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Ultralauf

Läuferin erfüllt sich ihren Lebenstraum

257 Kilometer am Stück waren für Holly Zimmermann nicht das größte Hindernis. Ihre Leidenschaft soll andere motivieren.
Von Andreas Allacher, MZ

  • Nicht die Strapazen sind ihr ins Gesicht geschrieben, sondern sie hat ein Lächeln auf den Lippen: Holly Zimmermann in der Wüste. Foto: A360DEGRES
  • Dank ihrer guten Vorbereitung meisterte Holly Zimmermann die extremen Strapazen beim Marathon des Sables. Foto: Graggo

Alteglofsheim.Holly Zimmermann hat sich einen Traum erfüllt. Sie hat am Marathon des Sables in Marokka teilgenommen und ist an sieben Tagen 257 Kilometer durch die Wüste Sahara gelaufen: Ein Traum in einer faszinierenden Landschaft und mit der Zielankunft nach einer Gesamtlaufzeit von 43:10,09 Stunden und Platz 299 unter über 1100 Startern (Platz 31 bei den Frauen) – ein Alptraum angesichts von Sandstürmen, geschwollenen Füßen mit zahlreichen Blasen und vor allem bei der vierten Etappe, als sie über 19 Stunden auf den Beinen war und die Wüstennacht über die einsame Läuferin hereinbrach.

Zurück in Alteglofsheim hat sie nach ein paar Tagen Pause für die Familie gleich wieder die Laufschuhe geschnürt und ihre Spur durch den Schnee eines April-Schauers gezogen. Die 46-jährige Mutter von vier Kindern hat sich dem Ultralauf verschrieben – das sind alle Strecken, die länger sind als die Marathondistanz von 42,195 Kilometern. „Je länger die Strecke war, desto öfter war ich am Siegerpodest“, erzählt sie, wie sie ihre Nische in der Läuferszene gefunden hat. Nächster Saisonhöhepunkt wird der 100-Kilometer-Lauf im Juni im schweizerischen Biel sein.

Kein Stuhl zum Hinsetzen

257 Kilometer waren es beim Marathon des Sables, verteilt auf fünf Tage, plus mit ein Charitylauf, bei dem fast alle nur noch gewalkt sind. Doch es war nicht die Streckenlänge, die dieses Rennen so schwer macht, sondern es sind die Bedingungen: Insgesamt neun Tage keine Dusche, keinen Stuhl zum Hinsetzen, bis zur Taubheit geschwollene Füße, Temperaturen von 40 Grad am Tag bis zu zehn Grad in der Nacht und kein richtiges Essen, sondern nur das, was die Läufer im Rucksack selbst mitschleppen. „Mit jedem Bissen weiß man auch, dass weniger zu tragen ist“, schmunzelt Holly Zimmermann über ihre sorgsam gegen den Sand geschützten Lunchpakete. Die gewohnten Annehmlichkeiten der Zivilisation wurden zur Nebensache: „Da schätzt man dann andere Dinge!“ Aber obwohl alle Läufer gelitten hätten, waren sie glücklich und hätten stets ein Lächeln im Gesicht gehabt. „Das sind ganz besondere Menschen!“, sagt die gebürtige Amerikanerin, die in der Wüste viele neue Freundschaften geschlossen hat, insbesondere mit einer in Zürich lebenden Italienerin. „Wir haben einander gebraucht und waren wie Seelenschwestern.“

Impressionen vom Höllenritt durch die Wüste:

Sport gibt Selbstwertgefühl

Holly Zimmermann will durch ihr Beispiel auch motivieren, wobei sie freilich weiß, dass der Wüstenmarathon ein extremes Ziel ist. Ein realistischeres Ziel ist da schon, zum Beispiel junge Mütter, die mit der Geburt ihrer Kinder ihre eigenen Bedürfnisse hinten angestellt haben, wieder zum Sport zu bewegen, der ihnen ein neues Selbstwertgefühl und persönliche Erfolgserlebnisse geben kann. „Viele Frauen verlieren sich mit den Kindern selbst. Mit dem Sport finden sie wieder mehr Ausgeglichenheit, was wiederum dem Familienleben zugutekommt..“ Dass ihr das schon gelungen ist, weiß sie von Leuten, die sie in Alteglofsheim ansprechen. In der Umgebung des Ortes kennt sie wohl inzwischen jeden Weg: Zur Vorbereitung auf die Wüste ist sie pro Woche rund 15 Stunden gelaufen, insgesamt rund 120 Kilometer, dazu drei- bis viermal Rad gefahren, und ein wenig Krafttraining gemacht – genau die richtige Dosis, wie sich vor allem auf der Schlussetappen herausstellte, als sie bei den Frauen auf Platz 14 lief.

„Mit jedem Bissen weiß man auch, dass weniger tragen ist“

Holly Zimmermann

Ging also der Traum beim Marathon des Sables für sie in Erfüllung? „Ich glaube schon“, sagt die Ultraläuferin nicht ohne Stolz. Aus dem täglichen Mailkontakt mit ihren vier Kindern, die 14, 13, zehn und acht Jahre alt sind, schöpfte sie neue Motivation. Diese Mails beruhigten auch ihr schlechtes Gewissen, die Familie zwei Wochen alleingelassen zu haben. „Aber sie waren auch ganz stolz auf ihre Mama“, sagt Holly Zimmermann, die sich auch im Armin-Wolf-Laufteam für soziale Projekte engagiert und gerne mit Kindern arbeitet, um sie für Sport und Bewegung zu begeistern. Mit dem Schweizer Tom Altenburger hat sie auch eine eigene Charity-Aktion „run4refugees“ zugunsten des Thomas-Wiser-Hauses in Regenstauf auf den Wege gebracht. „Ich verstehe die Menschen, dass sie nicht alle Initiativen unterstützen können, aber gerade für Kinder ist mir das wichtig“, sagt die vierfache Mutter.

Noch einmal will sie beim Marathon des Sables über die riesigen Sanddünen und die Bergpfade, auf denen man teilweise nur noch auf allen Vieren vorwärtskam, nicht mitlaufen. „Es gibt noch andere Abenteuer“, sagt sie. Für den ausgebuchten Polarkreis-Marathon in Grönland im Herbst steht sie übrigens auf der Warteliste. Angesichts des Kontrasts zur Wüste würde sie sich über eine Teilnahme freuen, auch wenn es „nur 42 Kilometer“ sind.

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run4refugees

  • run4refugees:

    Mit dieser Charity-Aktion, die seit Januar läuft und ihren Abschluss beim 100-Kilometer-Lauf von Biel (Schweiz) am 10. Juni findet, engagiert sich Holly Zimmermann für Flüchtlingskinder im Thomas-Wiser-Haus in Regenstauf. Dort hat sie zwei Brüder aus Afghanistan kennengelernt, die von ihren Eltern in der Hoffnung auf ein besseres Leben losgeschickt wurden und 4000 Kilometer zu Fuß nach Deutschland gekommen sind.

  • Ziel:

    Diese Kilometerzahl wollen auch Holly Zimmermann und Tom Altenburger – ein Schweizer, der selbst vier Kinder hat – im ersten Halbjahr 2016 erreichen und suchen dazu weiterhin Sponsoren, die ihre Trainings- und Wettkampfkilometer individuell mit mindestens einem Cent beziehungsweise einem Rappen honorieren. Das Spendenformular ist als Download im Internet verfügbar, kann am PC ausgefüllt und per E-Mail versandt werden.

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