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2. Bundesliga

Jahn geht gegen cleveren Club leer aus

Die Regensburger verlieren das Zweitliga-Derby in der ausverkauften Continental-Arena. Möhwald macht das entscheidende Tor.
Von Jürgen Scharf, MZ

Die Spieler des SSV Jahn Regensburg waren dem 1. FC Nürnberg unterlegen. Foto: Nickl
Die Spieler des SSV Jahn Regensburg waren dem 1. FC Nürnberg unterlegen. Foto: Nickl

Regensburg.Der SSV Jahn Regensburg steht auch nach dem zweiten Spieltag in der 2. Liga mit leeren Händen da. Gegen den 1. FC Nürnberg gibt es am Sonntagnachmittag eine 0:1 (0:0)-Heimniederlage. In der ausverkauften Continental-Arena schießt Kevin Möhwald in der 77. Minute das entscheidende Tor und sorgt dafür, dass der Club mit zwei Siegen einen Traumstart in die neue Saison feiert. Bei den Regensburgern ist nach zwei Niederlagen zum Auftakt derweil die Enttäuschung groß.

Zweimal gut gespielt, zweimal nichts geholt. Am ersten Spieltag gab es für den Jahn durch ein Gegentor in letzter Minute eine 1:2-Niederlage in Bielefeld, nun eine wieder denkbar knappe Pleite gegen Nürnberg. „Das Momentum oder das Matchglück ist momentan nicht bei uns“, sagte Jahn-Coach Achim Beierlorzer nach dem Spiel. Sein Team müsse dieses Glück in den kommenden Wochen nun „noch mehr fordern“. Ein grundsätzliches Problem, in der Liga mitzuhalten, kann Beierlorzer nicht erkennen: Mit der Art und Weise, wie seine Mannschaft gegen den großen Favoriten aus Nürnberg aufgetreten ist, war er nämlich „sehr zufrieden“.

Riesige Vorfreude auf das Derby

Bei den Fans hatte riesige Vorfreude auf das seit Wochen ausverkaufte bayerische Derby geherrscht. Bereits vor dem Anpfiff war dies in und um die Continental-Arena zu spüren. Die 15 224 Glücklichen, die eine Karte erhalten hatten – davon wohl knapp ein Drittel Club-Anhänger –, strömten ins Stadion und stimmten Gesänge an. Als Schiedsrichter Harm Osmers die Partie dann startete, stürzten sich die beiden Mannschaften umgehend in einen wahren Zweikampf-Marathon. Wo immer gerade der Ball war, versammelten sich die zwanzig Feldspieler so nah wie möglich um ihn herum und kämpften erbittert um das Spielgerät. Es wurde gerannt, gezerrt, geschubst und gegrätscht. Ein echtes Kampfspiel, das zunächst wenig schön anschauende Kombinationen zu bieten hatte, die Zuschauer aufgrund seiner Intensität aber dennoch in den Bann zog.

Jeder Ball war hart umkämpft. Foto: Nickl
Jeder Ball war hart umkämpft. Foto: Nickl

Die erste Torchance überhaupt gab es nach einer Viertelstunde. Der ansonsten stark spielende Regensburger Sargis Adamyan passte den Ball aus Versehen zum Gegner. Die Nürnberger nutzten das sofort aus und brachten Sebastian Kerk in Position, der mit seinem Schuss jedoch am gut reagierenden Jahn-Keeper Philipp Pentke scheiterte.

13 Jahre lange hatten der Jahn und der 1. FC Nürnberg nicht mehr gemeinsam in einer Liga gespielt. Dies lag natürlich vor allem an den Regensburgern, die die meiste Zeit in der dritten oder gar vierten Liga verbrachten. Nun gab es das fränkisch-oberpfälzische Duell endlich wieder. Dieses blieb auch im weiteren Verlauf der ersten Halbzeit in erster Linie ein mit großer Leidenschaft geführter Kampf. Es wurde vor allem geackert und wenig gezaubert. Torchancen gab es nur ganz selten zu sehen.

„Ich fand Regensburg sogar sehr präsent und selbstbewusst“

Michael Henke, Scout des FC Ingolstadt

Auf der Tribüne saß mit Michael Henke auch ein Scout des FC Ingolstadt, dem nächsten Gegner des Jahn in der Liga. Henke fand die Leistung der Regensburger bis zur Pause „sehr gut“, wie er unserem Medienhaus sagte. Dem Club attestierte er zwar „leichte Vorteile“, der Jahn habe aber keineswegs wie ein braver Aufsteiger gewirkt: „Nein, ich fand Regensburg sogar sehr präsent und selbstbewusst.“

Der Jahn kommt energiegeladen aus der Pause

Und wie als ob die Jahn-Spieler dieses Lob unterstreichen wollten, kamen sie energiegeladen auf den Platz zurück. In der Anfangsphase der zweiten Halbzeit kombinierten sich die Regensburger mehrere Male geschickt durchs Mittelfeld und versuchten, in eine gute Schussposition zu kommen. Nach etwa zehn Minuten ebbte diese Welle der Gastgeber jedoch wieder ab. Fortan war es ein offenes Spiel, „auf Messers Schneide“, wie Beierlorzer später fand.

Im Kopfballduell ging es heiß her. Foto: Nickl
Im Kopfballduell ging es heiß her. Foto: Nickl

Auf alle Fälle zeigten alle Spieler weiter große Hingabe. Mal hatte die eine, mal die andere Mannschaft etwas mehr Ballbesitz, ohne diesen aber richtig nutzen zu können – so schien es zumindest. Bis in der 77. Minute die Nürnberger eiskalt zuschlugen. Wie am Schnürchen gezogen sauste der Ball plötzlich blitzschnell durch ihre Reihen, bis Kevin Möhwald freigespielt war und der präzise zum 1:0 für den Club verwandelte.

Mees vergibt große Chance

Ein Treffer, der besonders bitter im Jahn-Herz einschlug, weil nur kurz zuvor Joshua Mees eine dicke Torchance für die Regensburger vergeben hatte. Mees habe eigentlich eine noch bessere Schussposition als Möhwald gehabt, erinnerte sich Beierlorzer später. In solchen entscheidenden Situationen müsse sein Team in Zukunft einfach mehr rausholen, um erfolgreich zu sein, analysierte er: „Wir müssen noch konzentrierter in diese Abschlüsse gehen.“ Insgesamt wünsche er sich zudem „etwas mehr Mut und Selbstbewusstsein“, der Respekt vor der 2. Liga müsse endgültig abgelegt werden.

Hier gibt es die Einzelkritik der Jahn-Spieler:

Einzelkritik SSV Jahn gegen 1. FC Nürnberg

In der Schlussphase hatte Beierlorzer versucht, mit Wechseln auf den Rückstand zu reagieren. Kurz vor dem Ende brachte er noch Markus Palionis. Normalerweise eigentlich ein Abwehrspieler, bezog er dieses Mal im Angriff Position, um mit seiner Kopfballstärke eventuell etwas zu erreichen.

Der Ausgleich sollte aber nicht mehr fallen. Die daraus resultierende Bilanz von null Punkte aus zwei Spielen sei natürlich enttäuschend, fand Jahn-Verteidiger Marvin Knoll, es helfe aber überhaupt nichts, jetzt unruhig zu werden: „So ist der Fußball. Aber jetzt muss es weiter gehen.“ Es gebe schließlich viele positive Dinge, an denen sich die Mannschaft aufrichten könne: „Es ist ja nicht so, dass wir hier haushoch unterlegen gewesen wären. Wir haben gut mitgehalten und machen mit ein bisschen Glück selbst das 1:0.“

„Es bringt nichts, jetzt zu lange enttäuscht zu sein“

Andy Geipl

Dass es nun zweimal nur Komplimente, aber keine Punkte gegeben hat, nerve ihn nach eigener Aussage zwar total, dennoch gelte es den Überblick zu wahren: „Denn es ist erst der zweite Spieltag. Jetzt müssen wir es eben irgendwie erzwingen.“

Ähnlich formulierte es Andy Geipl. Der Mittelfeldspieler des Jahn räumte ein, dass kurz nach dem Spiel die Enttäuschung groß sei, „es bringt aber auch nichts, jetzt zu lange enttäuscht zu sein. Wir müssen nach vorne schauen und weiter so spielen wie heute, denn ich glaube, dass wir ein richtig gutes Spiel gemacht haben“.

Auf Geipl und seine Teamkollegen wartet im nächsten Ligaspiel in zwei Wochen nun gleich der nächste ganz dicke Brocken. Der FC Ingolstadt, der bis zum Sommer noch in der Bundesliga gespielt hat, ist ebenfalls mit zwei Niederlagen gestartet und steht wohl noch mehr unter Druck als der Jahn. Es dürfte also das nächste ganz heiße bayerische Derby geben.

In unserem Liveticker können Sie die Party nochmals verfolgen!

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