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Hallenfussball

Jahn-Futsaler träumen von viel mehr

Nach einem 10:4-Sieg gegen Bayreuth unter den Augen von Douglas Costa ist in Regensburg der Bayernliga-Titel nahe.
Von Claus-Dieter Wotruba, MZ

Nach dem 10:4-Sieg im Final-Hinspiel gegen Bayreuth sind Lucas Kruel und sein Team in Feierlaune.
Nach dem 10:4-Sieg im Final-Hinspiel gegen Bayreuth sind Lucas Kruel und sein Team in Feierlaune. Foto: Brüssel

Regensburg.Lucas Kruel macht es gerne selbst vor. Sein Team wollte im ersten Bayernliga-Finale gegen den USC Bayreuth zeigen, was ihm der Brasilianer gelernt hatte. Nach 15 Sekunden aber zeigte erst einmal der 25-Jährige Spielertrainer des SSV Jahn 1889 was sich seine Schützlinge von ihm abschauen können: In feinster Futsal-Manier sorgte er für das 1:0-Startsignal. Am Ende stand im Goethe-Gymnasium vor 150 Zuschauern ein 10:4 (3:1) auf der Anzeigetafel.

Für das Finalrückspiel am Samstag (20 Uhr) in Neuried sollte das zwar mehr als die halbe Miete sein, doch Lucas Kruel bleibt vorsichtig: „Wir haben einen schönen Sieg gelandet – aber unser Gegner kann nächste Woche das Gleiche machen. Das ist immer noch gefährlich.“ Weniger gefährlich wird es für Neuried werden: Im Hinspiel um Rang drei der Vierer-Bayernliga besiegten sie einen arg ersatzgeschwächten Futsal-Club Regensburg mit 31:1.

Der SSV Jahn 1889 und Bayreuth lieferten sich eine immer spannende Partie, die viele Facetten des Futsals aufzeigte. „Das war Regionalliga-Niveau“, sagte Jahn-Gründer Oliver Vogel. Die Bayreuther warfen in der intensiven und alles andere als körperlosen Partie in die Waagschale, was sie zu bieten hatten. Die Oberfranken um die überragenden Benjamin Stückrad und den dreifachen Torschützen Luca Piga lagen zur Pause gut im Rennen (1:3). Sie rückten den Gastgebern auch in der zweiten Hälfte auf die Pelle – bis in die 34. Minute, als es 6:4 stand.

214 entscheidende Sekunden

Nach exakt 33:12 Minuten erzielte Julian Montoya das 7:4 – zweimal Halison Goncalves und Tilman Leicht sorgten in den folgenden 214 Sekunden für die Tore, die das Jahn-Polster verschafften. Jahn-Topskorer Goncalves vergrößerte es mit seinem vierten Treffer und dem 10:4 noch einmal.

Dabei hatten die Bayreuther, die viel mehr als der SSV Jahn 1889 auswechselten, gehofft, dass dem Gegner irgendwann die Kräfte schwinden. Kruel und Landsmann Goncalves spielten durch, Kapitän Jo Ebert bekam viel Einsatzzeit, dazu griffen Sinan Canac (2 Tore), Tilmann Leicht (2) und Montoya (1) ergänzend ein. Wir haben zwar genug Spieler, aber sie haben vorher nicht Futsal gespielt. Ich will nicht, dass jemand schlecht spielt und er sich schlecht fühlt“, erklärte Kruel, warum nur sieben der zehn Jahn-Spieler auf dem Spielberichtsbogen aufs Feld gingen. „Wir haben Zeit. Futsal hier ist neu. Als ich hierher kam, war nichts. Aus dem Nichts ist das Finale geworden. Wir haben Spieler, die wie Jo, Tilmann oder Sinan wachsen. Die haben heute gezeigt, dass sie Futsal spielen können.“

Und Augenschmaus-Tore wie das 8:4, als Kruel den Ball eroberte, loszog, alle Gegner inklusive Torhüter auf sich zog und Goncalves den Ball so auflegte, dass er nur noch einschieben musste, zeigen am besten, wie schnell und schnörkellos guter Futsal geht. Vogel bezeichnet die Brasilianer als „unser Herzstück“ – und ist sicher, dass sie dem Klub erhalten bleiben. „Futsal ist zwar nicht mehr mein Job wie in Brasilien. Es ist hart, weil ich ja meinen Job mit den Spielern von Bayern habe, aber ich genieße es. Ich werde bleiben, solange Douglas Costa beim FC Bayern bleibt“, sagt Kruel, „und ich glaube, das wird länger sein.“

Costa war auch wieder da und saß unscheinbar auf einer Bank in der Halle. „Er spricht nicht viel, ist immer freundlich, aber ruhig. Anders als ich. Ich rede viel“, witzelte Kruel über den Starkicker, dessen Personaltrainer und Kumpel er ist. Der Wert von Goncalves ist für Kruel klar. „Wir brauchen ihn. Er lässt die anderen wachsen, zeigt ihnen, wie man spielt“, sagt Kruel über den 28-Jährigen, der bis zum Finale an 60 der 77 Jahn-Tore als Schütze und Vorlagengeber beteiligt war. „Er zeigt, was ich sage“, sagt Kruel.

„Nicht aufhören zu gewinnen“

Lucas Kruel will mehr. Wenn der Bayernliga-Titel realisiert wird, geht es in die Qualifikation zur süddeutschen Meisterschaft und die Saison könnte bis in den April dauern. „Wir wollen nicht aufhören zu gewinnen.“ Die Meisterschaft wäre nur ein Anfang. „Ein Profiteam ist mein Traum“, sagt Kruel. Es wäre das erste Futsal-Profiteam in ganz Deutschland.

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