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Fußball

Ein Klub steht mit dem Rücken zur Wand

Jahn Regensburg geht als Tabellenletzter in die Winterpause. In den letzten Monaten gab es einen unfassbaren Niedergang.
Von Heinz Reichenwallner, MZ

Uwe Hesse war einer der vier Blitzkäufe, mit denen die Wende kommen sollte. Bislang blieb sie aus.
Uwe Hesse war einer der vier Blitzkäufe, mit denen die Wende kommen sollte. Bislang blieb sie aus. Foto: Nickl

Die Tabelle lügt nicht – sie entspricht der Wahrheit

Das beweisen allein schon die Zahlen zu den bisherigen 22 Spielen: 19:43 Tore und zwölf Punkte ergeben einen kümmerlichen Schnitt von 0,86 Treffern, 1,95 Gegentreffern und 0,55 Punkten. 16 Mal lag der Jahn 0:1 in Rückstand, 13 Mal verlor er danach. Nur zweimal egalisierte er einen Rückstand – gegen Hansa Rostock (4:4) und gegen den Halleschen FC (1:1). Zweimal brachte er einen Zwei-Tore-Vorsprung nicht über die Zeit – gegen Rostock und gegen die SpVgg Unterhaching (2:3). Die Auswärtsbilanz mit elf Niederlagen und einem Sieg bei 8:28 Toren in zwölf Spielen ist schlichtweg grausam, die Heimbilanz mit drei Siegen, zwei Unentschieden, fünf Niederlagen und 11:15 Toren durchwachsen. Übrigens: Zwölf Punkte nach 22 Spielen sind Negativrekord in der siebenjährigen Geschichte der 3. Liga. Ein Tabellenletzter zu diesem Zeitpunkt war bislang auch immer ein sicherer Absteiger, mit Ausnahme des SV Darmstadt 98. Der jetzige Zweitligist blieb in der Saison 2012/13 aber nur in der Liga, weil Alemannia Aachen und die Offenbacher Kickers keine Lizenz erhielten. Glück im Unglück: Falls der Jahn die 3. Liga verlassen muss, braucht zumindest seine Zweite keinen dadurch automatischen Abstieg zu befürchten. Sie könnte weiter in der Bayernliga spielen.

Die Trainer geben sich die Klinke in die Hand

Treueschwüre im Fußball besitzen seit jeher die ungefähre Verlässlichkeit eines Fahrplans der Deutschen Bahn. Auch beim Jahn griffen die Gesetzmäßigkeiten des Geschäfts. Hatte Sportchef Christian Keller lange Zeit jegliche Diskussion um Alexander Schmidt kategorisch abgelehnt, so bekam der Trainer von ihm dann doch noch die vorzeitige Kündigung. Nach nur zwölf Punkten in 17 Spielen war es auch ganz normal, dass der Coach den Laufpass bekam. Sein Nachfolger Christian Brand hat die Vereinshistorie in negativer Hinsicht bereichert. Denn noch nie ist ein neuer Jahn-Trainer mit fünf Niederlagen in Folge gestartet. Nach Oscar Corrochano, Franz Gerber (interimistisch), Franz Smuda und Thomas Stratos, dem manche im Umfeld des Vereins immer noch mehr als eine Träne nachweinen, ist Brand bereits der fünfte Fußballlehrer in den letzten zwei Jahren, der sein Glück beim Jahn versucht.

Ein Satz, der für den Sportchef zum Bumerang wurde

„Die Mannschaft ist stärker als in der letzten Saison“. Der Satz, den Christian Keller frank und frei vor dem Saisonstart formulierte, ist ihm inzwischen krachend um die Ohren geflogen. Denn Tatsache ist, dass der Jahn-Sportchef die Abgänge von Abdenour Amachaibou, Jim-Patrick Müller, Jonathan Kotzke, Mario Neunaber und Bernhard Hendl nicht annähernd kompensieren konnte. Erschwerend kam hinzu, dass die von Keller angedachten Stützpfeiler im Team mit Keeper Stephan Loboue, Abwehrmann Sebastian Nachreiner, Mittelfeldspieler Oliver Hein und Angreifer Romas Dressler entweder ewig schon aus Verletzungsgründen ausfallen oder ein Formtief durchliefen.

Ein mittlerweile auf 30 Mann aufgeblähter Spielerkader

13 Profis wurden noch aus der Vorsaison übernommen. Erst die Spieler, dann der Trainer hieß es damals. Dazu wurden drei Keeper und weitere neun Feldspieler verpflichtet, die fast allesamt aus unteren Klassen (Regionalliga, Bayernliga oder aus dem Juniorenbereich) kamen. Noch in der Ära von Trainer Schmidt wurden mit Markus Palionis, Ex-Nationalspieler Lukas Sinkiewicz, Gregory Lorenzi und Uwe Hesse vier weitere Akteure als Helfer in der Not geholt. Geholfen hat das bisher aber nicht, der Jahn kommt seit dem 11. Spieltag nicht vom Tabellenende weg. Aber die Zusatz-Transfers sind der deutliche Beweis dafür, dass die ursprüngliche Zusammenstellung des Kaders nicht das Zeug dazu hatte, erfolgreich in der 3. Liga bestehen zu können. Mit dem gestern erst verpflichteten Angreifer Marco Königs ist der Kader nun auf 30 Akteure erhöht worden. Davon will man sich in der Winterpause von bis zu sechs Profis vorzeitig trennen. Nach MZ-Informationen haben bisher nur Romas Dressler und Markus Smarzoch darüber Bescheid erhalten, dass sie auf der Streichliste stehen.

Enttäuschte Fans, Randale und harte Aussagen des Torwarts

Neben der sportlichen Misere muss sich der Jahn inzwischen auch mit einer Gruppierung beschäftigen, die in ihrer enttäuschten Erwartungshaltung das Fantum offensichtlich falsch verstanden hat. Der versuchte Platzsturm und die Faustschläge gegen einen Ordner im Sportpark in Unterhaching waren der negative Höhepunkt, dem wohl auch noch eine saftige Geldstrafe durch den DFB folgen wird. Doch sind auch Keeper Stephan Loboue – bei Aussagen wie „asozial, Vollidioten“ – und Trainer Brand („Kriminelle“) in ihrer Wortwahl nicht gerade zimperlich gewesen. Dass eine Gruppe von Fans anschließend auf der Weihnachtsfeier des Jahnteams auftauchte und dort mit Vereinsboss Hans Rothammer und Trainer Brand diskutierte, darf vielleicht als Zeichen gewertet werden, dass das Tischtuch noch nicht ganz durchschnitten ist.

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