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MZ-Interview

Doping: „Verjährung erst nach 20 Jahren“

Leichtathletik-Präsident Prokop plädiert nach den jüngsten Dopingfällen für längere Fristen. Gedopte Athleten sollen stärker verunsichert werden.

Den Präsidenten des Deutschen Leichtathletik Verbandes (DLV), Clemens Prokop, haben die jüngsten Dopingfälle im Radsport nach eigenen Aussagen nicht überrascht. Foto: dpa

Herr Prokop, haben Sie die aktuellen Doping-Enthüllungen in Frankreich in irgendeiner Form überrascht?

Clemens Prokop: Wenn ich ehrlich bin: nein. Wer die Radsport-Szene der vergangenen Jahrzehnte verfolgt hat, den können solche Details nicht mehr wirklich überraschen.

Welche Schlussfolgerungen ziehen Sie aus der neuerlichen Affäre?

Ganz klar, dass die Verjährungsfrist für Doping-Vergehen verlängert wird, und zwar idealerweise auf 20 Jahre. Die derzeitige Acht-Jahres-Frist greift zu kurz. Statt zwei sollten wir fünf olympische Zyklen im Code der Wada (Welt-Anti-Doping-Agentur/d. Red.) verankern.

Was erhoffen Sie sich von diesem Schritt?

Eine verlängerte Verjährungsfrist würde für eine deutlich erhöhte Verunsicherung im Lager der gedopten Athleten sorgen. Sportbetrüger könnten sich sehr, sehr lange Zeit nicht mehr sicher sein, dass sie nicht doch dank verfeinerter Analysemethoden entdeckt werden.

Im konkreten Fall hätte aber auch eine verlängerte Verjährungsfrist für Jan Ullrich & Co. keine Konsequenzen, weil es sich lediglich um eine wissenschaftliche Studie anhand von B-Proben gehandelt hat, deren Ergebnisse sportrechtlich nicht verwertbar wären.

Das ist richtig. Aber es handelt sich um einen exemplarischen Fall. Ich stelle in diesem Zusammenhang auch die eindeutige Forderung, systematisch alle eingefrorenen Blut- und Urinproben der Olympischen Spiele von Peking 2008 nachzuuntersuchen. Experten bestätigen, dass es inzwischen eine Reihe verbesserter Verfahren gibt, die beispielsweise den Nachweis des länger zurückliegenden Einsatzes von anabolen Steroiden ermöglichen. Das Internationale Olympische Komitee muss endlich seinem eigenen Anspruch gerecht werden. Im Fall der Spiele 2004 in Athen wurden nur wenige Proben nachuntersucht, der Rest wurde nach acht Jahren vernichtet.

Im französischen Untersuchungsbericht zur Tour 1998 ist auch die Rede davon, dass nicht nur im Radsport, sondern auch in anderen Sportarten gedopt wird.

Stimmt. Wir sollten meines Erachtens deshalb auch bei den Mannschaftssportarten, die ja oftmals als dopingfrei gelten, genauer hinschauen. Die Nada (Nationale Anti-Doping-Agentur/de. Red.) hat im Jahr 2012 in der deutschen Leichtathletik 1461 Trainingskontrollen vorgenommen. Zum Vergleich: Im Fußball waren es nur rund 500. Diese Zahlen sprechen für sich.

Herr Prokop, Sie stehen als Präsident der deutschen Leichtathletik für eine strikte Anti-Doping-Linie. Sie sind auch Regensburger Amtsgerichtsdirektor. Eine 20-jährige Verjährungsfrist würde bedeuten, dass dopende Athleten sehr lange Zeit mit dem Risiko der Aufdeckung leben müssten. Tangiert das nicht ihre Grundrechte?

Nein, aus meiner Sicht nicht. Wir reden ja hier vom Sportrecht, nicht vom Straf- oder Zivilrecht. Selbst im staatlichen Strafrecht sind lange Verjährungszeiten zulässig.(gr)

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