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SSV Jahn

Knoll bringt den Jahn auf Temperatur

Kämpfer und Antreiber – der Innenverteidiger spielt bislang eine überragende Saison. „Ein absoluter Leader“, lobt der Coach.
Von Jürgen Scharf, MZ

Auf dem Platz ein Energiebündel und Motivator, abseits des Rasens ein Mensch mit feinen Antennen: Marvin Knoll
Auf dem Platz ein Energiebündel und Motivator, abseits des Rasens ein Mensch mit feinen Antennen: Marvin Knoll Foto: Nickl

Regensburg.Die Angreifer des SSV Jahn können sich sicher sein. Werden sie von einem Gegenspieler böse gefoult, muss sich der Übeltäter einiges anhören. Dann eilt nämlich ihr Teamkollege Marvin Knoll aus der Abwehr herbei und redet Klartext. Aggressive-Leader nennt man Typen wie Knoll in der modernen Fußballsprache. Man könnte Knoll aber auch einfach als Thermometer des SSV Jahn bezeichnen. Wenn er das Gefühl hat, dass die Betriebstemperatur noch nicht erreicht ist, dann heizt er sich und seinen Mitspielern ein – und bei Bedarf eben auch den Gegenspielern. Zuletzt hat er das alles stets gut hingekriegt.

Für Trainer Heiko Herrlich (rechts) ist Marvin Knoll ein wichtiger Ansprechpartner.
Für Trainer Heiko Herrlich (rechts) ist Marvin Knoll ein wichtiger Ansprechpartner. Foto: Nickl

Marvin Knoll ist 27 Jahre alt, stammt aus Berlin und spielt seit zwei Jahren für den SSV Jahn. Als er nach Regensburg wechselte, war sein neuer Klub gerade im Sinkflug – und auch er persönlich hatte eine schwere Zeit hinter sich. Seinen großen Traum, bei seinem Stammverein Hertha BSC den Durchbruch zu schaffen, hatte er ohnehin schon begraben. Doch auch bei Dynamo Dresden und dem SV Sandhausen setzte sich Knoll nicht durch. Er habe vor allem das Gefühl vermisst, richtig gebraucht zu werden, erzählte Knoll bei seinem Wechsel zum Jahn. In Regensburg wird er das.

„Da gibt es viel Respekt“

In der Oberpfalz fühlt Knoll sich mittlerweile pudelwohl: „Die Leute hier sind sehr nett und sehr freundlich, auch zu meiner Familie, da gibt es viel Respekt, das ist mir sehr wichtig.“ Seine Familie, das ist Frau Anna und die zweieinhalbjährige Tochter Emilia. Und die drei werden wohl noch längere Zeit in Regensburg bleiben. Knolls Vertrag läuft schließlich bis 2018.

Als Knoll zum Jahn kam, konnte er die Talfahrt des Klubs zunächst auch nicht aufhalten. Er erlebte den Tiefpunkt, den bitteren Abstieg in die Regionalliga. Der Verteidiger blieb aber da und wurde eine der Stützen der Mannschaft, die den sofortigen Wiederaufstieg schaffte. In der aktuellen Saison mischt der Jahn nun sogar in der Spitzengruppe der 3. Liga mit. Und wenn debattiert wird, welche Spieler diesen Höhenflug maßgeblich mitangeschoben haben, fällt immer wieder ein Name: Knoll.

In unserem Video spricht Trainer Heiko Herrlich über Marvin Knoll

Heiko Herrlich über Marvin Knoll

Früher spielte dieser im defensiven Mittelfeld. Als beim Jahn jedoch ein Innenverteidiger nach dem anderen ausfiel, sprang er ein und machte seine Sache auf Anhieb hervorragend. Mit seiner Bissig- und Schnelligkeit ist er im Zweikampf eine Macht, und dank seiner guten Technik baut er das Spiel von der Abwehr aus gut auf. Überhaupt nimmt er eine ganz wichtige Rolle im Team ein. Seit mehreren Monaten fehlt Kapitän Markus Palionis wegen eines Kreuzbandrisses. Jemand musste stellvertretend die Position des Antreibers übernehmen. „Marvin ist da hineingewachsen. Er ist ein absoluter Leader“, sagt Trainer Heiko Herrlich. Sportlich attestiert er Knoll eine „bislang überragende Saison. Ich bin froh, dass wir ihn haben“.

Ehrlich und nachdenklich

Energiebündel, Zweikämpfer, Organisator – so erleben die Fans Knoll auf dem Platz. Abseits des Rasens habe er ihn als „sehr ehrlichen, sehr nachdenklichen und sensiblen Menschen“ kennengelernt, erzählt sein Trainer. Knoll fühle aber nicht nur in sich selbst, sondern auch viel in die Mannschaft hinein: „Er schaut genau, wie die Schwingungen in der Mannschaft sind, wer Hilfe braucht, oder wer einen Tritt in den Hintern. Das macht er sehr gut.“

Das große Lob, das Knoll von seinem Coach bekommt, scheint umso wertvoller, da Herrlich nicht immer auf ihn setzte. Vor zehn Jahren, als dieser das deutsche U17-Nationalteam coachte, stand Knoll im erweiterten Kader, schaffte es am Ende aber nicht ins Aufgebot für die Weltmeisterschaft in Südkorea. „Im Leben sieht man sich immer zweimal“, sagt Knoll heute: „Hier hat es jetzt auf Anhieb gut funktioniert. Der Trainer hat viel mit mir geredet. Das Vertrauen war sehr wichtig, deswegen konnte ich den nächsten Schritt machen.“

Die Gefahr, dass Knoll das viele Lob zu Kopf steigt, sieht der Trainer übrigens nicht. „Marvin hat ja schon einiges erlebt im Fußball. Er ist durch diese Erfahrungen ziemlich geerdet.“ Überhaupt habe er sich voll auf den Jahn, auf seine Aufgabe hier, auf den Klub eingelassen. „Er ist mit dieser Sache hier verheiratet“, sagt Herrlich. Diese Bereitschaft, diese Leidenschaft für den Verein, fordere er bei jedem Spieler, erzählt Herrlich: „Marvin hatte sie aber sowieso, ganz ohne, dass wir mit ihm darüber sprechen mussten.“

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