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Eiskunstlauf

Sophia Gienger heißt die ECR-Hoffnung

Der ECR steht vor dem Umbruch, weil Trainerin Nicole Brünner Verantwortung im deutschen Nachwuchs übernimmt.
Von Claus-Dieter Wotruba

Sophie Gienger gewann in Berlin den „Großen Bär“ und jagt die Bundeskader-Norm. Foto: Brünner/ECR
Sophie Gienger gewann in Berlin den „Großen Bär“ und jagt die Bundeskader-Norm. Foto: Brünner/ECR

Regensburg.Eine Zäsur beim EC Regensburg ist nicht mehr weit entfernt. Ferdinand Dedovich (72) ließ sich bei der Mitgliederversammlung im Oktober noch ein letztes Mal wählen, „dann ist in zwei Jahren Schluss“, sagt seine Frau Nicole Brünner (50). Das Duo hat bei dem Klub, der sich 2000 vom EV Regensburg abgespaltet hatte, um seine eigene Sache zu machen, seither immer wieder Talente in die deutsche Spitze im Eiskunstlauf gebracht.

Engagement

Talentförderung der Eissportler prämiert

Der EC Regensburg hat „Das Grüne Band“ für seine vorbildliche Nachwuchsarbeit erhalten. Die Freude war groß.

Den geförderten Stützpunkten war das oft ein Dorn im Auge, dass in Regensburg mit wenigen Mitteln vergleichsweise viel Erfolg entstand. Weil die deutschen Eiskunstläufer derzeit im internationalen Vergleich am Boden liegen, ist das Duo Dedovich/Brünner jetzt auf deutscher Verbandsebene tätig. Nicole Brünner ist die Bundes-Nachwuchstrainerin in spe, kümmert sich um Athleten, Lehrgänge und eine neue Organisation. Sie hat seit 1. September eine Halbtagsstelle bei der Deutschen Eislauf-Union (DEU), die ab 1. Januar zur Vollzeitstelle wird. „Das ist eine Chance. Ich hoffe, ich kann etwas bewegen.“

Ferdinand Dedovich, der einst für Österreich bei Olympia startete, bringt sein Wissen in Sachen Athletik, Neuro-Athletik und jener Drehscheibe, die international im Training zwar üblich ist, aber in Deutschland nur in Regensburg verwendet worden war. „Sie sind aufgewacht in Deutschland“, sagt Brünner und begreift ihre neue Aufgabe als Herausforderung. „Für den ECR bleibt da nicht mehr so viel Zeit übrig.“

Er Techniker, sie Psychologin

„Mein Mann ist der Techniker, ich bin eher die Psychologin und Powerfrau: Die Aufteilung zwischen uns hat immer gut funktioniert“, sagt Brünner und hat eine Zwittersaison vor sich. „Die Sportler, Eltern und anderen Trainer waren nicht erfreut und wollen es zum Teil auch noch nicht wahrhaben.“

Es wird sich einiges verändern. Talente gibt es immer noch, auch wenn sich deren Gewinnung immer schwieriger gestaltet. „Die Regensburger haben es vor der Haustür, aber wir hatten zu 80 Prozent Auswärtige“, bilanziert Brünner mit Blick auf eine Maria Herceg oder Ann-Christin Marold, die es bis zur Junioren-WM schafften. „Aber seit einiger Zeit kommt nichts mehr nach, weil es kaum noch gute Trainer gibt, die entsprechend ausbilden.“

Auch ohne Jana Schwegler, die aus gesundheitlichen Gründen aufgehört hat, und Lea Schwamberger, die sich nach einer Verletzung erst in der Aufbauphase befindet, begann die Saison mit ersten Auftritten beim Alpenpokal, in Berlin, Prag und zuletzt Stuttgart mit guten Perspektiven. Für Sophia Gienger (Jahrgang 2006) steht sogar bereits ein erster Sieg zu Buche: Sie gewann beim „Großen Bär“ von Berlin die Nachwuchsklasse. „Ihre Tendenz ist gut. Sie muss aber noch drauflegen“, sagt Brünner über ihren Schützling, dem mit den 84,10 Siegerpunkten noch ein paar Zähler zur einmal national und einmal international zu erbringenden Bundeskadernorm fehlten. „Sie kann das schaffen. Sophia ist mein letztes ECR-Kind, mein letztes Küken“, sagt Brünner, die auch Platz fünf für Eva Balduzzi und Rang drei für Sophie Erhardt in der 11 beim Alpenpokal würdigte. „Sie ist mit ihren neun Jahren aber zu jung, um bei deutschen Nachwuchs-Meisterschaften starten zu dürfen“, sagt Brünner.

Herz hängt auch an zwei Jungs

Brünners Herz hängt auch noch an zwei Jungs. Leon Kraiczyk hatte schon zum Ende der vergangenen Saison einen Sprung gemacht. „Jetzt standen mit Toeloop und Salchow erstmals zwei Dreifachsprünge im Programm – und dazu der Doppel-Axel. „Seine Kür war megagut“, sagt Brünner über Platz drei beim „Großen Bär“ in Berlin. „Er ist mehr der Springer als der Läufer.“ Mit seinen 94,21 Punkten ist auch für ihn die Bundeskader-Norm der magischen 100 Punkte in Reichweite.

Quali in Oberstdorf

    Knapp hinter Leon Kraiczyk, aber deutlich vor dessen Bruder Loris (7.) landete mit Luca Fünfer ein Neuzugang der vergangenen Saison aus Königsbrunn. „Er ist ein Draufgängertyp und hat Bundeskader-Potenzial. Er liegt mir wahnsinnig am Herzen“, sagt Brünner und will „dran bleiben und ihn pushen“. Solange sie noch da ist.

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