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Jubiläum

Eindrucksvolle 100 Jahre Schiedsrichter

Die Regensburger Gruppe feiert in der Conti-Arena groß. Noch können alle Spiele besetzt werden, doch der Respekt sinkt.
Von Claus-Dieter Wotruba

Mit Eduard Beitinger ist ein Regensburger Schiedsrichter derzeit in den Fußballstadien auch international als Assistent an der Linie im Einsatz. Foto: Eibner-Pressefoto
Mit Eduard Beitinger ist ein Regensburger Schiedsrichter derzeit in den Fußballstadien auch international als Assistent an der Linie im Einsatz. Foto: Eibner-Pressefoto

Regensburg.Am besten ist es, wenn man nicht viel über ihn spricht. Lob gibt es eher selten, Tadel schneller, und beileibe nicht immer in qualifizierter Form. Dabei ist die Position nicht wegzudenken, obwohl sie nicht von Anbeginn in den Regeln definiert war. Gefühlt aber sind Schiedsrichter ewig ein Teil des Fußballs. In Regensburg feiern 250 Mitglieder und Ehrengäste am Samstag ab 18 Uhr in der Conti-Arena ein entsprechend wuchtiges Jubiläum: 100 Jahre Schiedsrichtergruppe Regensburg – das klingt nicht nur, das ist auch sehr eindrucksvoll!

Peter Langensteiner ist seit 2010 Obmann der Regensburger Fußball-Schiedsrichter und noch bis 2022 gewählt. Foto: MZ-Archiv/Seitz
Peter Langensteiner ist seit 2010 Obmann der Regensburger Fußball-Schiedsrichter und noch bis 2022 gewählt. Foto: MZ-Archiv/Seitz

218 Regelwächter, die Spiele leiten, umfasst die Gruppe aktuell, dazu kommen noch einmal rund 200 fördernde Mitglieder, die nicht mehr aktiv sind. „Normalerweise haben wir immer zwischen 350 und 400 Mitglieder. Dass wir gerade über 400 liegen, liegt daran, dass wir mit 40 diesmal ungewöhnlich viele Neulinge hatten“, sagt Kreis-Obmann Peter Langensteiner, der selbst seit 1980 Schiedsrichter ist, seit 2010 an der Kreis-Spitze steht, mit seinen 68 Jahren immer noch Spiele in der A-Klasse pfeift und in der Kreisliga als Assistent Kollegen unterstützt. „Ansonsten habe ich genug mit der Organisation zu tun“, sagt Langensteiner. „Man glaubt gar nicht, was alles dranhängt.“

Der Mann fürs Pokalfinale 1937

Mit Edi Beitinger (35) haben die Regensburger wieder einen Vorzeigemann, der in der Bundesliga an der Linie und auch auf der Liste des Weltfußballverbands Fifa steht. Die Wahrscheinlichkeit, eine derartige Karriere hinzulegen, ist ähnlich groß wie der so oft gehegte Traum so vieler Jugendfußballer, Profi zu werden. Hans Grabler und Fritz Ruhmann zählten in den Anfängen der Schiedsrichtergruppe in den 1920er Jahren zu Beitingers Vorgängern. Grabler leitete Partien wie 1860 München gegen Ambrosia, später Inter Mailand, Grabler stand beim DFB-Pokalendspiel 1937 zwischen Schalke 04 und Fortuna Düsseldorf auf dem Platz, ist der üppigen Jubiläums-Festschrift zu entnehmen, die Reinhard Rengsberger und Joachim Schamriß zusammentrugen. 1957 wurde Josef „Zuckerl“ Kandlbinder Fifa-Schiedsrichter und war wie Alfons Betz, der zwischen 1963 und 1975 87 Ober- und Bundesligaspiele leitete und 2012 ein Jahr nach Kandlbinder starb, das Aushängeschild.

Alfons Betz (Mitte) war ein Mann der ersten Stunde in der Fußball-Bundesliga. Hier ein Beweisbild: Links ist Ex-Nationaltorwart Harald „Toni“ Schumacher zu erkennen. Foto: MZ-Archiv
Alfons Betz (Mitte) war ein Mann der ersten Stunde in der Fußball-Bundesliga. Hier ein Beweisbild: Links ist Ex-Nationaltorwart Harald „Toni“ Schumacher zu erkennen. Foto: MZ-Archiv

Freilich: Die Bandbreite ist groß – und es geht nicht nur um die „Stars“, die es bis ganz nach oben schafften, sondern auch um die vielen Funktionsträger, die zum Beispiel den Nachwuchs schulen, oder sich nicht zu schade sind, solange es nur geht, Spiele zu leiten. So, wie Fritz Stöbl, der Ende Juli 78 Jahre alt wird und seit 55 Jahren Woche für Woche über die Plätze tingelt. „Bis zur A-Klasse“, ist Stöbl noch aktiv und wenn’s nötig ist, dann hilft er auch mal in der Kreisklasse aus. Stöbl tut‘s, damit „ich fit bleibe. Noch kann ich einigermaßen mitlaufen.“

Josef Kandlbinder (Mitte) ist einer der großen Regensburger Schiedsrichternamen, der auch große Spiele leitete.  Foto: MZ-ArchivDie über 400 Personen starke Regensburger Gruppe feiert am Samstag groß in der Conti-Arena. Noch können alle Spiele besetzt werden, der Respekt sinkt. Die ältesten Schiris und das jüngste Mitglied erzählen ihre Geschichten.
Josef Kandlbinder (Mitte) ist einer der großen Regensburger Schiedsrichternamen, der auch große Spiele leitete. Foto: MZ-ArchivDie über 400 Personen starke Regensburger Gruppe feiert am Samstag groß in der Conti-Arena. Noch können alle Spiele besetzt werden, der Respekt sinkt. Die ältesten Schiris und das jüngste Mitglied erzählen ihre Geschichten.

Zu schade für niedere Klassen ist sich Stöbl nicht. „Unten braucht’s auch Schiedsrichter“ sagt er, dem es an Erfahrung nicht mangelt. „In den Achtzigern habe ich in der Bayernliga gepfiffen“, erzählt Fritz Stöbl, der bei der Jubiläumsfeier dabei sein wird. „Spiele von 1860 oder Unterhaching.“ Hängengeblieben ist ein Europapokal-Vorspiel der Bayern-Amateure gegen Ampfing. Danach kickten die Profis gegen Universitatea Craiova, einen inzwischen aufgelösten rumänischen Verein.

Stöbls aktive Zeit war eine andere. „Ich habe mit 23 die Schiedsrichter-Prüfung gemacht, aber bis 32 nur AH und Jugend nebenbei gepfiffen.“ Erst als er seine aktive Laufbahn beendete, griff er richtig an. „Mit 39 war ich in der Bayernliga.“ Heute geht das längst nicht mehr: Wer als Schiedsrichter hoch hinaus will, muss früh anfangen. „Ich war ein gstandns Mannsbild. Heute werden‘s immer jünger und hören halt oft dann auf“, findet Fritz Stöbl die Entwicklung nicht unbedingt förderlich.

Auch Heinrich Hasler, mit 83 das allerälteste Mitglied der Schiedsrichtergruppe Regensburg, vermisst die alte Gemütlichkeit. „Solche Beleidigungen wie heute waren früher selten“, sagt Hasler. „Das war nicht so streng. Wenn ich ins Vereinsheim bin, habe ich oft noch eine Halbe Freibier bekommen – oder eine Maß“, sagt Hasler, der 1962 in seinen Weidener Tagen erste Kontakte zur Schiedsrichterzunft knüpfte und es als Beobachter ausklingen ließ. Was Hasler heutzutage stört: „Wenn das beim Handspiel oder Abseits so weitergeht, dann muss ein Schiedsrichter demnächst erst zwei, drei Semester studieren“, sagt er. „Dass die Schiris heute fünfmal rausgehen, um die Bilder anzuschauen und dann sieben oder acht Minuten nachgespielt werden, damit kann ich mich nicht anfreunden.“

Acht aktive Schiedsrichterinnen

Ja, ja , es hat sich viel geändert, auch im Verhalten gegenüber Schiedsrichtern. „Besonders bei Jugendspielen gehen Eltern, aber auch Trainer und Betreuer unsere jungen Schiedsrichter mit 14, 15 massivst an. Das ist einer der Hauptgründe, warum manche schnell aufhören“, sagt Obmann Peter Langensteiner. „Der Respekt hat sehr nachgelassen. Das macht uns sehr zu schaffen.“ Noch können alle Spiele besetzt werden, aber das liegt auch an Einzelnen. „Das kann sich schnell ändern. Wir haben Leute, die pfeifen von Freitag bis Sonntag vier, fünf Spiele.“ Übrigens: Weibliche Schiedsrichter bleiben Mangelware: Mit seinen acht aktiven Schiedsrichterinnen und weiteren acht weiblichen Mitgliedern ist Langensteiner zufrieden. „Wir würden gerne alle Frauenspiele mit Frauen besetzten. Das klappt nicht, ist aber woanders auch so.“

Von Willi Berger bis Peter Langensteiner

  • Organisation:

    Peter Langensteiner (Foto: MZ-Archiv/Seitz) ist der Chef der Fußball-Schiedsrichter im Kreis Regensburg. Er kann derzeit auf rund 220 aktive Schiedsrichter zurückgreifen. Rund 200 passive Mitglieder zählen ebenfalls zur Gruppe.

  • Gründung:

    Willi Berger war der Gründungsvorsitzende, der 1919 mit 25 Schiedsrichterkollegen die Regensburger Schiedsrichter-Vereinigung gründete.

Die Hoffnung für die Zukunft ruht auf Youngstern wie Bartu Uzun, der im Herbst 14 Jahre alt wird und derzeit der jüngste Schiedsrichter in Regensburg ist. Uzun gehört zu den Neulingen aus dem Februar-Lehrgang, spielt selbst Fußball und hat seine ersten zehn Spiele auf dem Konto: „Es war gut“, sagt er. „Ich möchte weit nach oben kommen. Mal schauen, ob es so sein wird.“

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