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LEICHTATHLETIK

Immer noch mehr Lust als Frust

Bei der Sparkassen-Gala am Samstag feiert der Vize-Europameister über 800 Meter David Fiegen ein Comeback – und hofft wieder auf bessere Zeiten.
Von Claus-Dieter wotruba, MZ

Nach drei Ermüdungsbrüchen kann David Fiegen endlich wieder schmerzfrei trainieren – und tastet sich jetzt wieder an Wettkämpfe. Foto: Nickl

REGENSBURG. David Fiegen rennt – immer noch gerne, aber irgendwie auch sich selbst hinterher. Wer wie der Luxemburger einmal bei großen Meisterschaften eine Silbermedaille gewonnen hat, der hat einen Namen und vor allem auch seine Ansprüche an sich selbst. Doch seit er vor bald fünf Jahren in Göteborg Vize-Europameister über 800 Meter wurde, kam nichts mehr hinterher. Die Liebe hat ihn ins Trikot der LG Telis Finanz und nach Regensburg gebracht: Dort steht bei der Sparkassen-Gala im Universitätsstadion am Samstag das größte Freiluftrennen für Fiegen seit langem an, der nächste Versuch eines Comebacks.

David Fiegen kann sich kaum erinnern, wann er das letzte Mal auf der Bahn stand. „Das war Anfang der Saison 2009. Ich lief recht gute 600 Meter“, sagt der jetzt 26-Jährige. „Es kamen noch zwei, drei 800er hinterher. Aber da hatte ich schon Schmerzen.“

Es begann eine Leidenszeit mit dem linken Fuß. „Drei Ermüdungsbrüche in drei Jahren: Immer dieselbe Stelle, immer dieselben Symtome“, sagt Fiegen. „Ich begann nachzudenken.“ Unter solchen Umständen zählen zunächst keine Zeiten, sondern andere persönliche Bestleistungen: Seit September trainiert und läuft David Fiegen problemlos. „Ich glaube zu wissen, was es war: Das hing wohl mit meinem Laufstil zusammen“, sagt Fiegen. „Seit ich ohne Einlagen laufe, bin ich schmerzfrei.“ Das ist schon etwas.

Und würde der Juni laufen wie geplant, wäre das auch eine Bestleistung: Nach Regensburg will Fiegen in Kassel, Rehlingen und Metz an den Start gehen. Eine zeitliche Orientierung fällt schwer: Seine Bestleistung von 1:44,81 Minuten, erzielt kurz nach der EM 2006, ist zwar in Stein gemeißelt, aber „ein großes Zeitziel habe ich nicht“, sagt Fiegen, der eine ordentliche Hallensaion absolviert hatte. „Daran orientiere ich mich auch: Eine 1:49 oder 1:48 wäre erst einmal schön.“

Nach drei Jahren fast ohne Rennen und mit starken Einschränkungen im Training ist manches verloren gegangen. „Taktisch lief ich in der Halle schlecht“, sagt Fiegen. „Auch das sind Faktoren, die man verlernt. Natürlich würde ich gerne wieder gleich da anknüpfen, wo ich einmal war, aber da wären all die anderen, die durchgängig trainiert haben, ja Idioten!“

David Fiegen hat Geduld bewiesen. „Es war nichts Spezielles, was mich motiviert hat. Laufen gehört zu meinem Leben“, sagt er und betont die „Lust am Laufen“. David Fiegen wird noch mehr Geduld brauchen. „Es muss nicht im ersten Rennen klappen“, sagt er. Das absolvierte er beim Blitztripp nach Liechtenstein am Mittwoch, bei den Spielen der kleinen Staaten. Er wurde in 1:52,82 Minuten Vierter, knapp hinter einem Läufer aus Monaco und zwei Mann aus Zypern.

„Es muss auch nicht im zweiten Rennen sein“, sagt Fiegen. In Regensburg bekommt er es mit der deutschen Spitze und internationaler Konkurrenz zu tun. „Kein Reisestress, kein Herumlungern im Hotel: Das macht es unkomplizierter.“ Kompliziert ist schon genug: David Fiegen ist zwar noch luxemburgischer Sportsoldat, aber einer mit unbezahltem Urlaub: Er lebt von „ein paar Reserven. Ich kaue nicht an den Fingernägeln“ – aber ein Dauerzustand ist das nicht.

Luxemburg hält sich die Türen offen, Fiegen auch. „Ein Saisonziel könnte eine 1:47 sein.“ Das könnte nach den mäßigeren Luxemburg-Kriterien die WM-Qualifikation sein. „Ob ich mit einer 1:47 nach Daegu fahre, steht wieder auf einem anderen Blatt.“ David Fiegen rennt: In eine bessere Zukunft, wie er sie schon erlebt hat?

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