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Trauer

Kandlbinder ist tot

Der berühmteste Regensburger Schiedsrichter starb am Mittwoch im Alter von 88 Jahren.

Josef Kandlbinder mit einem Foto, auf dem Bundestrainer Sepp Herberger ihm die Hand schüttelt.Foto: Altrofoto

Regensburg. Regensburgs berühmtester Schiedsrichter des 20. Jahrhunderts (16 Länderspiele, Olympia-Teilnahme 1960) ist tot. Josef „Zuckerl“ Kandlbinder ist am Mittwoch im Alter von 88 Jahren in einem Altenheim in Rohr gestorben. Dort lebte er seit sieben Jahrne, nachdem seine Frau gestorben war.

Der ehemalige Schiedsrichter wurde am 7. Januar 1923 in Regensburg geboren. Als Schüler und in der Jugend (von 1940 bis 1948) spielte Kandlbinder, der am „Fischmarkt“ in Regensburg aufgewachsen ist, bei der Regensburger Turnerschaft am Oberen Wöhrd. Seine Position war der Sturm, die rechte Außenbahn.

Mit 24 Jahren begann er seine Schiedsrichter-Karriere. „Fußball war immer seine große Leidenschaft“, sagte Tochter Doris Adler gestern. Mit 28 Jahren pfiff der gelernte Augenoptiker dann sein erstes Oberliga-Spiel (Waldhof gegen VfB Stuttgart), Vorläufer der heutigen Bundesliga. Mit 30 Jahren wurde er DFB-Schiedsrichter und mit 34 Jahren in die Fifa-Liste aufgenommen. Als er 1964 aufhörte, war er Deutschlands Nummer eins. Danach war er noch viele Jahre als Fußballtrainer tätig.

Der souveräne Pfeifenmann der 50er und 60er Jahre, der Pele, Ferenc Puskas, Bobby Charlton und Giovanni Trapattoni pfiff, lebte nach dem Karriere-Ende sehr zurückgezogen. Der gefürchtete Schiedsrichter und Trainer, der er einst war, wollte nicht, dass man ihn in der Schwäche seines Alters sieht – Kandlbinder litt an Parkinson.

Vor 40 Jahren hingegen waren aller Augen noch auf ihn gerichtet. 75000 sahen ihn 1960 in Frankfurt, beim Endspiel um die Deutsche Fußballmeisterschaft zwischen Hamburger Sportverein und 1. FC Köln (2:1), das er als den Höhepunkt seiner Karriere betrachtet. Damals wurde ihm von der Sportpresse eine tadellose Leistung bescheinigt. Er ging in die Geschichte ein, als er in der 84. Spielminute einen Wadenkrampf erlitt. Masseur Deuser hatte ihn schnell wieder fit gemacht.

Josef Kandlbinder wird in der kommenden Woche beigesetzt – ganz im Stillen, im engsten Familienkreis, wie Doris Adler sagte. Er hinterlässt zwei Töchter, drei Enkelkinder und zwei Urenkel.

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