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Triathlon

Sebastian Neef steht am Scheideweg

Nach dem umstrittenen Aus bei der 70.3-WM in Zell am See, ärgert sich der Regensburger über eine verpasste Chance.
Von Claus-Dieter Wotruba, MZ

Sebastian Neef hatte in Zell am See ein hartes WM-Los.
Sebastian Neef hatte in Zell am See ein hartes WM-Los. Foto: Brüssel

Regensburg.Es war ungefähr bei Kilometer 20, als für Sebastian Neef in den österreichischen Bergen das Unwetter aufzog. Fortan schwebte bei der 70.3-Weltmeisterschaft in Zell am See das Damoklesschwert einer Fünf-Minuten-Zeitstrafe über dem Regensburger Triathleten. Als er in der Wechselbox tatsächlich in der Strafbox landete, brach für Neef eine kleine Welt zusammen: Vorbei war der realistische Traum einer Top-Ten-Platzierung. Nach neun Kilometern auf der Laufstrecke schmerzte auch noch der angeknackste Fuß, das Zusammenspiel von Psyche und Physis streikten – zumal er am Wochenende beim Transalp-Triathlon am Bodensee einen versöhnlichen Saisonabschluss anstrebt. „Geht alles gut, kann ich dort gewinnen.“

In Zell am See ging nicht alles gut. Nicht zum ersten Mal machte Sebastian Neef negative Bekanntschaft mit den Kampfrichtern. Im Vorjahr hatte ihn eine Disqualifikation in Norwegen die Teilnahme an der 70.3-Weltmeisterschaft gekostet. Diesmal wurde ihm der Vorwurf des Blockens gemacht: „Ich soll einen anderen Athleten nach dem Überholen geschnitten haben. Ich habe das gar nicht mitbekommen. Und der Kampfrichter hat nur etwas von fünf Minuten gesagt, mir aber nicht wie üblich eine Karte gezeigt“, berichtet Neef vom Malheur.

Bitteres Erlebnis in der Strafbox

Als dann auch noch im Penaltyzelt der Wechselzone niemand Genaueres über das Vergehen wusste, Neef aber seine Strafe absitzen sollte, empfand der 25-Jährige den Vorgang endgültig als „unfair. Du stehst da in der Box und es laufen 20 Leute vorbei, die du zuvor auf dem Rad mühsam abgeschüttelt hast“. Die Folgen waren logisch: Auf der Laufstrecke kreisten die Gedanken nur noch um die Strafe und wurden immer negativer. „Mir hat dann der Biss gefehlt und den Fuß habe ich auch wieder gespürt“, erklärt Sebastian Neef seinen Ausstieg.

Was bleibt, sind theoretische Gedanken. „Ich weiß jetzt, dass ich in der Weltspitze mithalten kann“, sagt Neef. Denn im Rennen hatte sich sogar Sebastian Kienle, am Ende Zweiter hinter Jan Frodeno, zum Anhaltpunkt entwickelt. „Ich bin ungefähr mit ihm aus dem Wasser und in der zweiten Wechselzone auf dem Rad waren es rund zwei Minuten Rückstand“, erklärt Neef den Verlauf. Zumal die Zeitstrafe kurz vor dem Passanstieg kam, wo Neef sich „15 oder 20 Sekunden“ hinter Kienle befand und der Rückstand auch durch das Malheur wuchs.

Als Dreizehnter stieg Sebastian Neef vom Rad – und erlebte, wie der Belgier Bart Aernouts aus seiner Gruppe noch auf Platz vier nach vorne lief. „Mit einer 1:19 im Halbmarathon wäre ich in die Top Ten gekommen – und das hätte ich mir zugetraut“, sagt Neef. „Das hat mich ziemlich fertiggemacht.“ Der Student im siebten Semester, der 2017 sein Lehramts-Studium für Sport und Englisch abschließt, will seine Lehren ziehen. „Ich muss einiges umstrukturieren“, sagt Neef. . „Es muss sich etwas ändern. Vielleicht brauche ich einen Mentaltrainer. Und ich muss mich auch fundiert auf die Sponsorensuche machen. Wenn die Finanzierung auf so einem Niveau nur davon abhängt, ob du Preisgeld bekommst oder nicht, dann geht das nicht.“

Im Nachhinein stellt Sebastian Neef auch ein wenig in Frage, zusammen mit Trainer Robert Mücke den Fokus nicht doch mehr auf die WM gelegt zu haben. „Normal machst du zwei Wochen vorher keine Mitteldistanz mehr wie ich in Immenstadt“, sagt er. „Da wäre hier richtig was gegangen.“ Auch die Wichtigkeit des Streckenprofils hat Neef erkannt. „Wenn der Radkurs nicht anspruchsvoll ist, hat es für mich keinen Sinn“, sagt Neef und erklärt es anhand von Zell am See. „Da verlieren die guten Läufer zehn Minuten, weil sie auf dem Rad so gefordert werden. Selbst ein Frodeno ist statt einer 1:10 eine 1:17 gelaufen.“ Deswegen wird der WM-Kurs 2016 in Australien eher weniger passen.

„Hofiert werden die Besten“

Sebastian Neef spürte das WM-Flair („Jeder, der mit Triathlon am Hut hat, war da“) sehr wohl, erfuhr aber auch die Schattenseiten. „Klar, die Weltbesten werden hofiert, Leute wie ich sind eher egal“, sagt Sebastian Neef und kämpft auch damit. Seine Triathlon-Karriere steht an einem Scheidepunkt.

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