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Kuriosum

Ein geteilter Sieg wird zum doppelten Erfolg

Stefan Groß gewinnt den Marathon in 2:30:15 Stunden. Aufgrund einer Panne auf der Streckewird aber auch Joel Chepkopol zum Sieger erklärt.
Von Claus gehr, Mz

  • Der Halbmarathon bleibt fest in kenianischer Hand (von links): Thomas Krop Muke, Benjamin Kemboi und David Kirui Foto: altrofoto.de
  • Die beiden stolzen Sieger über die Marathondistanz: Stefan Groß und Joel Chepkopol Foto: Brüssel (2)

Regensburg. Als Stefan Groß, der Gewinner des Regensburg Marathons, gestern auf das Siegertreppchen stieg, wurde es eng. Nicht dass der Mann vom TuS Deuz, der die neu konzipierte Strecke in der Zeit 2:30:15 Stunden am schnellsten zurückgelegt hatte, von überdimensionalem Wuchs gewesen wäre – ganz im Gegenteil. Der Grund war viel profaner. Mit dem Kenianer Joel Chepkopol stand nur schon ein anderer Läufer ganz oben auf dem Podest. Erstmals in der Geschichte des Regensburg Marathons wurden im Marathon zwei Sieger mit der gleichen Zeit gekürt, obwohl Chepkopol die Ziellinie in der Donau-Arena gut sechs Minuten nach Groß überquert hatte. Der Grund für dieses ungewöhnliche Ergebnis war ein Fehler auf der Strecke, der den Kenianer unverschuldet Zeit gekostet hatte und das Schiedsgericht zu einem salomonischen Urteil veranlasste.

Die Streckenpanne blieb der einzige Makel einer ansonsten rundum gelungenen 21. Auflage des Regensburg Marathons, der rund 7000 Läufer aus mehr als 30 Nationen am Samstag und Sonntag nach Regensburg lockte. Veränderte Strecke, neuer Start- und Zielbereich an der Donau-Arena, erstmals ein Massenstart aller Laufwettbewerbe am Sonntag: Marion Fuchs, die Geschäftsführerin der Marathon GmbH, und die vielen fleißigen Helfer hatten den Marathon ganz neu ausgerichtet und damit voll ins Schwarze getroffen. Die Resonanz der Sportler und Zuschauer fiel durchweg positiv aus.

Zu den vielen gewollten Neuerungen der 21.Auflage des Laufsportspektakels kam nur leider auch eine ungewollte: Auf das Novum mit den zwei Siegern im Marathon der Herren hätte Fuchs gut verzichten können. „Es wäre mir zumindest nicht unangenehm gewesen“, meinte die Marathon-Geschäftsführerin hinterher mit Blick auf den Fauxpas. Passiert war folgendes: Bis Kilometer zehn der 42,195 Kilometer langen Marathonstrecke waren Groß und Chepkopol gleichauf, dann zog der Kenianer davon. Zwischen Kilometer 18 und 19 passierte ein folgenschweres Mißgeschick.

In Führung liegend wurde der 28-jährige Afrikaner von den Streckenposten nicht auf die zweite Runde der Marathonstrecke, sondern, so wie es für die Halbmarathonläufer an dieser Stelle der Fall ist, über die Nibelungenbrücke in Richtung Ziel zur Donau-Arena geschickt. Erst als Chepkopol die Brücke schon fast überquert hatte, fiel der Fehler auf. Bei seiner Rückkehr auf die Marathonroute war der 37-jährige Groß bereits an ihm vorbeigezogen. Dieser hatte von der Fehlleitung seines Konkurrenten nichts mitbekommen, wunderte sich nur, dass er nach 2:30:15 Stunden als Erster im Ziel ankam, ohne den vor ihm vermuteten Kenianer überholt zu haben. Seiner Freude tat es keinen Abbruch: „Das war der härteste Marathon, den ich je gelaufen bin. Umso schöner, dass ich dafür belohnt wurde“, sagte Groß.

Der Läufer vom TuS Deuz erwies sich wenig später noch einmal als wahrer Sportsmann. Als sich das Schiedsgericht nach eingängiger Prüfung der Zwischenzeiten und des Rennverlaufs an ihn wandte und darüber informierte, dass man ihn und Chepkopol zeitgleich zu gemeinsamen Siegern vor dem Drittplazierten Stephan Aigl (2:43:46/TSV Altenmarkt) erklären wolle, willigte er sofort ein. Somit gab es zur Überraschung der zahlreichen Zuschauer in der Donau-Arena gleich zwei Nationalhymnen bei der Siegerehrung der Männer zu hören: die deutsche und die kenianische.

Il Canto degli Italiani, das Lied der Italiener erklang für die Siegerin im Damenrennen, das weit weniger spektakulär verlief. Ab der Hälfte der Strecke lief da die Italienerin Daniela Pivetta von der SG Eisacktal aus der Nähe von Brixen vorne weg und ließ sich, bis sie nach 3:12:49 Stunden im Ziel war, die Butter nicht mehr vom Brot nehmen. Knapp vier Minuten später kamen Andrea Schadewell (3:16:10/Hummeltal) und die in Regensburg lebende Russin Tatjana Mitkina (3:19:47) als Zweite und Dritte in der Donau-Arena an.

Frei von Überraschungen verlief der Halbmarathon der Männer, in dem das Podium rein afrikanisch besetzt wurde und der Konkurrenz die Grenzen aufzeigte. Aus dem erhofften Streckenrekord, den bislang der Kenianer Elijah Keitani mit einer Zeit von 1:02:39 Stunden hält, wurde es aber nichts, obwohl seine in diesem Jahr startenden Landsmänner Thomas Krop Muke, David Kirui und Benjamin Kemboi allesamt Bestzeiten in diesem Bereich stehen haben. „Für ein schnelleres Rennen war es heute zu heiß“, meinte Halbmarathon-Gewinner Krop Muke (1:06:24 Stunden), der Kirui (1:07:24) erst gegen Ende abgehängt hatte und auch Kemboi (1:09:23) in die Schranken wies.

Im Halbmarathon der Damen fehlte nicht viel und eine Läuferin des LLC Marathon hätte sich den Sieg geschnappt. Die Tegernheimerin Konstanze Groth lag mit einer Zeit von 1:29:41 Stunden nur knapp hinter der Siegerin Michaela Zwerger aus Weißenbach in Österreich (1:29:02). Dritte wurde mit Stefanie Fuchs (1:30:37) eine weitere Regensburgerin.

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