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Extrem-Arber kann „im Prinzip jeder“

Die Regensburger Tom Schröder und Klaus Huber absolvierten alle Strecken des Arber-Radmarathons innerhalb von vier Tagen.
von Philip Hell

Tom Schröder und Klaus Huber vor einer Tour
Tom Schröder und Klaus Huber vor einer Tour Foto: Philip Hell

Regensburg.Es lebe der Sport! Diese Textzeile Rainhard Fendrichs könnte das Lebensmotto von Tom Schröder und Klaus Huber sein. Die beiden haben sich mittlerweile in und um Regensburg einen Ruf als versierte Extremsportler erworben, da sie, wie sie selbst sagen, „Sachen machen, die man sich nicht vorstellen kann“. Nun sind Schröder und Huber sämtliche Routen des Arber-Radmarathons in vier Tagen gefahren.

Schröder ist der Regensburger Sportgemeinde bestens als „Besenläufer“ des Regensburg-Marathons und des Mittelbayerische Landkreislaufs bekannt. Klaus Huber war vor seiner Pension ein gefeierter Spitzenkoch. Der ehemalige Küchenchef des Bischofshof nahm vielfach an Koch-Olympiaden teil und wurde mit Preisen überhäuft. In seinem Ruhestand gibt sich das Regensburger Original nun ganz seiner zweiten großen Leidenschaft, dem Sport, hin.

Schröder und Huber sind seit langem gemeinsam auf Extremsport-Events unterwegs. Sie bestritten beispielsweise schon den 100-Kilometer-Lauf im schweizerischen Biel. Erst im vergangenen Mai absolvierte Schröder sämtliche Distanzen des Regensburg-Marathons. Mit dabei: natürlich Klaus Huber. Der 68-Jährige lief mit Schröder den Dreiviertel- und Viertelmarathon und begleitete ihn über die restliche Distanz auf dem Rad. Die beiden sind also ein eingespieltes Team. Das half ihnen auch bei ihrem Extrem-Arber.

Gemeinsame Grenzerfahrungen

Für ihr neuestes Projekt mussten sie exakt 701 Kilometer und 8450 Höhenmeter zurücklegen. Dafür waren fünf Tage angesetzt, geschafft haben sie es in vier. Für Schröder ist klar: „Das Ganze ist natürlich schon ein wenig pervers, aber es macht auch einfach wahnsinnig Spaß!“ Klaus Huber musste nicht lang zögern, als ihn sein langjähriger Freund gefragt hat, ob er ihn begleiten möchte. Die Gemeinschaft steht für beide dabei im Mittelpunkt. „Uns geht es nicht darum, den schnellsten Schnitt zu fahren“, so Huber. Die langjährigen gemeinsamen Grenzerfahrungen haben die beiden Sportler zusammengeschweißt.

Zum Gesprächstermin mit der MZ überraschte Huber seinen Freund Schröder mit einem brandneuen Radtrikot, auf dem die Eckdaten ihres Extrem-Arbers abgedruckt sind. Das Gemeinschaftsgefühl unter Sportlern sehen Schröder und Huber jedoch zusehends gefährdet. Die beiden bemängeln eine „Ellenbogen-Mentalität“, die sich unter den Radfahrern breitgemacht habe. Auf den 701 Kilometern mussten die beiden sich jedoch auch mit rücksichtslosen Autofahrern he-rumplagen. So wurden sie teilweise nur mit wenigen Zentimetern Abstand überholt und von ungeduldigen Fahrern angehupt. Auch an die Stadt richtet Schröder einen Appell: „Regensburg ist eine Sportstadt. Macht etwas für die vielen Radfahrer!“

Auf die Frage, ob solche Extrem-Leistungen nur etwas für erfahrene Extremsportler seien, winken Schröder und Huber ab. Im Prinzip kann so etwas jeder schaffen, davon sind die beiden überzeugt. Man braucht nur ein Ziel vor Augen, Leidenschaft für den Sport und ein gutes Zeitmanagement. Das beste Beispiel dafür, dass jeder Extremsportler werden kann, ist Klaus Huber selbst. Bedingt durch seine Leidenschaft für das Kochen und einen stressigen Arbeitsalltag hatte er mit 40 Jahren gesundheitliche Probleme. Das änderte sich schlagartig, nachdem er von seiner Frau ein Rad geschenkt bekam und auf Kur seine Leidenschaft für das Laufen entdeckte. „Zu Beginn konnte ich keine 500 Meter laufen, ein halbes Jahr später lief ich meinen ersten Halbmarathon“, berichtet der Rentner stolz.

Lieber ist das Virus vergessen

Projekte wie der Extrem-Arber brauchen natürlich auch Unterstützung aus dem Umfeld. Schröder und Huber sind ihren Frauen sehr dankbar, dass sie ihnen den Freiraum für so waghalsige Unternehmungen lassen. Auch der Arbeitgeber von Tom Schröder zeigt sich sehr kulant: „Verstehen tut er das Ganze nicht wirklich, er zeigt aber Verständnis dafür.“

Darauf, im nächsten Jahr nochmals einen Extrem-Arber zu bestreiten, möchten die beiden verzichten. Es wäre ihnen lieber, das Virus ist nächstes Jahr vergessen und der Arber kann wieder in seiner klassischen Form stattfinden. Auch wenn die beiden dann nicht im Starterfeld stehen können, da sie als Mitglieder des Veloclub Ratisbona organisatorische Aufgaben übernehmen müssen. Das nächste Projekt hat sich Tom Schröder schon überlegt: Er möchte alle zehn Etappen des MZ-Landkreislaufes am Stück laufen.

Arber 2020

  • Virtuell:

    Der klassische „Arber“ mit Massenstart am Regensburger Dultplatz fällt dieses Jahr bedingt durch Corona aus. Der Veloclub Ratisbona hat daher beschlossen, den 36. Arber-Radmarathon virtuell unter dem Motto „Dein Arber hilft“ stattfinden zu lassen. Weltweit kann sich jeder für das Event anmelden und seinen ganz persönlichen „Arber“ fahren. Dabei sind die Teilnehmer nicht wie üblich an die von den Organisatoren vorgegebenen Routen zwischen 45 und 250 Kilometer gebunden. Heuer kann jeder Starter eine individuelle Runde fahren.

  • Spenden:

    Die Teilnehmer machen von dieser neuen Freiheit bislang auch ausgiebig Gebrauch. Ein Regensburger bestritt „seinen Arber“ beispielsweise in Florida. Bernhard Schmitt aus Hemau umrundete einmal die Oberpfalz und brauchte für die 388 Kilometer knapp 16 Stunden. Die Teilnahmegebühr von mindestens zehn Euro wird für einen guten Zweck gespendet. Die Einnahmen gehen komplett an Sternstunden e.V., einen gemeinnützigen Verein, der sich um Kinder in Not kümmert. Am Samstag waren bereits 1200 Radfahrer angemeldet, 16000 Euro befanden sich im Spendentopf. Für Kurzentschlossene läuft die Anmeldung noch bis Sonntag, 26. Juli, um 12 Uhr unter „www.arber-radmarathon.de“.

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