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Interview

Heimspiel für einen Hemauer Jungen

Zweitligahandballer Lukas Böhm gastiert mit Rimpar bei seinem Heimatklub HG Hemau/Beratzhausen. Zwei packende Tests stehen an.
Von Robert Torunsky

Lukas Böhm lernte einst bei der HG Hemau/Beratzhausen das Handballspiel. Als gestandener Zweitliga-Handballer kehrt er nun mit der DJK Rimpar zu zwei Gastspielen zurück. Foto: Frank Scheuring
Lukas Böhm lernte einst bei der HG Hemau/Beratzhausen das Handballspiel. Als gestandener Zweitliga-Handballer kehrt er nun mit der DJK Rimpar zu zwei Gastspielen zurück. Foto: Frank Scheuring

Hemau.Zweitligahandballer Lukas Böhm absolviert mit den Rimparer Wölfen bei seinem Heimatverein HG Hemau/Beratzhausen ein Trainingslager. Am 11. Januar (16 Uhr gegen HC Linz AG, 1. Liga Österreich) und 12. Januar (15 Uhr gegen HC Erlangen, 1. Bundesliga Deutschland) stehen zwei hochkarätige Testspiele auf dem Programm der 40-Jahr-Feier der HG. Wir sprachen mit dem früheren Hemauer Handballer.

Ihr steht mit der DJK Rimpar Wölfe aktuell mit 20:16 Punkten auf dem achten Platz von 18 Teams der 2. Handball-Bundesliga. Wie fällt Dein Zwischenfazit zur Europameisterschafts-Pause aus?

Lukas Böhm: Wir bekamen mit dem Trainerwechsel vor der Saison einen neuen Impuls, sind sehr gut gestartet und haben viele knappe Spiele gewonnen. Danach haben wir auch durch Verletzungspech etwas nachgelassen und uns im Mittelfeld eingeordnet. Das letzte Spiel gegen den TuS N-Lübbecke konnten wir nochmal mit 25:24 gewinnen und sind dadurch mit einem guten Gefühl in die Pause gegangen. Insgesamt können wir ganz zufrieden sein, aber gerade nach dem super Saisonstart wäre noch mehr möglich gewesen. Wir haben noch Potenzial nach oben.

Und das, obwohl Ihr – im Gegensatz zu anderen Teams – eine Truppe von Halbprofis seid.

Das stimmt, bei uns kann keiner ausschließlich vom Handball leben. Das macht das Ganze schon charmant. Der Verein ist sehr familiär aufgebaut und das ist sicher auch eines der Erfolgsgeheimnisse.

Apropos familiär! Wie bist Du zum Handball gekommen?

Ich stamme aus einer handballverrückten Familie und wir sind schon immer in die Halle zu den Heimspielen von der HG Hemau/Beratzhausen gegangen. Angefangen habe ich mit vier Jahren, bin parallel dazu aber auch zum Fußballtraining gegangen. Weil der Trainer aber auf einmal nicht mehr zum Training gekommen ist, bin ich beim Handball hängengeblieben.

Du hast dann auch bald in der Ostbayern-Auswahl gespielt und dann den nächsten Schritt gemacht.

Ja, 2009 bin ich in der B-Jugend zum HC Erlangen gewechselt. Neben der A-Jugend-Bundesliga durfte ich dort schon ganz früh mit der ersten Mannschaft, die damals in der 2. Liga gespielt hat, mittrainieren. Die letzten zwei Jahre in Erlangen gehörte ich fest zum Zweitligateam und habe meine ersten beiden Spielzeiten im Männerbereich bestritten. Mit dem Aufstieg in die Bundesliga war aber klar, dass es für einen jungen Spieler wie mich schwierig ist, dort Spielzeit zu bekommen. Deshalb bin ich dann zum HSC Bad Neustadt in die 3. Liga gewechselt und habe dort zwei Saisons gespielt.

Das war ein enormer Aufwand, da Du ja parallel Wirtschaftswissenschaften in Nürnberg studiert hast.

Die Pendelei wurde mir dann tatsächlich auch zu viel. Ich habe das Studium nach Würzburg verlegt und bin auch dorthin gezogen. Mit dem Wechsel nach Rimpar konnte ich dann mein Studium und den Handball ohne weite Fahrwege in einer schönen Stadt super verbinden. Das ist für mich die optimale Lösung, weil Rimpar nur 15 Minuten von Würzburg entfernt ist. Mittlerweile ist es auch schon die vierte Saison mit den Wölfen in der 2 Liga.

Zur Person

  • Handball:

    Der 1,93 Meter große und 99 Kilogramm schwere Linkshänder spielt in der vierten Saison im rechten Rückraum bei der DJK Rimpar Wölfe.

  • Vor seiner Zeit beim unterfränkischen Zweitligisten war Böhm zwei Jahre für den Drittligisten HSC Bad Neustadt und zuvor beim HC Erlangen am Ball. Dort verbuchte er mit dem Aufstieg in die Handball-Bundesliga seinen größten sportlichen Erfolg.

  • Studium:

    Der Student hat den Bachelor-Studiengang Wirtschaftswissenschaften erfolgreich abgeschlossen und strebt den Master-Studiengang an.

Aufgrund der hohen zeitlichen Belastung in der Bundesliga dauert das Studium in der Regel notgedrungen etwas länger. Wie ist der Stand bei Dir?

Das stimmt. Wir trainieren achtmal unter der Woche und haben Auswärtsfahrten nach Lübeck, Hamburg oder Konstanz zu absolvieren, bei denen man einfach den ganzen Tag im Bus verbringt. Das ist schon deutlich mehr als einfach nur ein Hobby und man darf auch die psychische Belastung nicht unterschätzen, wenn es mal nicht so läuft. Das Studium läuft dann notgedrungen nebenher. Ich habe aber mittlerweile meinen Bachelor abgeschlossen.

Reicht Dir die Doppelbelastung Handball/Studium erstmal oder strebst Du einen Master-Studiengang an?

Ich bin zuversichtlich, im Sommer mit meinem Master-Studium in Würzburg zu beginnen. Nach dem Bachelor habe ich einige Praktika absolviert und arbeite aktuell neben dem Handball bei SSI-Schäfer im Produktmanagement. Mir wird bis dahin also nicht langweilig (lacht).

Bleibst Du dann weiter im Rimparer Wolfsrudel?

Das ist zum jetzigen Zeitpunkt noch nicht sicher und hängt auch ein bisschen von der Zulassung für das Studium ab. Aber ich fühle mich hier nach wie vor super wohl und es macht Spaß, in Rimpar Handball zu spielen. Ich könnte mir es daher sehr gut vorstellen.

Jetzt steht aber erst einmal das Trainingslager in Deiner Heimatstadt Hemau an. Was bedeutet das für Dich?

Das ist unglaublich cool! Ich komme immer sehr gern in die Heimat zu meinen Eltern und Freunden. Das ist für mich etwas ganz Besonderes, dass ich in der Halle, in der für mich alles angefangen hat, vor vielen bekannten Gesichtern mit meiner Mannschaft zwei Testspiele gegen hochkarätige Gegner bestreiten darf. Erlangen ist ein etablierter Erstligist und auch Linz ist nicht zu unterschätzen.

Lukas Böhm zeigt hier im Spiel gegen Dresden vollen Einsatz.  Foto: Frank Scheuring
Lukas Böhm zeigt hier im Spiel gegen Dresden vollen Einsatz. Foto: Frank Scheuring

Was erwartest Du Dir persönlich von diesem Event?

Ich hoffe, dass wir gut mithalten können und die Zuschauer zwei spannende Spiele erleben werden. Natürlich hoffe ich auch, dass an den beiden Tagen jeweils viele Zuschauer in die Halle kommen und die HG Hemau/Beratzhausen ihr 40-jähriges Bestehen gebührend feiern kann.

Die Organisatoren kennen sich mit der Organisation von Feierlichkeiten ja bestens aus.

Das stimmt, die HG stellt schon immer sehr viel auf die Beine, beispielsweise beim Bürgerfest in Hemau. Der Zusammenhalt im Verein ist super und die Leidenschaft für den Handball sehr ausgeprägt. Das hat mir schon viel mitgegeben. Ich kann mich noch gut an Spiele in der „Tangrintelhölle“ erinnern, wo mehrere Hundert Fans auf der Tribüne mitgegangen sind und am Rande des Erlaubten versucht haben, die eigene Mannschaft nach vorne zu peitschen oder den Schiedsrichter umzustimmen (lacht). Der Zusammenhalt und die Leidenschaft zeichnet ja speziell den Handballsport aus und das wird bei der HG auf jeden Fall gelebt.

Die Spielpause in der Bundesliga entstand ja durch die Europameisterschaft. Wer sind für Dich die EM-Favoriten und was traust Du dem deutschen Team zu?

Die Favoriten auf den Titel sind meiner Meinung nach auch in diesem Jahr wieder Dänemark und Frankreich. Dahinter sehe ich die Gastgeber aus Norwegen und Schweden, zusammen mit unserer Nationalmannschaft. Ich hoffe, den Deutschen gelingt es, die verletzungsbedingten Ausfälle über eine kompakte Abwehr mit starken Torhütern zu kompensieren. Wenn sie das schaffen, ist das Halbfinale und vielleicht auch eine Medaille möglich.

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