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Eklat

Polizei hat ASV-Schreihälse im Visier

Deggendorfs Trainer Yalcin sah sich beim Spiel in Burglengenfeld üblen Beschimpfungen ausgesetzt. Die Ermittlungen stehen kurz vorm Abschluss.
Von Jürgen Scharf, MZ

Barbaros Yalcin wurde in Burglengenfeld von sogenannten Fans beschimpft. Foto: Brüssel

Burglengenfeld.Beim Landesliga-Spiel des ASV Burglengenfeld gegen die SpVgg Deggendorf am 22. September fielen böse Worte – dies steht laut der Burglengenfelder Polizei nun fest. Dies sagte Dienststellenleiter Egid Viehauser am Dienstag der MZ. Die bisherigen Ermittlungen hätten ergeben, dass der Deggendorfer Trainer Barbaros Yalcin als „Türkensau“ und „Eseltreiber“ beschimpft worden sei, zudem wurde der Coach von Zuschauern höhnisch gefragt, ob er denn überhaupt eine Aufenthaltsgenehmigung habe. Auch eine mögliche Tätergruppe hat die Polizei nun im Visier: „Es kommen für uns acht bis zehn Personen aus einer Zuschauergruppe infrage.“

Mehr als ein Dutzend Personen hat die Polizei bislang zu dem Vorfall befragt. Es wurde unter anderem mit dem Schiedsrichter, seinen Assistenten, dem Deggendorfer Trainer und auch Ersatzspielern, die in sich in unmittelbarer Nähe des Geschehens aufhielten, gesprochen.

Juristisch keine Volksverhetzung

Die Vorermittlungen stehen Viehauser zufolge nun kurz vor dem Abschluss und werden demnächst dem Staatsanwalt übergeben, der dann entscheidet, wie weiter verfahren wird. Eine Anklage wegen rassistischen Äußerungen, die im juristischen Sinn als Volksverhetzung gewertet werden können, ist dabei aber nicht zu erwarten. Viehauser sagt, dass sich die Burglengenfelder Beamten hierzu genau informiert haben: „Die wohl drastischste Beleidigung bei diesem Spiel, das Wort Türkensau, wird juristisch nicht als Volksverhetzung gewertet. Wir ermitteln davon losgelöst aber weiterhin wegen des Verdachts der Beleidigung.“

Noch werden einige Aussagen ausgewertet. Die Befragungen wurden wegen der weit verteilten Wohnorte der Beteiligten teils über andere Dienststellen geführt. Der erste Überblick über die Berichte lasse laut Viehauser aber den Schluss zu, dass die bereits in Medienberichten kolportierten Beleidigungen tatsächlich gefallen sind. Diese sollen eine oder mehrere Personen aus einer Zuschauergruppe in der Nähe der Trainerbänke geäußert haben. Ob man aus dieser Gruppe am Ende auch die tatsächlichen Täter ermitteln könne, ist Viehauser zufolge derzeit noch reine Spekulation.

Ganz im Gegensatz zur Polizei hat der Bayerische Fußball-Verband seine Ermittlungen eingestellt. Verbandsanwalt Fritz Reisinger sagte der MZ, dass im Laufe der Ermittlungen sowohl der Vorwurf der rassistischen Äußerungen wie auch der Vorwurf der Beleidigung „nicht erhärtet werden konnten“. Dieses Ergebnis werde den Vereinen in diesen Tagen auch offiziell mitgeteilt. Reisinger betont im MZ-Gespräch allerdings, „dass dies nicht heißt, dass wir zweifelsfrei feststellen konnten, dass nichts gesagt wurde“. Im Sinne der Richtlinien des Sportgerichts und auf der Basis der Stellungnahmen habe man allerdings eben auch nicht zweifelsfrei feststellen können, dass welche gefallen sind.

Im Unterschied zur Polizei würde das Sportgericht den Begriff „Türkensau“ übrigens als Rassismus werten. Deswegen werde der Verband Reisinger zufolge genau verfolgen, was bei den Ermittlungen der Polizei festgestellt wird: „Die Justiz hat hier andere Möglichkeiten als wir. Falls es tatsächlich eine Verurteilung gibt, könnten wird immer noch ein Sportgerichtsverfahren eröffnen.“ Die Verjährungsfrist betrage beim Verband drei Jahre.

Verein hat nichts zu befürchten

Der ASV Burglengenfeld hat aber so oder so keine Sanktionen mehr zu erwarten. Selbst wenn die Polizei einen Täter ermittelt, würde sich der Verband Reisinger zufolge nicht mehr an den Verein, sondern dann direkt an den Täter wenden. Sanktionen – etwa eine Geldstrafe oder ein Ausschluss aus dem Verband – würden nur noch diese Person betreffen.

Der 2. Vorsitzende des ASV, Sebastian Bösl, zeigte sich im MZ-Gespräch am Montag etwas ratlos. Zum einen habe der Verein mit der Entscheidung des Verbands gerechnet. „Wir haben auch selbst bei Zuschauern nachgefragt, um rauszufinden, was hier passiert ist.“ Dabei habe der Klub keine Anhaltspunkte erhalten, dass es diese schweren Beleidigungen gegeben habe. Das Zwischenresultat der Ermittlungen der Polizei bestürzt Bösl nun: „Jetzt stehen wir eigentlich wieder am Anfang.“ Er versichert, dass der Verein tätig werden würde, falls die Polizei einen Täter feststellen könne: „Dann würden wir auch als Verein im Rahmen unserer Möglichkeiten entsprechende Maßnahmen vornehmen.“

ASV-Coach Matthias Bösl hatte sich bei seinem Deggendorfer Kollegen kurz nach dem Vorfall gemeldet und sich stellvertretend entschuldigt. Yalcin nahm die Entschuldigung an. ,,Burglengenfeld ist eigentlich ein sympathischer Verein und hat jetzt wegen ein paar Idioten diesen Ärger. Von meiner Seite aus wird es kein böses Blut geben“, sagte der Deggendorfer damals zur MZ. Am Dienstag konnte die MZ aktuell keinen Deggendorfer Vereinsvertreter erreichen.

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