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Jahn rettet Eisbären-Lizenz

„Unerwartete Helfer“ hätten die EVR-Eisbären im Kampf um die Lizenz bekommen, hieß es zuletzt.

Von Heinz Reichenwallner, MZ und

Claus-Dieter Wotruba, MZ

REGENSBURG. Die Eishockey-Fans bangten lange: Immer wieder tauchten zuletzt Details und Aussagen auf, die in Frage stellten, dass die Eisbären des EV Regensburg im laufenden Lizenzierungsverfahren bestehen würden. Bis vergangenen Freitag: Da sprach Eisbären-Marketingleiter Johannes „Joe“ Prem, der den derzeit im Urlaub weilenden GmbH-Geschäftsführer Markus Schrör vertritt, bei der Präsentations-Pressekonferenz von Verteidiger Paul Flache bei Sponsor Buchbinder plötzlich von „unerwarteten Helfern“.

Die nebulöse Andeutung, die auch auf Nachfrage nicht präzisiert worden war, weckte die Phantasie. Sorgte vielleicht ein in die Oberpfalz verirrter Scheich oder das Testament eines verstorbenen Fans für die Behebung der Finanzsorgen im Lizenzkampf? Für Scherze war die Thematik eigentlich viel zu ernst. Freilich hätte bis heute sicher jeder Sportfan auch die aktuelle Lösung als solchen empfunden. Dass ausgerechnet die Fußballer des SSV Jahn den Eishockeyspielern der EVR-Eisbären aus der Patsche helfen könnten, war ja nun auch wirklich nicht abzusehen.

Wie es dazu gekommen ist, schildert Franz Nerb wie folgt: „Mir ist bekannt geworden, dass die Eisbären ihre Schwierigkeiten im Lizenzverfahren haben und ihnen dafür noch ein Betrag von 75000 Euro fehlt. Als ich angesprochen wurde, ob wir nicht einen Sponsor für den EVR wüssten, hatte ich zunächst auch keine Idee.“ Doch „beim Mittagessen im Teehaus“ reifte ein revolutionärer, bisher nie da gewesener Gedanke, „dass vielleicht der SSV Jahn mit einer Bürgschaft aushelfen könnte“. Was sich eigentlich simpel anhört, war so einfach dann doch nicht. „Unser Verein ist ja nun wahrlich auch nicht auf Rosen gebettet“, sagt der Jahn-Präsident. „Es ist nicht so, dass wir im Geld schwimmen, aber wir haben sehr gute Sponsorenverträge gemacht“, erklärt Nerb.

Deshalb sei für ihn gleich festgestanden, dass die finanzielle Jahn-Hilfe für den EVR eigentlich nur so von statten gehen kann: Einer der Gönner des Fußball-Regionalligisten müsse damit einverstanden sein, dass ein Teil seiner vertraglich zugesicherten Sponsorensumme vom SSV Jahn als Eisbären-Bürgschaft benutzt werde.

Nacheinander klapperte Nerb dann alle Beteiligten ab. „Für uns kam dieser Anruf aus heiterem Himmel“, berichtet Prem. „Alle von mir informierten Beiräte waren auch begeistert. Man muss davon ausgehen, dass wir es aus eigener Kraft so schnell nicht geschafft hätten.“ Nerb tourte mit seiner Idee derweil weiter: „Ich habe sie meinen Vorstandskollegen Michaela Prummer, Horst Eberl und Franz Schmidbauer mitgeteilt. Und auch sie waren damit einverstanden, dass wir helfen“, sagt Nerb, „natürlich nur, falls sich das auf diesem Weg realisieren lässt“.

Es ließ sich auf diesem Weg realisieren, obwohl Nerb einräumt: „Ein Problem war noch der Zeitfaktor. Die Eisbären brauchten die Bürgschaft sofort für die Finanzierungsunterlagen, die sie am Donnerstag für ihr Lizenzverfahren abgeben müssen.“ Letztlich wurde aus Nerbs Idee Wirklichkeit. „Dank unserem Sponsor, dem Energiedrink-Hersteller rhino’s und Josef Kainz, dem Leiter der Raiffeisen- und Landesbank Oberösterreich in Regensburg klappte es reibungslos mit den Modalitäten, und die Bürgschaft konnte ausgestellt werden.“ Was dem EVR nun im Zulassungsverfahren enorm hilft, kostet den SSV Jahn nur „echtes“ Geld, wenn der Regensburger Eishockey-Zweitligist bis zum 28.Mai 2008 in Insolvenz gehen müsste. „Wir sind der Meinung, dass die Eisbären das in einem Jahr hinkriegen, aber wenn die Bürgschaft wirklich weg wäre, könnten wir uns das auch leisten“, sagt Nerb für den schlimmsten aller Fälle.

Bliebe noch die Frage der Motivation für Nerbs Handeln. „Wir müssen in Regensburg doch zusammenhalten“, nennt Nerb den Beweggrund für die Nachbarshilfe. Der Jahn-Präsident wollte deshalb ein Zeichen setzen, weil er sich gut vorstellen könne, was es für den EVR bedeuten würde, wenn er die Lizenz nicht bekommt. „Dann würden dort wohl die Lichter ausgehen. Wenn man uns die Zulassung für die Regionalliga verweigert hätte, wäre es nicht anders gewesen. Und das darf einfach nicht sein, immerhin sind wir die beiden größten Profivereine in Regensburg.“

In dem Zusammenhang weist Nerb mit Nachdruck daraufhin, dass die Hilfe für den Nachbarn keineswegs ein Indiz dafür sei, dass der SSV Jahn eine Goldader entdeckt hätte. „Es sind von uns auch noch verschiedene Rechnungen zu zahlen. Bis Ende September, Anfang Oktober haben wir sicher noch eine finanzielle Durststrecke zu überstehen. Doch die guten Sponsorenverträge gewährleisten in der Liquiditätsplanung doch einigermaßen Sicherheit.“ Auch künftig kann sich Nerb gemeinsame Aktionen mit den Eisbären vorstellen: „Gemeinsame VIP-Dauerkarten wären eine gute Idee. Viele Firmen haben sowohl Jahn- als auch Eisbären-Fans unter ihren Mitarbeitern und Kunden.“

Joe Prem und die Eishockey-Delegation, die eine Gesamt-Bürgschaft von 200000 Euro zu stemmen hatten, sehen dem Abgabetermin morgen jedenfalls nun entspannter entgegen. Im besten Fall können sie die frohe Lizenz-Kunde der Eishockeyspielbetriebsgesellschaft (ESBG) am Freitag schon verkünden.

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