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Kitesurfen

Susannes freie Zeit bestimmt der Wind

Die ungewöhnliche Geschichte der Bad Abbacher Kitesurferin Schwarztrauber: Ab Dienstag startet sie auf Sylt im World Cup.
Von Claus-Dieter Wotruba

Susanne Schwarztrauber strahlt: Sie erfüllt sich gerade einen Surfertraum, der seit über einem Jahrzehnt in ihr lebt. Foto: Schwarztrauber
Susanne Schwarztrauber strahlt: Sie erfüllt sich gerade einen Surfertraum, der seit über einem Jahrzehnt in ihr lebt. Foto: Schwarztrauber

Regensburg.Heute wird Susanne Schwarztrauber wieder mit einem Lächeln aufwachen. Diesmal mit einem noch besondereren Lächeln. Es braucht dieser Tage gar keinen Bildschirm, um die Stimmungslage der 30-Jährigen zu visualisieren: Die gute Laune ist zu hören und schwappt aus dem Telefon. Die studierte Pharmazeutin, die aus Bad Abbach stammt, lebt nach dem Studium und einem gerade abgeschlossenen Projekt in Amsterdam („Wir haben versucht, einem Parasiten, der in Afrika wütet, das Leben schwer zu machen“) ihren seit einem Dutzend Jahren gehegten Lebenstraum. Wenn nicht jetzt, wann dann, war der Hintergedanke – ab Dienstag, 10 Uhr, und bis zum Sonntag (30. Juni) ist die Kitesurferin nach dem Start im Februar auf den Kapverden auf Sylt auch bei der zweiten Station im World Cup dabei.

Sehen Sie hier, was die Bad Abbacher Kitesurferin Susanne Schwarztrauber auf Sylt erwartet.

Surf World-Cup auf Sylt mit Susanne Schwarztrauber

Susanne Schwarztrauber hat sich selbst mit diesem Sport-Virus infiziert. Seit sie „so vor 13 Jahren“ am Gardasee das erste Mal mit dem Kitesurfen in Kontakt kam, „ist „alles, was mit Freizeit bei mir zu tun hat, dem Wind verfallen“. Sie hatte damals „alle Hebel in Bewegung gesetzt, um das zu lernen. Damals war Kiten auch noch nicht so populär, sondern eher Windsurfen. Eine Gruppe verrückter Jungs aus Passau hat mich damals mitgenommen und mir das beigebracht.“ Schwarztrauber grübelt: „Ich weiß nicht, ob das Kitesurfen mich oder ich das Kitesurfen ausgesucht habe.“

Die Begeisterung mündete darin, dass ihr Sport schon die Endphase ihrer Schulzeit massiv mitbestimmte: Schwarztrauber ging an die Nordsee nach St. Peter-Ording („Ich habe mich in die raue Küste verliebt“) und machte dort statt zuhause ihr Abitur. Auch die Studienort-Wahl war geprägt von ihrer Leidenschaft: Erstens wollte sie wieder näher an zuhause rücken, zweitens ihrem Hobby frönen: Wien erfüllte beides. „Da ist ja der Neusiedler See.“

Deswegen reist sie auch immer noch mit einer österreichischen Handynummer. „Bad Abbach ist in meinem Herzen“, sagt Schwarztrauber, „aber das Meer halt auch. Wo ich künftig sein werde, da will ich mich noch nicht festlegen.“ Der Wind wird sie irgendwohin treiben.

Meist vermisst ist die Brezn

In der Familie ist das Lieblingszitat eines Freundes längst zum geflügelten Wort geworden: „Mei, das Meer wäre so schön – wenn‘s halt in Bayern wäre.“ Und so vermisst Susanne Schwarztrauber zwar auswärts „eine gscheite Brezn“ am allermeisten, versucht aber stets Heimatliebe und Surfen in Einklang zu bringen. Vor allem aber siegte auch die Vernunft. „Ich brenne dafür, aber wenn die Knie kaputt sind, dann stehst du mit nichts da. Also wollte ich nie nur surfen. Denn sind wir mal ehrlich: Davon leben können vielleicht die ersten Drei bei den Männern – und mit Moona Whyte aus Hawaii vielleicht noch eine Frau, die nichts Anderes macht, seit sie neun ist.“

Erstmals auf Sylt

  • Premiere:

    Heute ab 10 Uhr macht der Kitesurf-World-Cup zum ersten Mal auf Sylt Station. 37 Fahrerinnen und Fahrer sind am Brandenburger Strand vor Westerland gemeldet. Es geht um ein Gesamtpreisgeld von 30 000 Euro.

  • Deutsche:

    Neben Weltmeister Airton Cozzolino und dem Ranglisten-Ersten Mitu Monteiro sind sechs Deutsche am Start. Susanne Schwarztrauber ist dabei neben der Hamburgerin Sonja Bunte (42) eine von zwei deutschen Frauen.

Susanne Schwarztrauber bringt mit ihrer ungewöhnlichen Geschichte nicht nur Sportfans zum Staunen, sondern genauso die Kitesurf-Kollegen, „wenn ich denen erzähle, dass ich Pharmazeutin bin“. Die erste Station auf den Kapverden hat Susanne Schwarztrauber im Februar hinter sich gebracht. „Einmal wollte ich aber nicht nur zuschauen, sondern mir den Traum erfüllen und mitmachen – und deswegen bin ich jetzt da.“ Der erste Eindruck erschreckte: „Ich dachte, uiuiui, gleich mal Sechs-Meter-Wellen: Aber irgendwie habe ich das hingekriegt – und vor allem habe ich nette Leute kennengelernt, die mir viel zugesprochen. Deswegen habe ich mich entschlossen, soviele Stopps wie möglich mitzufahren.“

Mauritius, Hawaii, Australien

Das wiederum ist nicht so einfach. „Natürlich ist das eine finanzielle Gschicht“, sagt Susanne Schwarztrauber, die plant, die nächste Station im spanischen Tarifa noch mitzunehmen. Bei Mauritius, Marokko, Brasilien, Hawaii bis Mitte Dezember Torquay/Australien steigen die Reisekosten allerdings in anderen Dimensionen. „Aber wer weiß, vielleicht findet sich ja noch ein Sponsor“, sagt Schwarztrauber. „Ich höre momentan so ein bisschen auf mein Bauchgefühl. Es ist eine Traumerfüllung, definitiv.“

Zugleich staunt Susanne Schwarztrauber nicht nur, „dass es nicht so ganz schlecht gelaufen ist“ zum Einstand, sondern auch über Konsequenzen daraus: „ Wenn wir so ein Gespräch führen, dann denke ich mir: ‚Wow, das passiert tatsächlich.‘ Letztens hat mich auch noch eine Firma mit Material ausgestattet, das ist für mich total schön zu sehen, dass man anerkannt wird, weil man was kann.“

Für Schwarztrauber sind es Tage des bedingungslosen Genusses. „Was mich glücklich macht, ist mich stundenlang in irgendeinem Ozean dieser Welt um die Wellen dieser Welt zu kümmern.“ Wobei sie die Wellen in Sylt am Brandenburger Strand nicht kennt, aber schon einiges gehört hat, was Respekt weckt: „Die Wellen dort können sehr, sehr anspruchsvoll sein. Wenn es welche gibt, dann reden wir von 30 Knoten plus und zwar Richtung Land. Da drückt es einen in den Schirm und man muss technisch aufpassen, nicht ins Wasser zu fallen.“

Susanne Schwarztrauber reitet eine der Riesenwellen bei ihrem World-Cup-Debüt auf den Kapverden im Februar. Foto: Gabriele Rumbolo/ GKA
Susanne Schwarztrauber reitet eine der Riesenwellen bei ihrem World-Cup-Debüt auf den Kapverden im Februar. Foto: Gabriele Rumbolo/ GKA

Der größte Schwarztrauber-Vorteil aber bleibt: „Ich hab hier richtig Spaß. Ich mache das, was mir gefällt. Die anderen haben den Druck, nicht ich.“

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