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Mehr Geld für die Sportvereine

Der Freistaat verdoppelt die jährliche Pauschale für die Klubs. Der Schritt wird begrüßt, Euphorie löst er indes nicht aus.
Von Heinz Gläser

Der Ball ruht: Der Vereinssport ist derzeit zum Erliegen gekommen. Das hat natürlich wirtschaftliche Folgen. Foto: Patrick Seeger/dpa
Der Ball ruht: Der Vereinssport ist derzeit zum Erliegen gekommen. Das hat natürlich wirtschaftliche Folgen. Foto: Patrick Seeger/dpa

Regensburg.Die Vereine in der Region ächzen weiterhin unter den finanziellen Auswirkungen der Corona-Krise. Die Verluste, die aus den massiven Einschränkungen des organisierten Sportbetriebs resultieren und dem Bayerischen Landessportverband (BLSV) über ein Onlineportal gemeldet wurden, summieren sich für die Stadt und den Landkreis Regensburg mittlerweile auf fast 400 000 Euro.

Der für den Sport im Freistaat zuständige Innenminister Joachim Herrmann hatte den Klubs rasche und unbürokratische Unterstützung in Aussicht gestellt. Die Staatsregierung hat nunmehr beschlossen, die Vereinspauschale in diesem Jahr um 20 auf insgesamt 40 Millionen Euro zu verdoppeln. „Wir lassen unsere Vereine in dieser Ausnahmesituation nicht allein“, sagt Herrmann.

„Dieser Weg ist schnell umzusetzenden und praktikabel, ohne bürokratischen Popanz.“

Franz Hohenleutner

Der BLSV-Kreisvorsitzende Franz Hohenleutner wertet die Kunde aus München als „absolut positiv“. Er sieht in dieser Verdoppelung einen „schnell umzusetzenden und praktikablen Weg., ohne einen bürokratischen Popanz aufzubauen“. Über die Vereinspauschale komme die Hilfe flächendeckend und unmittelbar dort an, wo sie aktuell dringend gebraucht werde. Jeder Verein, der für das laufende Jahr diese Pauschale beantragt hatte, erhaltet automatisch das Doppelte.

Keine zusätzlichen Anträge

Die Vereine müssten keine zusätzlichen Anträge stellen, auch eine weitere Prüfung durch Behörden sei nicht nötig. Auch BLSV-Präsident Jörg Ammon hatte die Maßnahmen der Staatsregierung als „starkes Signal“ begrüßt.

Die Höhe der jeweiligen Vereinspauschale wird über „Mitgliedereinheiten“ ermittelt, wobei Mitgliedschaften von Kindern, Jugendlichen und jungen Erwachsenen sowie der Einsatz von Übungsleitern besonders honoriert werden. Für 2019 wurde eine Mitgliedereinheit mit 0,29 Euro bewertet.

Mittel abrufen

  • Eingabe:

    Die Soforthilfe kann beim Wirtschaftsministerium online beantragt werden.

Euphorie löst die Entscheidung bei betroffenen Vereinen indes nicht aus. „Natürlich ist uns in der derzeitigen Situation immer gedient, wenn Geld reinkommt“, sagt etwa Johannes Czypionka, der Vorsitzende des Freien TuS Regensburg. Er gibt zu bedenken: „Natürlich deckt das den Einnahmeausfall nicht komplett ab.“ Dem Traditionsverein von der Schillerwiese fehlen monatlich etwa 6000 bis 8000 Euro in der Kasse, über die Erhöhung der Pauschale kämen überschlägig rund 3000 Euro wieder herein, hat Czypionka kalkuliert. Zudem bleibe die Vereinsgaststätte ein „Unsicherheitsfaktor“. Die Betreiber seien angesichts der Schließung bereits mit der Bitte an den Freien TuS herangetreten, die Pacht auszusetzen. „Wir hatten uns das Ziel gesetzt, der Jugendarbeit eine neue Struktur zu geben und sie auszubauen. Dafür fehlen jetzt natürlich die Mittel, zumindest sind sie nur eingeschränkt vorhanden“, bedauert Czypionka.

Finanzen

Sportvereine warten auf ein Hilfspaket

Klubs in der Region verzeichnen teils große Einbußen. Der Landessportverband sammelt die Zahlen. Nun ist die Politik am Zug.

Christine Schween, Geschäftsführerin des Regensburger Turnerschaft, zeigt sich derweil positiv überrascht: „Wir freuen uns als Breitensportverein, dass überhaupt Mittel fließen“, sagt Schween zur Verdoppelung der Pauschale. Sie schränkt gleichzeitig ein: „Für Vereine, die die Kosten für eine eigene Sportanlage zu tragen haben, wird das nicht ausreichen.“

Droht eine Kündigungswelle?

„Alles tut in der aktuellen Situation den Vereinen wirtschaftlich gut“, kommentiert Veranstaltungsleiterin Claudia Fritsch vom LLC Marathon Regensburg die Verdoppelung der Pauschale. Am wichtigsten wäre aber für sie eine verbindliche Aussage der Politik, wann wieder Vereinssport betrieben werden kann. Sollten die Einschränkungen andauern, werde vor dem Hintergrund fehlender Sportangebote irgendwann die Frage nach der Rückerstattung der Mitgliedsbeiträge ins Spiel kommen, befürchtet Fritsch. Schlimmer noch: Mitglieder könnten über eine Kündigung nachdenken. „Das würde die Vereine brutal treffen“, sagt Fritsch.

„Wir freuen uns als Breitensportverein, dass überhaupt Mittel fließen.“

Christine Schween

Auch für den BLSV stehe neben der finanziellen Unterstützung die schrittweise Wiederaufnahme des Sportbetriebs im Freistaat im Mittelpunkt, heißt es in einer Pressemitteilung. Mit der Politik, dem Dachverband Deutscher Olympischer Sportbund (DOSB), den anderen Landessportverbänden sowie den Fachverbänden stehe man „derzeit im engen Austausch“, um Vorschläge dazu zu erarbeiten. Dabei geht es auch um die Wiedereröffnung von Sportanlagen und Sportstätten.

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