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SSV Jahn: Die Jungen rücken nach

Die Nachwuchsarbeit des Regensburger Drittligavereins trug viele Jahre nur spärlich Früchte. Nun geht es langsam aufwärts.
Von Jürgen Scharf, MZ

So sehen Talente aus: Johannes Stingl (Mitte) jubelt mit seinen Teamkollegen über ein Tor in der U21.
So sehen Talente aus: Johannes Stingl (Mitte) jubelt mit seinen Teamkollegen über ein Tor in der U21. Foto: Brüssel

Regensburg.Es war ein großer Tag für Johannes Stingl. Vor zwei Wochen durfte er erstmals bei einem Heimspiel des SSV Jahn Regensburg das Trikot der Profis überziehen. Trainer Heiko Herrlich hatte den 19-jährigen Mittelfeldspieler aus der U21 des Drittligisten in den Kader der ersten Mannschaft berufen – wie schon bei der Auswärtspartie in Kiel eine Woche zuvor. An ein „unbeschreibliches Gefühl, wenn man da unten auf dem Rasen steht“, erinnert sich Stingl: „Ich habe es genossen, die Stimmung und Fans direkt auf dem Platz zu erleben.“

Spieler aus der eigenen Jugend bis in die erste Mannschaft zu bringen – das ist ein großes Ziel für jeden Profi-Fußballverein. „Das hat etwas mit Identifikation zu tun. Und es ist ein Gütesiegel für die Arbeit in der Nachwuchsabteilung“, sagt Herrlich. Umso mehr habe es ihn gefreut, dass sich nun ein Spieler aus der U21 für eine Nominierung angeboten habe. Stingl trainiert ohnehin seit längerem bei den Profis mit. Hier und bei seinen Auftritten in der U21 habe er Herrlich zufolge gezeigt, dass er von den Jahn-Talenten „mit am weitesten ist“. Seine Nominierung soll nun auch „ein Signal an die U21 sein, dass wir auf sie achten und dass die Tür aufsteht“.

„Ich wurde super aufgenommen“

Wenn es ein Talent schafft, bei den Profis dabei zu sein, ist das Prozedere ganz einfach, erzählt Herrlich: „Ich stelle ihn vor. Und dann sage ich den anderen Spielern, dass sie ihm helfen sollen.“ Bei Stingl hat das geklappt. „Die Mannschaft hat mich super aufgenommen. Das hilft, dass man schnell reinkommt“, erzählt er. Über die Entscheidung des Trainers habe er sich natürlich sehr gefreut: „Für mich ist das eine Supermöglichkeit. Ich versuche jetzt einfach, mich zu zeigen.“

Im Video – Heiko Herrlich über die Jugendarbeit:

Herrlich: "Ein Gütesiegel für die Jugendarbeit"

Stingl arbeitet hart für das große Ziel, Fußball-Profi zu werden. Spieler, die aus der zweiten Mannschaft zu den Profis aufrückten und sich dort dauerhaft durchsetzten, gab es zuletzt beim SSV Jahn aber kaum. Fabian Trettenbach, Daniel Franziskus und Matthias Dürmeyer schienen zunächst auf einem guten Weg, haben den Klub mittlerweile aber wieder verlassen. Vergangene Saison pendelten Michael Faber, Andreas Jünger und Kevin Hoffmann zwischen erster und zweiter Mannschaft, den endgültigen Sprung schafften sie bislang nicht.

Es braucht noch Unterstützung

Jahn-Geschäftsführer Christian Keller lobt Stingl: „Der Johannes ist in der U21 ganz vorn dabei und hat im vergangenen Jahr einen großen Schritt gemacht.“ In der zweiten Mannschaft gebe es überhaupt ein paar Spieler, die irgendwann auch für die Profis in Betracht kommen könnten: „Wenn sie weiter hart an sich arbeiten.“ Es brauche aber Geduld, sagt Keller: „Der Klub leidet noch immer darunter, dass die Nachwuchsarbeit bis vor drei Jahren vernachlässigt wurde.“ Dies sei auch bei der aktuellen U21 zu spüren. Anspruch des Vereins sei, dass die Talente in der Bayernliga voll mithalten können. Ohne die regelmäßige Unterstützung von Profis aus der ersten Mannschaft, die in der U21 Spielpraxis sammeln, würde das Keller zufolge aber noch nicht funktionieren.

Profis aus der Jahn-Jugend

  • Oliver Fink:

    Der Mittelfeldspieler kam 1982 in Hirschau im Landkreis Amberg-Sulzbach zur Welt. Mit dem Fußballspielen begann er beim 1. FC Schlicht. Als 16-Jähriger wechselte er zur SG Post/Süd Regensburg und setzte sich nach der Fusion des Klubs mit dem SSV Jahn in der Profimannschaft durch. Nach dem Aufstieg 2003 spielte er mit dem Jahn eine Saison lang in der 2. Liga. Seit sieben Jahren trägt er nun das Trikot von Fortuna Düsseldorf.

  • Markus Ziereis:

    Der Stürmer, der vergangene Saison mit 19 Toren bester Angreifer des SSV Jahn war, kickte bereits in der Jugend für die Regensburger. Als 13-Jähriger wechselte der gebürtige Rodinger in die Domstadt und blieb zwei Jahre beim Jahn, bevor er zum TSV 1860 München weiterzog. Nach mehreren Stationen im Profibereich kehrte er vergangenes Jahr zurück.

  • Benedikt Kirsch:

    Im Alter von fünf Jahren startete der heute 20-Jährige bereits seine Fußballkarriere – damals noch bei der SG Hohenschambach im Landkreis Regensburg. Mit sieben Jahren ging es bereits zum SSV Jahn Regensburg. Dort blieb er fünf Jahre, bevor er zur SpVgg Greuther Fürth weiterzog. Hier schaffte er in der aktuellen Saison den Sprung in den Profikader.

  • Philipp Ziereis:

    Der gebürtige Schwarzhofener (Landkreis Schwandorf) wechselte bereits als 14-Jähriger in die Jugend des SSV Jahn Regensburg. Dort schaffte er fünf Jahre später auch den Sprung in die erste Mannschaft, stieg mit dem Klub allerdings 2013 aus der 2. Liga ab. Er wechselte daraufhin zum FC St. Pauli. Dort feierte er den endgültigen Durchbruch und ist mittlerweile ein etablierter Zweitligaprofi.

  • Oliver Hein:

    Der defensive Allrounder wurde in Straubing geboren und begann mit fünf Jahren beim SV Salching mit dem Fußballspielen. Danach kickte er beim FC Dingolfing, bevor er 2007 als 17-Jähriger zur U19 des SSV Jahn wechselte. Zwei Jahre später gehörte er bereits dem Kader der Drittligamannschaft an und hatte in der Saison 2009/2010 die ersten Einsätze bei den Profis. Seit sechs Jahren ist er nun Stammspieler beim Jahn und der dienstälteste Profi in der Mannschaft.

Im Hauruckverfahren können in der Nachwuchsarbeit kaum Erfolge erzielt werden. Keller setzt auf ein langfristiges Konzept. Einen großen Schub erhielt der SSV Jahn im Sommer, als der Klub vom Deutschen Fußball-Bund als Nachwuchsleistungszentrum anerkannt wurde. Dies war der erste Höhepunkt einer Keller zufolge seit mehreren Jahren laufenden Aufbauarbeit. In den jüngeren Jahrgängen habe der Jahn nun bereits „Top-Talente, sicher auch im bayernweiten Vergleich“, sagt er und nennt Julian Kudala aus der U15 und Benedikt Köppel aus der U17 als Beispiele. Solche Spieler stehen natürlich auch im Fokus von anderen Vereinen. „Durch die Anerkennung als Nachwuchsleistungszentrum haben wir jetzt ganz andere Möglichkeiten, sie bei uns zu behalten“, glaubt der Sportchef. Ein Vorteil für Talente wie Stingl ist zudem die U23-Regelung in der 3. Liga. Jeder Klub muss mindestens vier Spieler aus dieser Altersklasse in den Kader für ein Pflichtspiel berufen.

Stingl stammt nicht direkt aus der Jahn-Nachwuchsschmiede. Er ist zwar in Regensburg geboren, aufgewachsen ist er später aber in Niederbayern. Als Fußballer ausgebildet wurde er im Nachwuchsleistungszentrum des TSV 1860 München. Vergangenes Jahr kehrte er nun zurück in die Oberpfalz. An der Universität Regensburg studiert er seitdem Jura. Das sei sein „zweites Standbein, seine Absicherung“, sagt er. „Im Fußball zählt nicht nur das Talent, es kommt noch viel dazu“, weiß er: „Man kann auch Pech mit Verletzungen haben.“

Bangemachen gilt aber nicht, denn eines sagt Stingl klipp und klar: „Ich will Fußball-Profi werden.“

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