MyMz

Motorrad

Paul Listls „zehnter Frühling“

Auch mit 60 versorgt der Ex-Profi seinen Enkel mit vielen Pokalen – und wurde mit neun Siegen in neun Rennen Meister.
Von Claus-Dieter Wotruba

Wieder einmal sammelte Paul Listl einen deutschen Meistertitel ein – und liebt es auch mit 60 noch auf der Strecke „richtig dreckig“. Foto: Listl
Wieder einmal sammelte Paul Listl einen deutschen Meistertitel ein – und liebt es auch mit 60 noch auf der Strecke „richtig dreckig“. Foto: Listl

Sinzing.Wenn Opa Paul zuhause in Sinzing durch die Tür kommt, hat der sechsjährige Enkel Theo sofort eine Frage: „Wo ist der Pokal?“ Der kleine Mann kennt sich aus mit diesem Mitbringsel und sammelt sie – und Paul Listl brachte heuer wieder jede Menge mit nach Hause. In den zehn Rennen von Ende März bis Mitte Oktober war der ehemalige Motorrad-Profi neunmal auf Platz eins zu finden. „Irgendwie habe ich den zehnten Frühling.“ Den letzten Auftritt schenkte er sich. „Ich habe den Kollegen Fotos vom Pool auf Mallorca geschickt“, scherzt Paul Listl und erklärt ernst den Hintergrund: „Ich wollte nicht den Kampf um Platz zwei beeinflussen.“

Motorrad

Paul Listl fährt in zwei Serien

In der Masters-Klasse des IGE-Cups hat der Sinzinger zwei Rennen gewonnen. Zum Auftakt der GCC-Serie fehlt er allerdings.

Unter dem Strich stand in der Masters-Klasse 15 der Interessengemeinschaft Endurosport (IGE) Platz eins. „Das rundet alles ab. Ich war in der Jugend deutscher Meister und jetzt bin ich es bei den Senioren wieder.“ Der entthronte Titelträger kam mit Friedrich Büsch übrigens aus Neutraubling. Die beiden kannten sich bisher nicht „Der hat spät angefangen, fährt aber super“, lobt Listl den Konkurrenten vor der Haustür, der ausschließlich zweite und dritte Plätze sammelte und am Ende im Gesamtklassement 35 Zähler hinter Paul Listl lag.

Irgendwie kann und kann es der Enduro-Spezialist nicht lassen. „I muas etz irgendwann afhern“, formuliert es die bayerische Frohnatur, die stets auf Selbstvermarktung setzte und in der Region bekannt wie ein bunter Hund ist. „Unglaublich, wo ich nach jedem Artikel immer wieder aufs Neue angesprochen werde“, wundert sich Paul Listl immer noch selbst über die allgemeine Interessenlage.

Titel sichert noch ein Jahr

Und eigentlich, ja eigentlich, hatte er tatsächlich aufhören wollen, es gut sein lassen, mit seinen seit Ende Juni jetzt 60 Jahren. Durch Platz eins aber ist es aufs Erste verschoben, der Leidenschaft abzuschwören. Wieder einmal. „Mit einem Titel kann ma ned aufhören. Den gibt ma ned einfach kampflos ab“, sagt Listl. Aha! Und was, wenn es 2020 zur Titelverteidigung reichen sollte? „Dann steht das für sich, dann ist das etwas Anderes.“ Aber reagieren wird er auf die Ansagen der Konkurrenz schon. „Ich glaube, ich muss diesen Winter ein bisserl mehr trainieren“, sagt der Listl-Paul.

Der Golden Oldie staunt bisweilen auch über sich selbst. Mit seiner neuen italienischen TM, einer 300er Viertakter, kam Paul Listl, der sein Fahrzeug gerne immer noch „Moped“ nennt, als Vertragsfahrer blendend zurecht – und ohne Ausfall über die Runden. Das ist auch in einer Motorrad-Rennserie für Senioren außergewöhnlich, stand auch arg auf der Kippe. Bei Rennen drei in Schlüchtern stürzte Listl so, dass „ich dachte, ich hätte mir die Hüfte gebrochen“. Hatte er nicht. Und ein Motorradfahrer kennt eh keinen Schmerz. „Mei, es hat ein paar Tage ein bisserl wehgetan“, wiegelt Listl ab.

Grund zur Pause? Natürlich nicht. Und auf der drittletzten Station machte Listl Bekanntschaft mit einem Baum. Auch da half die Hausapotheke weiter. „Ich habe alles daheim. Die Nachbarn wissen das auch“, sagt Paul Listl mit einem Grinsen. Auch die Hindernisse auf der Strecke man mit einem kleinen Umweg umfahren. „Ich nehme es mir jedes mal vor, mache es dann aber wieder nicht“, sagt Listl. „Eigentlich ist das unvernünftig.“

Übergabe

Listl spendet 2150 Euro an Uniklinik

Der Sinzinger Motorradrennfahrer sammelte anlässlich seines 60. Geburtstag. Das Geld geht an die Kinderonkologie.

Ehefrau Helga hat es längst und endgültig aufgeben, dass ihr Mann vernünftig wird. Im Gegenteil. „Inzwischen fährt sie manchmal sogar auf die Rennen mit und ist dort auch sehr beliebt, weil sie für alle kocht“, erzählt Paul Listl, der Ende der 1970er-Jahre seine ersten Rennerfahrungen machte. „Mein erstes Rennen weiß ich genau. Das war in Dachsbach. Davor habe ich die ganze Nacht nicht geschlafen. Und ich bin auch heute noch immer noch nervös. Du spielst ja trotzdem mit deinem Leben. Es gibt kein Rennen, bei dem der Sanka nicht kommt.“

Trend mit Uralt-Motorrädern

Zudem gibt es einen neuen Trend, Uralt-Motorräder, die sogenannten TwinShocks. In der GCC-Serie, wo Listl zweimal für das Obertraublinger STH-Team fuhr, wurde er mit so einem Gerät, „das mir der Siegi Huber zur Verfügung gestellt hat“, Dritter. „Das lag mir, weil da war‘s auf der Strecke richtig dreckig“, sagt Listl und berichtet auch, dass es inzwischen schon Oldie-Klassender Ü 70 gibt. „Aber i fahr da nimmer.“ Wir werden es sehen. Oder lesen.

Motorrad

Das tolle Motorrad-Jahr des STH-Teams

Regionale Talente plus einige Spitzenfahrer – das ist das Rezept des Teams aus Obertraubling für fast 400 Punkte Vorsprung.

Weitere Nachrichten aus dem Sport in und um Regensburg finden Sie hier.

Über Riesenreifen und Betonröhren

    Sie sind noch nicht registriert?

    Neu registrieren

    MessageBox

    Nachricht