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Handball

Kritik an Adler-Trainer Kai-Uwe Pekrul

Die Frage der Fitness bleibt bei den Bayernliga-Adlern der SG Regensburg ein Dauerthema. Verantwortliche äußern sich nicht.
Von Gerd Winkler

Trainer Kai-Uwe Pekrul genießt bei den Adlern von Handball-Bayernligist SG Regensburg viele Freiheiten. Foto: Christian Brüssel
Trainer Kai-Uwe Pekrul genießt bei den Adlern von Handball-Bayernligist SG Regensburg viele Freiheiten. Foto: Christian Brüssel

Regensburg.Seit dem 23. November sieglos, nur ein Punkt in fünf Spielen: Das ist die Krise der im vorigen Sommer enorm verstärkten Adler von Handball-Bayernligist SG Regensburg (8., 13:15 Punkte) in Zahlen. Wochenlang hat der sportliche Leiter Simon Dillinger die Spieler öffentlich in die Pflicht genommen, zuletzt mit „mangelnder Fitness“ medial abgewatscht – und dabei ausdrücklich Trainer Kai-Uwe Pekrul von der Kritik ausgenommen. Dass Pekrul unantastbar scheint, hatte schon GmbH-Chef Hermann Reiß, der für die Mittelbayerische nicht erreichbar war, beim Studiobesuch Ende April 2019 beim örtlichen Fernsehsender TVA klar gemacht: „Ohne Kai würde ich es nicht machen.“ Klingt fast nach einem Freibrief.

Torwarttrainer Matthias Elgeti hat zum Trainingsauftakt am 6. Januar den Brocken frustriert hingeworfen, weil er sich mit Pekruls Agieren „nicht mehr identifizieren“ konnte. Nach der 24:27-Pleite am 14. Dezember in München legte ihm Elgeti wärmstens ans Herz, keine Trainingspause zu machen, direkt nach den Weihnachtstagen anzugreifen. Bis dahin habe Pekrul hin und wieder eine Einheit abgeblasen, wenn es im Vorfeld Absagen gab. Elgetis Rat ging ins Leere, Pekrul verabschiedete sich für zwei Wochen in den Urlaub. Zum Adler-Trainingsauftakt am 6. Januar hatten die Spieler von Tabellenführer Landshut sieben Einheiten sowie drei Testspiele absolviert, berichtete Trainer Markus Böhner vor zwei Wochen nach dem 32:27 im Horst.

In Lohr gibt’s ein Fitnessband

Vergangenen Samstag in Lohr kassierten die Adler mit 21:29 die höchste Saisonpleite. Im Vorfeld sagte der sportlicher Leiter Simon Dillinger zur Mittelbayerischen: „Wie will ich überprüfen, ob die Spieler selbständig für ihre Fitness etwas tun?“ Tags darauf bei der Spielanalyse (von Pekrul war keine zu bekommen), informierte Lohrs Spielertrainer Maxi Schmitt über seine Vorgehensweise seit Amtsantritt im Sommer 2019: „Neben dem Training haben die Leute ein- oder zweimal in der Woche etwas für die Fitness zu tun.“ Die Spieler erhalten detaillierte Vorgaben, die er per Impuls vom Fitnessband am Laptop verfolgt. Anfangs sei sanktioniert worden, wenn geschwänzt wurde, seitdem läuft es. Der steile Aufwärtstrend gibt Schmitt Recht.

Unabhängig vom körperlichen Zustand haben die Gegner die DNA des Adler-Spiels ausgelesen. Im Angriff kommt der Rückraum über das einfache Kreuz kaum hinweg, alternativ hat Pekrul nur den risikobehafteten sieben Feldspieler in petto. Am Kreis verhungert Königstransfer Jakub Sira, auf dem rechten Flügel ist der drittligaerfahrene Marvin Wunder kaum im Spiel und am eigenen Kreis fehlt die Abstimmung von Torwart und Abwehr. Fakt ist: Sira erhielt gegen Landshut nur vier Anspiele, die Abwehr blockte in 60 Minuten einen Ball.

Kommen und Gehen bei den Adlern

  • 2016/17:

    Lukas Lesak, Marvin Munoz, Tomas Turek (Tschechien)

  • 2017/18:

    Karel Kveton, Uros Krasovec, David Lubor, Max Miersch, Martin Loskot (Slowakei), Mezek Pavel, Simon Rada (beide Tschechien), Ranko Dzolic (Serbien)

  • 2018/19:

    Samuel Orlovsky, Laszlo Ujvari, Marco Rase, Robin Munkacsi (Ungarn), Comin Libert (Rumänien)

Für Trainer Pekrul scheint trotz der Misere und des immensen Personalwechsels im nun fünften Jahr Welpenschutz zu gelten: „Es ist doch klar, das geht nicht von heute auf morgen, dass die Abstimmung funktioniert“, sagt Dillinger – nach einer aufwendigen Vorbereitung, vielen Testspielen und Turnieren im Sommer sowie 14 absolvierten Punktspielen. In Lohr hat TSV-Coach Schmitt Konstantin Singwald und den irischen Nationalspieler Steffan Meyer kurz decken lassen, „die gehören für mich zu den fünf besten Individualisten in der Liga“. Das zeigt, welche hohe Qualität im Kader der Adler schlummert.

Reserve auf der Erfolgswelle

Die zweite SG-Mannschaft reitet unterdessen mit Coach Michael Sigl auf einer Erfolgswelle, hat jetzt die Spitze in der Bezirksoberliga erobert. A-Lizenzinhaber Manfred Paulus wurde im Herbst von C-Lizenzbesitzer Pekrul gefragt, ob er sich vorstellen könne, den Unterbau zu übernehmen. Der Erfolgstrainer zu Rodinger Bayernliga-Zeiten bekundete Interesse. Als SG-Vorstand Helmut Meichel davon Wind bekam, funkte er dazwischen: „Das ist nicht Sache der Adler-GmbH, das entscheiden wir von der SG schon noch selbst.“

Apropos Zweite: „Es ist nicht erwünscht, dass unsere Keeper bei Torwarttrainer Elgeti mitmachen“, räumte Sigl im Herbst auf Nachfrage ein. Landshut Coach Böhner legt dagegen sogar Wert darauf, „dass die A-Jugendlichen zu uns ins Torwarttraining kommen“. Übrigens: Bevor Pekrul aus Neutraubling zu den Adlern stieß, hatte er sich dort mit TSV-Abteilungsleiter Uli Brossmann angelegt. Als Pekrul „ohne dass er autorisiert war“ (Brossmann) den jetzt in Mainburg spielenden Boris Covic verpflichtete, entließ der Abteilungsleiter Pekrul prompt. Jetzt brodelt es bei den Adlern.

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