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Fussball

Jahn hat wieder eine echte Nummer eins

Bei den Regensburgern fehlte lange Konstanz auf der Torhüter-Position. Mit Philipp Pentke könnte sich das nun ändern.
Von Jürgen Scharf, MZ

Betätigt sich auch als Kofferträger: Philipp Pentke Foto: Nickl
Betätigt sich auch als Kofferträger: Philipp Pentke Foto: Nickl

Regensburg.Der rechte Arm von Philipp Pentke ist vom Handgelenk an bis zur Schulter hoch tätowiert. „Da stehen Sachen drauf, die mir wichtig sind, Dinge an die ich glaube“, erzählt er – zum Beispiel: „Roll on!“ Das sei sein Motto fürs Leben, erzählt der Torwart des SSV Jahn Regensburg. Von Rückschlägen nicht aus der Bahn werfen lassen, den Kopf oben halten, weiterrollen eben. Und mit dieser Einstellung sei er in seiner Karriere als Profi-Fußballer bislang sehr gut gefahren: „Es bringt ja nichts, sich von Rückschlägen kleinkriegen zu lassen, du musst immer weiter machen.“

Immer weiter, immer weiter. Diesen Spruch prägte einst Oliver Kahn, der langjährige Torwart des FC Bayern München. Vielleicht hat er damit auch Pentke ein bisschen geprägt. Bei der Frage nach seinen Idolen nennt dieser jedoch zwei andere ganz große Keeper. Der Italiener Gigi Buffon und der Niederländer Edwin van der Saar haben ihn damals, als er noch ein junger Torwart war, sehr beeindruckt, erzählt er: „Da habe ich schon versucht, mir ein bisschen was abzuschauen.“

Aufstieg mit dem Chemnitzer FC

Vor 30 Jahren wurde Pentke in Freiberg in der ehemaligen DDR geboren. Beim dort ansässigen BSC begann er Fußball zu spielen. Noch in der Jugend wechselte er zu Dynamo Dresden. Im Profibereich suchte Pentke beim TSV 1860 München, dem FC Augsburg und bei Energie Cottbus sein Glück, fand es aber erst beim Chemnitzer FC. Hier wurde er Stammtorwart, stieg mit dem Klub 2011 in die 3. Liga auf. Sechs Jahre spielte er für den FC. Es sei eine tolle Zeit gewesen, sagt er, nur das Ende sei nicht optimal gelaufen: „Ich will dazu aber nichts mehr sagen.“ Jedenfalls musste sich Pentke im vergangenen Sommer einen neuen Verein suchen – und fand ihn in der Oberpfalz.

Der SSV Jahn und seine Torhüter. In den vergangenen Jahren war das eine Verbindung mit wenig Konstanz. Immer wieder durfte sich ein neuer probieren, wirklich lange blieb keiner die Nummer eins. Im vergangenen Sommer setzte sich nun Philipp Pentke auf diesen Schleudersitz – und bewies bislang erstaunliches Sitzfleisch.

Von der Spitze will sich der Jahn nicht mehr verdrängen lassen:

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16. Juli 2015. Der Jahn startet mit einem Heimspiel gegen Aschaffenburg in die neue Saison. Der Druck für den Absteiger aus der 3. Liga ist riesig. Fast 8000 Zuschauer sind in die soeben erst eröffnete Continental-Arena gekommen. Alles andere als ein Sieg wäre eine bittere Enttäuschung. Zehn Minuten vor dem Ende führen die Gastgeber knapp mit 3:2. Plötzlich rennt Aschaffenburgs Simon Schmidt frei in den Jahn-Strafraum, schießt und scheitert an Pentke, der den Ball mit einer tollen Parade neben das Tor lenkt.

Der Mannschaft in einer Eins-zu-eins-Situation den Sieg gerettet – es ist ein Traumstart für den neuen Keeper, der bis jetzt eine erstklassige Saison spielt. Er ist einer der wenigen Jahn-Spieler, die selbst im turbulenten Spätherbst 2015, als der Klub in die Krise schlittert, nicht infrage gestellt werden. Pentke selbst hört das aber gar nicht so gerne, auch wenn er da meistens keine Chance hatte, die Gegentreffer zu verhindern. „Wenn wir Tore bekommen, bekommen wir die zusammen, da kann ich mich ja nicht ausnehmen“, sagt er bescheiden.

„Seine Stimme hat Gewicht“

Gelobt wird er dafür von anderen. „Gut, dass wir ihn haben“, sagt Trainer Heiko Herrlich über seinen Keeper. „Er ist einer unserer konstantesten Spieler, der Woche für Woche den Anspruch, Profi zu sein, untermauert“, sagt Jahn-Sportchef Christian Keller, der betont, dass sich Pentke auch als Persönlichkeit voll in die Mannschaft einbringe: „Seine Stimme hat ein großes Gewicht. Er versucht immer, das Team nach vorn zu pushen.“

„Er ist einer unserer konstantesten Spieler, der Woche für Woche den Anspruch, Profi zu sein, untermauert.“

Christian Keller

Es ist insbesondere eine beeindruckende Ruhe, die Pentke auf dem Platz ausstrahlt und mit der er gegnerische Stürmer oft zur Verzweiflung bringt. Die sei über die Jahre gekommen, erzählt der Keeper. Heute mache er sich vor Spielen nicht mehr so viele Gedanken wie früher, vor allem keine negativen. „Ich spüre vor allem Vorfreude“, sagt er, und das tue ihm gut. Zudem habe er gemeinsam mit seinem Torwarttrainer Kristian Barbuscak ein festes Ritual vor jedem Spiel, das ihm Sicherheit gebe. Was da gemacht wird, will er aber nicht verraten. „Das bleibt geheim“, sagt er mit einem Lachen.

Lachen tut Pentke sowieso gerne und oft. „Penne“, wie er von seinen Teamkollegen genannt wird, sträubt sich auch nicht dagegen, in der Mannschaft für Stimmung zu sorgen. „Aber nur, wenn ich spontan das Gefühl hab, es braucht jetzt etwas Leben. Planen tu ich das nie.“ Sein Herz ist seit zweieinhalb Jahren übrigens an Maura Visser, eine niederländische Handball-Nationalspielerin vergeben. Visser wechselte vergangen Sommer von einem dänischen Verein zur SG Bietigheim in die deutsche Bundesliga. Zwar müssen beide immer noch eine Fernbeziehung führen, „jetzt ist die Entfernung aber schon deutlich geringer“, sagt Pentke. An jedem freien Tag düst er die 280 Kilometer zu seiner Freundin. Dann wird bei Spaziergängen mit ihrem Chihuahuarüden Chico entspannt. Gemeinsame Zeit mit seiner Maura zu verbringen, das stehe an den wenigen freien Tagen an erster Stelle, erzählt er. Und vielleicht kann sich das Sportlerpaar demnächst ja über den Aufstieg des SSV Jahn unterhalten. Pentke würde es freuen: „Ich habe das mit Chemnitz schon mal mitgemacht und würde das gerne wieder erleben.“

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