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Ausdauer-Abenteuer

Polarkreis-Marathon „wie Spaziergang“

Holly Zimmermann aus Alteglofsheim landet nach über fünf Stunden auf Platz 28 im Gesamtfeld. Sie wird sechstschnellste Frau.
Von Andreas Allacher

Kurz nach dem Start am Einstieg zum Gletscher: Da war Holly Zimmermann noch frisch.
Kurz nach dem Start am Einstieg zum Gletscher: Da war Holly Zimmermann noch frisch. Foto: MarathonPhotos.com

Regensburg.Im April ist Holly Zimmermann an sieben Tagen 257 Kilometer durch die Wüste Sahara gelaufen. Jetzt hat die 46-jährige Ultraläuferin ihr nächstes Abenteuer hinter sich gebracht: Beim Polar-Circle-Marathon lief sie die 42,195 Kilometer über das ewige Eis von Grönland in 5:03,09 Stunden. Damit landete sie auf Gesamtplatz 28 im Feld der 147 Starter und war als sechstschnellste von 58 Frauen im Ziel.

„Eine Belohnung“ war für Holly Zimmermann der Sonnenaufgang am Gletscher.
„Eine Belohnung“ war für Holly Zimmermann der Sonnenaufgang am Gletscher.Foto: MarathonPhotos.com

„Ich will das Rennen genießen. Viereinhalb Stunden wären schön, mit fünf Stunden wäre ich auch zufrieden“, hatte die Mutter von vier Kindern im Vorfeld ihre Ziele formuliert. Dass sie ihre persönliche Zeitvorgabe damit knapp verfehlte, empfand sie als ein wenig ärgerlich, dann aber doch nebensächlich. Wichtig war es, anzukommen, und dass ihr das auf Rang 28 aller Starter gelang, macht sie schon ein bisschen stolz.

Gefühlt klar unter minus 17 Grad

Zudem, dass die Voraussetzungen alles andere als optimal waren: Erst kurzfristig hatte Holly Zimmermann, die sich auch im Armin-Wolf-Laufteam für soziale Projekte engagiert, nach einem halben Jahr auf der Warteliste einen Startplatz erhalten. Im Vorfeld des Marathons am Polarkreis hatte sie sich beim Limes-Run in Bad Gögging eine schwere Erkältung eingefangen. Und auch das Wetter am Renntag stand Top-Leistungen entgegen: Vorhergesagt waren „nur“ minus 14 Grad, Sonnenschein und Windstille, doch am Start in der Morgendämmerung waren es minus 17 Grad, die sich bei Windböen von bis zu 70 Stundenkilometern noch deutlich kälter anfühlten. Zudem brachte der Wind Schneeverwehungen mit sich, so dass die ersten zehn Kilometer am Gletscher eine steter Wechsel zwischen knietiefem Schnee und blanken Eis waren.

Eine Video vom Polarkreis-Marathon 2016 mit Holly Zimmermann sehen Sie hier.

Schon nach kurzer Zeit hatte sie „Zehen wie Steine“ und befürchtete Erfrierungen, wobei die ersten ärztlichen Kontrollen bereits nach zwei Kilometer aufgebaut waren. Doch mit ihren „Schneeketten“ an den Turnschuhe lief Holly Zimmermann weiter und hatte nach zehn Kilometern auf teilweise 300 Meter dickem Eis den schwersten Teil überstanden. Die „größte Belohnung“ am Gletscher war die Farbenpracht des Sonnenaufgangs. Insgesamt waren 850 Höhenmeter bergauf zu überwinden, bergab bis ins Ziel in der kleinen Gemeinde Kangerlussuaq waren es sogar noch mehr.

In der Kälte zu wenig getrunken

Die letzten 30 Kilometer durch die arktische Tundra ging es bei Sonnenschein über eine schneebedeckte Schotterstraße – die einzige in der Gegend, so dass es unmöglich war, vom richtigen Weg abzukommen. „Du läufst eher am Mittelfuß, um das Gleichgewicht besser halten zu können. Traben, ein angemessenes Tempo finden und durchhalten“, war ihre Devise, wobei sie etwa bei Kilometer 20 merkte, dass sie zu wenig getrunken hatte. Denn angesichts der Kälte verspürte Holly Zimmermann kaum Durst. Bei einer der Verpflegungsstation füllte sie ihre Akkus wieder auf, was auch Zeit kostete, da aus Umweltschutzgründen jedem Teilnehmer nur ein Becher gereicht wurde, der auch vor Ort nachzufüllen und zurückzugeben war. So war ihr zehn Kilometer vor dem Ziel klar, dass es eng wird mit der Fünf-Stunden-Marke, was übrigens zu Platz vier unter den 58 gestarteten Frauen gereicht hätte. Doch dann hätte sie die Reststrecke, auf der sie mit ihrer großen Routine und einer gleichmäßigen Renneinteilung noch einige Konkurrenten überholen konnte, in 1:04 Stunden bewältigen müssen.

Diese Medaille war der Lohn für die Strapazen am Polarkreis.
Diese Medaille war der Lohn für die Strapazen am Polarkreis.

Aber schließlich wollte sie ja in erster Linie ankommen und den Marathon genießen: Beides gelang ihr, so dass sie es letztlich nicht bereut, auch diese Herausforderung angenommen zu haben, zumal sie viele „coole“ Läuferkollegen kennengelernt hat. Viele von ihnen liefen tags darauf noch den Halbmarathon, doch Holly Zimmermann machte stattdessen einen Ausflug zum Gletscher und erlebte an diesem Tag auch das Schauspiel der Polarlichter. So zog sie ein absolut positives Fazit über ihr bestens organisiertes Laufabenteuer am Polarkreis, das für die Ultraläuferin im Vergleich zum Marathon des Sables in Marokko zumindest nach dem Gletscher „wie ein Sonntagsspaziergang“ war.

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147 Läufer, darunter 58 Frauen

  • Sieger des Polar-Circle-Marathons

    wurde der Brite Benedict John Osborne in einer Zeit von 3:38,42 Stunden; damit hat er pro Kilometer durchschnittlich 5:12 Minuten gebraucht.

  • Schnellste Frau

    im Feld der insgesamt 147 Starter war Charlotte Hvid Olavsgaard aus Norwegen. Mit einer Zeit von 4:25,51 Stunden war sie gut eine halbe Stunde schneller als Holly Zimmermann. Die letzten Finisher beendeten das Rennen nach knapp sieben Stunden. 15 Starter haben aufgegeben oder wurden wegen der Gefahr von Erfrierungen aus dem Rennen genommen.

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