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Eishockey

Ralf Barth: Ein Zebra mit blauen Flecken

Der Eishockey-Schiedsrichter hat 2000 Spiele geleitet. Das Bambiniturnier ist ein Muss. Ist mit Spiel 2222 2022 Schluss?
Von Claus-Dieter Wotruba

Ein besonderes Spiel: Der Regensburger Ralf Barth leitete in Mossburg beim Landesliga-Duell gegen die 1 b aus seiner alten Heimat Selb seine 2000. Partie gemeinsam mit Matthias Worlitschek. Foto: Barth
Ein besonderes Spiel: Der Regensburger Ralf Barth leitete in Mossburg beim Landesliga-Duell gegen die 1 b aus seiner alten Heimat Selb seine 2000. Partie gemeinsam mit Matthias Worlitschek. Foto: Barth

Regensburg.Nein, da kennt Ralf Barth keine Gnade. Egal, ob gestandenes Mannsbild oder Mini-Eishockeyspieler wie in diesem Fall: Als die tschechische Nummer neun aus Karlsbad in der Donau-Arena mit sichtlichem Unverständnis auf die Strafzeit reagiert, packt der 48-jährige Schiedsrichter beim Bambiniturnier eine Zusatzstrafe obendrauf. „Das wissen alle, dass man bei mir ruhig sein muss, sonst gibt’s eine Diszi“, sagt Barth über Barth. „Jetzige Kollegen haben mir erzählt, dass das schon in der Kabine ein Thema war, als sie noch gespielt haben.“

Schon der Ansatz, wie aus Ralf Barth ein Schiedsrichter wurde, ist bemerkenswert. Er stammt aus dem oberfränkischen Städtchen Arzberg, lebt seit 1995 in Regensburg und pfiff seither stets für die hiesigen Vereine EHC und EVR. Anfang der Neunziger gründete er einen Fanklub („Den gibt’s immer noch“) für den Eishockey-Klub in Selb und beschloss eines Tages, „nicht nur zu schimpfen, sondern auch die andere Seite kennenlernen zu wollen. Dass ich 25 Jahre dabeigeblieben bin, finde ich selbst erstaunlich.“

Summa cum laude: „Ruhig war’s“

Selbst Eishockey zu spielen war in der Familie Barth mit ihren fünf Kindern und dem nötigen Transport nach Selb ein Ding der organisatorischen Unmöglichkeit gewesen und so spielte Ralf Barth wie die meisten eben Fußball. Erst „mit 14 oder 15“ landete er zum Zuschauen beim Eishockey – und blieb hängen. Barth führte stets genau Buch. Auch die Wahl des Jubiläumsspiels 2000 vergangenen Samstag war kein Zufall: „Ein bissl ein Rahmen“ sollte es sein – heraus kam die Landesliga-Partie des EV Moosburg („Heimat eines alten Freundes“) gegen die 1 b des VER Selb („Meine alte Heimat“).

Mit Matthias Worlitschek war auch der Partner in der Spielleitung ein guter, alter Weggefährte, der sogar noch länger pfeift. „Ruhig war’s“, bilanziert Barth das Summa cum laude eines Schiedsrichters. Natürlich war die Besonderheit des Spiels im Umfeld ruchbar geworden. „Eine Flasche Wein habe ich bekommen und mit dem Krimmel-Sepp war mein allererster Obmann mit Frau und Sohn dabei.“

Nie war für den Angestellten einer Spedition ein Thema, höherklassig pfeifen zu wollen. Die Einsätze als Torrichter bei Länderspielen in der Donau-Arena oder das ausverkaufte EVR-Landesliga-Derby nach dem Konkurs gegen Weiden (10:0) sind schöne Erinnerungen, aber nicht die maßgeblichsten. Wochenendfüllend ist das Hobby sowieso: Der Mangel an Referees ist auch im Eishockey zu spüren. Es stehen auch schon mal fünf Spiele von Freitag bis Sonntag im Barth-Kalender.

Dick angestrichen sind stets die ersten Januar-Tage. „Das ist mein 23. Bambiniturnier“, sagt Ralf Barth. „Ich habe hier nie was berechnet und zur neuen Organisator Julia Corres gleich gesagt: Du musst dich vielleicht um vieles kümmern, aber die Schiedsrichter sind ein Selbstläufer“, erklärt Ralf Barth und wie aufs Stichwort marschiert einer nach dem anderen aus der Schiedsrichter-Crew vorbei. „Da ist der Patrick Altmann, der sich wieder zwei Tage Zeit genommen hat, obwohl er Vater von Zwillingen ist.“ Altmann (26) spielte einst selbst im EVR-Nachwuchs und leitet inzwischen Spiele der DEL 2. Auch zu Andreas Flad weiß Barth etwas: „Er ist Linienrichter in der DEL gewesen, hat in Regensburg Lehramt studiert und ist vier Tage da.“ Oder Florian Weinzierl, mit dessen Vater Ralf Barth schon Spiele pfiff.

Wegbegleiter von Ralf Barth sind Florian Weinzierl, mit dessen Vater Barth pfiff, DEL-2-Schiedsrichter Patrick Altmann oder auch der Schweizer Bruno Leuenberger (von links). Foto: Wotruba
Wegbegleiter von Ralf Barth sind Florian Weinzierl, mit dessen Vater Barth pfiff, DEL-2-Schiedsrichter Patrick Altmann oder auch der Schweizer Bruno Leuenberger (von links). Foto: Wotruba

Und dann ist da der Schweizer Bruno Leuenberger, der die schöne Geschichte erzählt, dass der aus Langenthal stammende und inzwischen mit einem NHL-Vertrag bei den New York Islanders ausgestattete Nationalspieler Yannick Rathgeb seinem Heimatklub nun schon im dritten Jahr die Reisekosten nach Regensburg spendiert, um den Nachwuchsspielern jene Erfahrungen zu ermöglichen, die er einst selbst hier machte. „Bruno ist im 16. Jahr dabei“, sagt Barth und Leuenberger, der gerne auch mal im Sommer zu Besuch vorbeischaut, erklärt, warum: „Weil’s schön ist.“ Ralf Barth teilt ein und akquiriert stets aufs Neue. „Er ist unser Chef“, sagt Altmann. „Es könnte schon mein 24. Turnier sein“, weiß Barth, einst Zuschauer. „Damals hieß es am 6. Januar, du bist doch auch Schiedsrichter und hättest pfeifen können. Seitdem frage ich jeden Neuling, ob er nicht mitmachen will, damit ihm das nicht passiert.“

Kaum böse Erfahrungen

Ralf Barth hat viel erlebt. Eine steigende Respektlosigkeit gegenüber den Schiedsrichtern stellt er nicht fest und auch die Negativerlebnisse, die ihm den Spaß hätten verleiden können, hielten sich in Grenzen. Böse Pucktreffer? Auch Fehlanzeige. „Nur blaue Flecken“, sagt „Zebra“ Barth, der auch ein Ziel im Auge hat. „Vielleicht kann man es so steuern, dass ich mit Spiel 2222 aufhöre, vielleicht am 22. Februar 2022.“ Das wäre kein klassischer Eishockey-Spieltag, sondern ein Dienstag.

46. internationales Bambini-Turnier des EV Regensburg in der Donau-Arena: 2. Vorrunden-Tag: SC Langenthal – Pilsen Wolves 3:8 (1:6). Tore: Käser, Kissling, Von Rohr – Misak 3, Moulis, Cerny, Stolba, Varga, Balek; Strafminuten: 10 – 8
Brixen Falcons – Team Oberösterreich 2:2 (1:2). Tore: Venturi, Heil - Haiböck, Djanovic; Strafminuten: 8 – 4
Pilsen – EVR 14:1 (5:0). Tore: Misak 4,Stolba, Jonak 2, Balek 3, Cerny, Kocek – Magg; Strafminuten: 6 – 8
Langenthal – Oberösterreich 2:5 (2:1) . Tore: Käser 2 – Koller 2, Djanovic, Haiböck 2; Strafminuten: 16 – 6
Karlsbad – Brixen 12:3 (5:2). Tore: Hynek, Zeman, Teterja 2, Vimr 2, Poizl, Mikes, Poler 2, Suma, Hruska; Strafminuten: 6 – 0
Oberösterreich – Pilsen 4:1 (2:1). Tore: Koller, Haiböck, Djanovic, Schnabl – Jonak; Strafminuten: 2 – 4
Langenthal – EVR 3:3 (1:1). Tore: Meinen 2, Grossenbacher – Magg, Sauter, Arzt; Strafen: 6 – 2
Tabelle: 1.Pilsen 5 Spiele, 33:9 Tore; 8:2 Punkte; 2. Oberösterreich 5, 25:13, 7:3; 3. Karlsbad 4, 27:11, 6:2, 4. Brixen 4, 18:21, 4:6; 5. Langenthal 5, 10:26, 2:8; 6. EVR 4, 6:38, 1:7
Letztes Vorrundenspiel: Freitag: 8.00: Karlsbad – EVR; Zwischenrunde: Freitag, 9.30: Pilsen – Karlsbad; 11.00: Oberösterreich – Brixen; 12.30: Langenthal – EVR; 14.00: Pilsen – Brixen; 15.30: Karlsbad – Langenthal; 17.00: Oberösterreich – EVR

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