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Baseball

Max Kepler ist ganz oben angekommen

Spät in der Saison hat sich für den Ex-Regensburger der Traum von einem Einsatz in der Major League doch noch erfüllt.
Von Matthias Ondracek, MZ

Ein Bild aus der Anfangszeit im Team der Elizabethton Twins in Tennessee: Jetzt ist Max Kepler in der höchsten US-Liga angelangt.
Ein Bild aus der Anfangszeit im Team der Elizabethton Twins in Tennessee: Jetzt ist Max Kepler in der höchsten US-Liga angelangt. Foto: dpa

Regensburg. Max Kepler ist am Ziel seiner Träume. Nach sechs Jahren harter Arbeit in den unterklassigen Minor Leagues hat der ehemalige Regensburger Baseballer den Sprung in die US-amerikanische Major League geschafft. Knapp eine Woche nach seiner Beförderung in den Kader der Minnesota Twins erhielt der gebürtige Berliner seinen ersten Einsatz. Am Sonntagabend beim 7:1-Heimsieg seines Teams gegen die Detroit Tigers war es soweit: Mit dem sicheren Vorsprung im Rücken wechselte Twins-Manager Paul Molitor seinen Schützling im achten Durchgang ein.

Der 22-Jährige trat damit in die Fußstapfen von Donald Lutz. Kepler ist nach seinem früheren Internatskollegen erst der zweite Deutsche überhaupt, der in der fast 140-jährigen Geschichte der MLB auflief.

„Es war ein geiles Gefühl. Ich hatte auf jeden Fall einen Adrenalin-Schub“, beschreibt Kepler seinen historischen Moment. Bei zwei Aus kam die Nachwuchshoffnung für Routinier Torii Hunter in die Partie. „Für Torii eingewechselt zu werden war natürlich toll“, sagt Kepler. Den ersten Wurf von Detroits linkshändigem Pitcher Tom Gorzelanny ließ Kepler noch passieren. Beim nächsten Versuch holte der Outfielder zum Schwung aus, doch der Ball verließ die Spielfeldbegrenzung in Richtung Seitenaus. Weitere drei Würfe später musste sich Kepler mit einem Strikeout wieder setzen. „Ich wollte unbedingt den Ball treffen, deshalb war ich wohl ein wenig zu aggressiv“, analysiert Kepler.

Eine Woche auf der Ersatzbank

Zuvor hat der deutsche Nationalspieler fast eine Woche auf der Bank geschmort. Die Twins befinden sich mitten im Rennen um die Playoffs in der Major League. Die reguläre Saison endet am Wochenende, „da ist es natürlich schwer auf Einsatzzeit zu kommen“, weiß Kepler. „Es ist nicht einfach, auf der Bank zu sitzen. Aber es macht trotzdem Spaß. Ich bin froh, dass ich überhaupt dabei sein darf“, ergänzt der frühere Bundesliga-Spieler der Buchbinder Legionäre.

Etwa eine Woche ist es nun her, seit der Baseball-Profi die Nachricht über seine Beförderung erhalten hat. Am 22. September, unmittelbar nach dem Gewinn der Meisterschaft in der Minor League mit den Chattanooga Lookouts, schritt er in das Büro seines Trainer Doug Mientkiewicz. „Eigentlich wollte ich ihm einen Ball schenken. Er hat mir dann zuerst zu meiner Saison gratuliert und als ich gerade wieder gehen wollte, meinte er, ich fliege nach Minneapolis“, erinnert sich Kepler. „Ich habe mich natürlich riesig gefreut, hatte Tränen in den Augen“, fährt das Ausnahmetalent fort.

Dabei hatte Kepler zu diesem Zeitpunkt gar nicht mehr mit dem Aufstieg in die wohl beste Baseball-Liga der gerechnet. „Ich war ein bisschen überrascht, weil ich gehofft hatte, am 1. September hochgeholt zu werden. Als das dann nicht der Fall war, habe ich mich auf die Playoffs fokussiert. Ich habe nicht mehr daran gedacht, dass da noch eine Chance wäre“, erklärt der Deutsche. Umso größer die Freude darüber, dass es nun doch noch mit dem Karrieresprung geklappt hat. „Zuerst habe ich meine Schwester angerufen. Sie ist sofort mit meiner Mutter in den Flieger gestiegen“, verrät Kepler. Für ihn selbst „war es noch ein richtiger geiler Abend“.

Mit Auszeichnungen überhäuft

2015 war das Jahr des Max Kepler. Sechs Jahre zuvor hatten ihn die Twins für die Rekordsumme von 800 000 Dollar in Regensburg unter Vertrag genommen. Damals war Kepler als 16-Jähriger gerade ins Sportinternat der Buchbinder Legionäre gewechselt. In Chattanooga im US-Bundesstaat Tennessee feierte der einstige Rekordmann nun seinen Durchbruch. Schon zur Hälfte der Saison wurde Kepler ins Allstar-Team der Liga sowie zum Futures Game der Major League berufen. Dies war zuvor noch keinem Deutschen gelungen. Seinen großen Auftritt verpasste Kepler kurzfristig aufgrund einer Verletzung. Dem steilen Aufstieg des Ausnahmetalents tat dies jedoch keinen Abbruch.

Mit einem Schlagdurchschnitt von .322 belegte der Linkshänder den zweiten Platz in der kompletten Liga. Für seine Leistungen wurde Kepler nach der regulären Saison mit Auszeichnungen überhäuft. Der deutsche Nationalspieler wurde zum Most Valuable Player der Southern League sowie der Finalserie gewählt und vom renommierten Fachmagazin „Baseball America“ ins Allstar Team 2015 berufen. „Twins Daily“ kürte Kepler zum Minor League Schlagmann des Jahres. Für seinen Klub, die Minnesota Twins, war er sogar der Minor League Spieler des Jahres. Die Berufung in die große Show MLB war letztlich die logische Konsequenz.

„Sonst würde ich ohnmächtig“

Kepler hofft nun in den verbliebenen Spielen noch ein paar Einsätze zu bekommen. „Ein Hit wäre natürlich super. Aber das wird bestimmt schwer“, blickt der 22-Jährige voraus. Dass er vorerst am Ziel seiner Träume angekommen ist, hat der ehemalige Regensburger noch nicht wirklich realisiert. „Ich versuche im Moment nur alles aufzusaugen und es als normales Spiel anzusehen“, erklärt Kepler und ergänzt: „Würde ich daran denken, dass ich in der MLB bin, würde ich wahrscheinlich ohnmächtig.“

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