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Triathlon

Tajsichs Beine wollten auf Hawaii nicht

Die Regensburgerin brachte ihre 30. Langdistanz auf Rang 21 ins Ziel. Eine Erkältung verhinderte die Chance auf mehr.
Von Claus-Dieter Wotruba, MZ

Sonja Tajsich musste auf Hawaii akzeptieren, dass eine Erkältung sie nicht konkurrenzfähig für einen Topplatz sein ließ. Foto: Tom Tajsich
Sonja Tajsich musste auf Hawaii akzeptieren, dass eine Erkältung sie nicht konkurrenzfähig für einen Topplatz sein ließ. Foto: Tom Tajsich

Kailua-Kona.Es war das Jubiläum. Und eine Jubiläumsfeier bläst man nicht einfach so ab – noch dazu wenn man dafür tausende von Kilometern angereist ist. „Klar wollte ich etwas Anderes erreichen und wir waren wegen etwas Anderem hier“, sagte die Regensburgerin Sonja Tajsich nach Platz 21 bei der Weltmeisterschaft auf Hawaii, wo sie nach 9:43:26 Stunden zum 30. Mal eine Triathlon-Langdistanz mit 3,8 Kilometern Schwimmen, 180 Kilometer Radfahren und 42,2 Kilometer Laufen über die Ziellinie brachte. „Ich bin aber nicht zutiefst betrübt, habe gekämpft wie ein Löwe und es ins Ziel gebracht. In Kona musst du eben hundertprozentig fit sein. Jetzt muss ich das Ganze erst einmal ein paar Tage setzen lassen.“

„Ich bin aber nicht zutiefst betrübt, habe gekämpft wie ein Löwe und es ins Ziel gebracht.“

Sonja Tajsich

Die Vorgeschichte begann mit dem kranken, zehn Monate alten Töchterchen Julia, die gerade noch reisefähig geworden war für den Abflug am 3. Oktober. „Bei ihr habe ich mich angesteckt“, erzählt Sonja Tajsich. „Ich war mir aber sicher, dass ich noch die Kurve bekomme.“ Der Sprössling war schnell quietschfidel, Mama Tajsich nicht. „Ich dachte mir, ich probiere es einfach.“ Im Wasser klappte noch alles bestens: 1:05 Stunden, im Frauen-Profifeld wie so oft nicht bemerkenswert, für Sonja Tajsich aber persönliche Bestzeit beim siebten Hawaii-Start. „Ich habe eine Gruppe gefunden, hatte ausnahmsweise mal Spaß und habe meinen Frieden mit dem Meer gemacht.“ Doch das Radfahren wurde zu einer „Katastrophe. Ich hatte von Anfang an übersäuerte, schwere Beine. Auf den ersten zehn Kilometern habe ich zwei Minuten verloren. Von meiner Schwimmgruppe waren alle weg.“

Auf dem Rad niemanden überholt

Anfangs dachte die 41-Jährige mit all ihrer Routine noch, das würde sich legen und sie käme in Tritt. „Ich kenne die Spielchen ja inzwischen.“ Doch nichts tat sich. „Ich blieb auf Rang 35 oder so, habe niemanden überholt, wurde aber selbst von vielen Agegroupern überholt.“ Die gute Form mit den Topwerten ähnlich jenen aus dem Höhepunkt-Jahr 2012, als Tajsich Vierte auf Hawaii geworden war, waren Makulatur. „Die Beine wollten partout nicht fahren. Ich wollte 200, 210 Watt treten. Geworden sind es 180. Das sind Werte wie im Training und das macht schnell 25 Minuten aus. Nach 120 Kilometern habe ich es akzeptiert“, kommentierte Tajsich ihre 5:17 Stunden lange Tour, die eher eine Tortur war.

Aber: Noch stand der Marathon an, Tajsichs Paradedisziplin. „Ich dachte, dann reiße ich eben da den Teer auf.“ Doch die Zeit stimmte wieder nicht – 4:35 Minuten für den Kilometer. „Mit dem gleichen Feeling stand in Brasilien eine 4:05 auf der Uhr“, berichtet Tajsich vom Vergleich mit ihrem Überraschungs-Comeback bei der Südamerika-Meisterschaft, die die Hawaii-Pläne Ende Mai erst so richtig forciert hatte. „Jetzt wusste ich also: Ich bin einfach krank, laufen geht also auch nicht.“

Vom Debüt 2004 bis zum Überraschungs-Comeback 2017: Die Geschichte der WM-Rennen von Sonja Tajsich in Hawaii in Wort und Bild.

Im Juni haben wir Sonja Tajsich zum Sonntagsfrühstück besucht.

Mit 3:15-Stunden-Marathon ins Ziel

Die Ziele wurden eben umformuliert. „Ich wollte unbedingt ins Ziel und Zwanzigste werden.“ Bei der Halbmarathon-Marke holte Sonja Tajsich eine Bekannte vom Brasilien-Auftritt ein. „Eine gute Läuferin. Wir liefen Schulter an Schulter und die letzten zehn Kilometer habe ich angezogen.“ Immerhin war das gut genug, mit einem immer noch respektablen 3:15-Stunden-Marathon wenigstens diese Konkurrentin abzuschütteln. „Aber mit einer Erkältung bist du hier eben nicht konkurrenzfähig. Andere wären vielleicht gar nicht angetreten. Und ich habe Hawaii mit anderen Augen erleben können, weil unser Aufenthalt hier sonst rundum schön war.“

So lief der Ironman-Hawaii für die anderen Teilnehmer: Patrick Lange siegte, Jan Frodeno hatte Pech, der Amberger Wolfgang Schmatz einen sehr guten Tag.

So baute Sonja Tajsich auch andere auf. „Jan Frodeno hatte auch einen Kacktag. Als ich ihn auf der Strecke sah, habe ich zu ihm gesagt, wenn du das ins Ziel bringst, bis du der Größte, weil jeder sonst aufhört. Da hat er mich abgeklatscht.“ Vorjahressieger Frodeno landete auf Rang 35. Auch Sieger Patrick Lange, wie Tajsich Mitglied im Team Erdinger, lief der Regensburgerin über den Weg. „Ich habe mir fast die Lunge aus dem Leib geschrien, als ich ihn auf der Strecke sah. Danach habe ich ihn auch kurz getroffen und er hat mich gefragt, ob ich noch weiß, wie er mich nach seiner ersten Mitteldistanz in Eberbach gefragt hat, wie er das mit der Ernährung machen soll.“

Ein Amberger wird Weltmeister

Wolfgang Schmatz beim Zieleinlauf auf Hawaii. Foto: Schmatz
Wolfgang Schmatz beim Zieleinlauf auf Hawaii. Foto: Schmatz

Für Wolfgang Schmatz lief der Ironman deutlich besser. Der Amberger (Altersklasse 55) erfüllte sich seinen Traum und wurde zum dritten Mal Weltmeister. Lothar Richthammer aus Weiden erreichte in der Altersklasse 50 dank eines starken Marathons den guten 13. Platz.

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