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Leichtathletik

Qualifikations-Showdown am Oberen Wöhrd

Beim Mittsommerlauf in Regensburg geht es am Samstag, 23. Juni, auch um Tickets für die Europameisterschaft in Berlin.

Sabrina Mockenhaupt ist am Samstag eine der großen Konkurrentinnen für Miriam Dattke. Foto: Theo Kiefner
Sabrina Mockenhaupt ist am Samstag eine der großen Konkurrentinnen für Miriam Dattke. Foto: Theo Kiefner

Regensburg.Die neue Kunststoffbahn am Oberen Wöhrd ist eine Lauf-Idylle ohne Stadionatmosphäre und ohne große Infrastruktur. Es ist eben nur das Trainingsgelände der im Laufsport so erfolgreichen LG Telis Finanz. Zwei Dinge hat die Regensburger Donauinsel, die für schnelle Zeiten im Sommer – speziell auf der Langstrecke – unabdingbar sind: ideale klimatische Voraussetzungen und eine Flutlichtanlage. „Langstreckenrennen bei hohen Temperaturen im grellen Sonnenlicht und stickiger Luft gehen gar nicht. Die Rennen müssen in die Nacht“, sagt der Teamchef der LG Telis Finanz, Kurt Ring. Dabei ist das mit der Nacht an den längsten Tagen des Jahres am 23. Juni beim Mittsommerlauf gar nicht so einfach. Deshalb ist die Startzeit der beiden 10000m Läufe nach Sonnenuntergang gegen 22 Uhr schlüssig. Da es in Deutschland praktisch im Hochsommer keine Rennen mehr über die 25 Runden gibt, der Deutsche Leichtathletik-Verband auf dieser Strecke aber seine Athletinnen für die Europameisterschaften noch nicht endgültig nominiert hat, kommt es am Samstag in Regensburg zum Qualifikations-Showdown mit allen Spitzenläuferinnen, die die Nation derzeit zu bieten hat. Dabei trifft Lokalmatadorin Miriam Dattke (LG Telis Finanz) auf Altmeisterin Sabrina Mockenhaupt (LT haspa Marathon Hamburg), die lange verletzt gewesene U23-Cross-Europameisterin Alina Reh (SSV Ulm), die amtierende Deutsche Meisterin Anna Gehring (ASV Köln), die bereits für den EM-Marathon nominierte Fabienne Amrhein (MTG Mannheim), die österreichische Spitzenläuferin Nada Ina Pauer (VfB LC Friedrichshafen) und auf die DM-Dritte Thea Heim von der LG Telis Finanz.

Nur vier Sekunden auseinander

Die Situation ist vor allem aus Regensburger Sicht besonders pikant. Die bereits mit Normerfüllung versehenen Miriam Dattke, Sabrina Mockenhaupt und die in Amerika lebende Nathalie Tanner (LG Eintracht Frankfurt) liegen mit ihren Bestzeiten innerhalb von lediglich vier Sekunden mit Zeiten zwischen 32:36,15 und 32:40,58 Minuten. Die Langsamste für die Telis-Läuferin. Dazu Ring: „Läuft nun Alina Reh oder Anna Gehring schneller als 32:40,58 und Miri ist langsamer am Samstag, ist unser Mädel draußen. Da klopfen schon zwei Herzen in deiner Brust.“

Allein die mögliche Durchführung eines gemischten Rennens wegen zu geringer Teilnahme bei den Frauen würde jede weitere Qualifikationsmöglichkeit zunichte machen. „Anderseits gebieten es die Regeln der Fairness, auch jenen Läuferinnen, die bisher noch keine echte Qualifikationschance hatten, alle Möglichkeiten offenzuhalten. Emotional ist das schon ein kleines Stück Selbstzerfleischung“, stöhnt Dattke-Trainer Ring über die schwierige Ausgangslage seines Schützlings, der seine diesjährige Bestleistung im Fegefeuer des Londoner Europacups als damals Deutschlands Beste vor Tanner und Mockenhaupt erzielt hatte.

Da verliert das Männerrennen, das im letzten Jahr bei der Premiere immerhin gleich vier 29er Zeiten hervorbrachte, fast ein wenig an Bedeutung. Immerhin will dort der Deutsche Halbmarathonmeister Carsten Meier (LG Braunschweig) die 28:44,65 Minuten des Deutschen Meisters Sebastian Hendel (LG Vogtland) angreifen. Er hofft dabei auf die Unterstützung des Telis-Berlin-Starters im Marathon, Phi-lipp Pflieger, der sich nach seinen 13:50,61 Minuten über 5000 Meter – zuletzt in Tübingen gelaufen – bärenstark fühlt. „Klar, bei Erfüllung der EM-Norm muss man zumindest über einen Doppelstart in Berlin nachdenken dürfen, nachdem mir 2014 trotz ähnlicher Leistung der EM-Start über die 25 Runden vom DLV nicht gewährt wurde. Ich bin freier Laufprofi, der sich alles ohne Verbandsunterstützung selbst finanziert“, orakelt der Schwabe im Telis-Trikot über seinen Samstagabend-Auftritt. Mit im Rennen sind seine Teamkollegen Tim Ramdane Cherif und Jonas Koller, beide routinierte Läufer der 29er-Klasse, sowie Telis-Senkrechtstarter Kevin Key, der die 30er-Zeit will.

Moritz Beinlich macht Tempo

Schmerzlich vermissen wird man den Deutschen Vizemeister von 2018 und nationalen Titelträger von 2017, Simon Boch, ebenso wie seinen Teamkollegen Dominik Notz (LG Telis Finanz), die beide gesundheitlich noch ein wenig angeschlagen sind und deshalb am Samstag passen müssen. Moritz Beinlich wird zirka vier Kilometer lang die Pace machen.

Im Vorfeld der beiden Läufe findet noch ein Einlagelauf der Telis-Jugendlichen statt. Ziel: Benedikt Brem, Julia Öchsl und Linus Wiedenbauer wollen sich dabei über 3x1000m mit einer Zeit unter acht Minuten für die Deutschen Jugendmeisterschaften qualifizieren. (orv)

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