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Laufsport

Kontrast beim coolsten Marathon der Welt

Holly Zimmermann wagt das nächste Abenteuer: Am 29. Oktober läuft sie am Polarkreis über Eis und verschneite Schotterpisten.
Von Andreas Allacher, MZ

Das erwartet Holly Zimmermann: Eine hügelige Strecke über Eis und Schnee im dämmrigen Licht des arktischen Herbstes. Die Temperaturen sollen um die elf Grad minus liegen.
Das erwartet Holly Zimmermann: Eine hügelige Strecke über Eis und Schnee im dämmrigen Licht des arktischen Herbstes. Die Temperaturen sollen um die elf Grad minus liegen. Foto: Albatros Adventure Marathon

Alteglofsheim.Es wird kalt werden; dessen ist sich Holly Zimmermann sicher. Die 46-jährige Ultraläuferin, die heuer bereits im April an sieben Tagen 257 Kilometer durch die Wüste Sahara gelaufen ist, nimmt am Samstag, 29. Oktober, ihr nächstes Abenteuer in Angriff: den Polar-Circle-Marathon. Im ewigen Eis von Grönland sind die 42,195 Kilometer eine besondere Herausforderung. Die Zeit – „viereinhalb Stunden wären schön, mit fünf Stunden wäre ich auch zufrieden“, so die Mutter von vier Kindern – ist eher nebensächlich, der Erfolg ist eine glückliche Zielankunft. „Ich will das Rennen genießen“, nennt sie ihr persönliches Ziel.

Am Mittwoch stieg sie in den Flieger nach Kopenhagen, am Donnerstag geht es weiter nach Grönland, wo es derzeit minus 20 Grad hat. Wenn am Samstag um 8.30 Uhr das Rennen gestartet wird, sollen es nur mehr minus neun Grad bei Sonnenschein sein. Aber was heißt schon Sonne im arktischen Spätherbst: Viele der vorherigen Auflagen des Polar-Circle-Marathon gingen in einer Art Dauerdämmerung über die Bühne. „Nordlichter wären natürlich das Schönste, das wäre ein Traum“, ist ihr die Vorfreude auf das Unbekannte anzusehen. „Mit diesem Rennen schließt sich für mich der Kreis in diesem Laufjahr.“

Lange nur auf der Warteliste

Denn nur wenige Tage nach ihrer Rückkehr vom Marathon des Sables in Marokko hatte sie sich für das Abenteuer am Polarkreis angemeldet; der Kontrast zur Wüste war der besondere Reiz. Die Teilnehmerzahl in Grönland ist auf 140 pro Lauf beschränkt; mehr gibt die Bettenkapazität in der kleinen Gemeinde Kangerlussuaq nördlich des Polarkreises nicht her. Holly Zimmermann wurde auf die Warteliste gesetzt und hörte nichts mehr, bis sie vor etwa drei Wochen eine E-Mail erhielt, dass ein Startplatz freigeworden ist – mit einer Rückmeldepflicht binnen eines Tages.

Im April 2016 ist Holly Zimmermann beim Marathon des Sables in Marokko an sieben Tagen insgesamt 257 Kilometer durch die Wüste Sahara gelaufen.
Im April 2016 ist Holly Zimmermann beim Marathon des Sables in Marokko an sieben Tagen insgesamt 257 Kilometer durch die Wüste Sahara gelaufen. Foto: A360DEGRES

Eher belustigt über die Kurzfristigkeit, eine solche Strapaze anzugehen, erzählte sie ihrem Ehemann von der unerwarteten Chance, der ihr spontan riet: „Das musst Du machen!“ In die gleiche Kerbe schlugen ihre vier Kinder, die nach ihren Worten aus den Sahara-Erfahrungen der Mutter viel Positives gezogen hätten. „Ich weiß, dass meine ganze Familie hinter mir steht, so dass ich den Kopf freihabe für den Lauf.“ Und so meldete sie sich kurzentschlossen für Grönland an.

Erkältung behindert Vorbereitung

So war eine Vorbereitung nahezu unmöglich, und was möglich gewesen wäre, fiel dann einer Erkältung zum Opfer. Nach der Teilnahme am Limes-Run in Bad Gögging vor zwei Wochen ging zehn Tage lang gar nichts in Sachen Training. An Ausrüstung schaffte sie sich neu nur Gamaschen an, um zu verhindern, dass Schnee in die Schuhe kommt. Ansonsten plant sie „drei Schichten oben und unten“ sowie Schneeketten für die Laufschuhe, wie sie die Läuferin bei Eis und Schnee auch in Deutschland benutzt. „Ich laufe ja schließlich auch im Winter“, sagt Zimmermann, die sich auch im Armin-Wolf-Laufteam für soziale Projekte engagiert und besonders gerne mit Kindern arbeitet, um sie für Sport und Bewegung zu begeistern. Wie in der Wüste Wasser auf die Strecke mitzunehmen, ist sinnlos, da es gefrieren würde. „Aber es gibt mehrere Verpflegungsstationen“, spricht Zimmermann von „fast luxuriösen Verhältnissen im Vergleich zu Marokko“.

Immer wieder wird sie gefragt, erzählt die Ultraläuferin, warum man sich solche Strapazen antut. Die Antwort liegt wohl in ihrer Persönlichkeit, die nicht nur sportlich oftmals das Ungewöhnliche sucht: Sie ist als Amerikanerin nach Deutschland übergesiedelt, sie hat als Frau beruflich eine Karriere als Maschinenbau-Ingenieurin eingeschlagen, sie hat sich für eine Großfamilie mit vier Kindern entschieden. Und sportlich hat sie den Ultralauf gewählt, also Strecken, die jeweils ab der Marathongrenze beginnen. So gewann sie heuer zum dritten Mal in Folge den Regensburger Landkreislauf über 65 Kilometer. Ein weiterer Saisonhöhepunkt war für Zimmermann ihr erster 100-Kilometer-Lauf im schweizerischen Biel. „Nur flach laufe ich nicht gerne“, begründet sie, dass sie für diesen Lauf durch die Nacht – Start war um 22 Uhr – zwölf Stunden brauchte.

Das „Problem“ einer zu flachen Strecke wird sie am Samstag in der hügeligen und teilweise steilen Landschaft der arktischen Tundra nicht haben. Selbst das Laufen auf der bis zu 300 Meter dicken Eisschicht des Gletschers bietet viel Abwechslung. Was sie auch am Ultralauf so liebt, ist aber garantiert: Die Ungewissheit, was noch kommt und wie der eigene Körper auf die Belastungen reagiert. „Ich mag diese Überraschungen, und ich mag es, zu sehen, wie man die Probleme doch lösen kann.“

Eine solche Grenzerfahrung machte sie heuer bei der vierten Etappe des Marathons des Sables, als sie über 19 Stunden auf den Beinen war und die Wüstennacht über der einsamen Läuferin hereinbrach. Dennoch hat sie in der Dunkelheit das Tagesziel noch erreicht. Auf den am Sonntag zusätzlich angebotenen Halbmarathon verzichtet Holly Zimmermann übrigens. Sie will am Tag nach ihrem Rennen als Touristin die Gletscherzungen, Moränenlandschaften und die lautlose, arktische Wüste genießen. „Danach könnte ich eigentlich in den sportlichen Ruhestand gehen“, meint das Energiebündel aus Alteglofsheim, die mit ihren 46 Jahre im besten Langstreckenalter ist. Und so erzählt sie gleich von ihren Zielen für das kommende Jahr. Da würde sie gerne ein paar Bergläufe machen – natürlich über längere Distanzen.

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Polar-Circle-Marathon

  • Der Polarkreis-Marathon

    wird am Samstag, 29. Oktober, um 8.30 Uhr in Grönland gestartet. Die Route führt über Eis und die oft schneebedeckte Schotterstraße, die den Gletscher mit der Gemeinde Kangerlussuaq nördlich des Polarkreises verbindet.

  • Auf der gleichen Route

    wird am Sonntag ein Halbmarathon in der arktischen Tundra gestartet. Das Teilnehmerfeld ist für beide Veranstaltungen aufgrund der geringen Bettenkapazität vor Ort auf jeweils 140 beschränkt.

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