Ein Knietreffer nach dem anderen durchbrach Dörrers Verteidigung. Nach drei Minuten stand fest: Die erste Runde geht an den 18-jährigen. Dies war die erste Überraschung des Abends für die Zuschauer – allerdings nicht für Santls Trainer Cai Waldenberger: „Dörrers Passivität war ganz klar Taktik. So kämpft er schon immer. Der Gegner soll aus der Puste kommen, sodass er selbst in der zweiten Runde dann seine harten Schläge durchbekommt.“

Nicht den schnellen K.O. gesucht

Auch wenn Waldenberger seinen Schützling auf genau dieses Szenario vorbereitet hat, war auch Santl in der Rundenpause etwas erschöpft. „Ich habe ihm deswegen geraten, ein bisschen Kraft aus seinen Schlägen zu nehmen“, erzählt Waldenberg. Anstatt auf K.O.-Treffer sollte sein Schützling mehr auf Punkttreffer setzen.

Das Konzept ging auf. Auch in der zweiten Runde blieb der Regensburger Kickboxer der aktivere Kämpfer und setzte dem 32-Jährigen immer mehr zu. Resultat: Gewonnene zweite Runde und eine blutige Wunde unter Dörrers Auge. Diese schien den WKU-Weltmeister aber wenig zu stören, was auch zum Thema in Santls Ringecke wurde. „Am Anfang dachte ich, dass Dominik die Knieschläge nicht durchgebracht hat, aber er hat etliche getroffen – Dörrer hat die einfach eingesteckt und unglaublich mentale Stärke bewiesen“, resümiert Waldenberger.

Santls Kontrahent wich nach keinem Treffer auch nur ein bisschen zurück, blieb zwar passiv, aber befand sich dennoch im Vorwärtsgang. Eine Situation die vor allem junge Kickboxer aus der Ruhe bringen könnte. Santl allerdings blieb bei dem Konzept, das er und Trainer Waldenberger aufgestellt hatten: „Von den Seilen weggbleiben und immer beweglich bleiben.“

Die dritte Runde entschied darüber, ob dieser Plan aufgehen sollte oder nicht. Wieder blieb Dörrer in seiner Deckung, wieder bestimmte sein Herausforderer den Kampf. Zwar waren laut Santl „ein paar harte und trockene Schläge“ des Favoriten durchaus schmerzhaft, der Regensburger ließ sich das Heft nun aber nicht mehr aus der Hand nehmen.

Nach drei mal drei Minuten stand es fest. Die Überraschung ist gelungen – die junge Generation hält die Zügel nun in der Hand. Auch dank der etwa 50 extra nach München angereisten Anhänger Santls, die ihm vor Ort die Daumen drückten. Ein Faktor, der zum Erfolg mitbeitrug. „Dominik bringt bessere Leistung, wenn seine Fans dabei sind, dann fühlt er sich richtig gepusht und will ihnen das Bestmöglichste zeigen“, sagt Waldenberger.

Nun steht Regneration an

Santl kann nun erst einmal in Ruhe regenerieren, da das Jahr 2017 sportlich abgeschlossen ist. Gern wird er dabei an seinen Erfolg in München zurückdenken, der einer der größten Höhepunkte in seiner noch jungen Karriere ist. Für Dörrer allerdings war es eine schmerzhafte Niederlage, was Waldenberger schon vor dem Kampf klar war: „Als 32-jähriger Weltmeister ist die Fallhöhe natürlich deutlich höher, als für einen Nachwuchskämpfer – deshalb sind wir in erster Linie froh, dass es überhaupt zu dem Aufeinandertreffen gekommen ist.“

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