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Leichtathletik

Telis-Trio gewinnt alle drei Medaillen


Von Claus-Dieter wotruba, MZ

In der Kurve der Helmut-Körbig-Halle fielen sich „Fan“ Corinna Harrer und Florian Orth im blauen Trikot der LG Telis Finanz Regensburg in die Arme. Harrer war als Favoritin über 3000 Meter, Orth als Mitfavorit über 1500 Meter nach Dortmund gereist – und das Duo erfüllte alle Erwartungen bei der deutschen Hallenmeisterschaft in Perfektion. Telis-Teamchef Kurt Ring konnte es nicht fassen, alle Pläne waren aufgegangen: Drei Strecken, zwei Siege, vier Medaillen!

Öfter mal was Neues, hatten sich die drei 3000-Meter-Frauen schon am ersten Tag gedacht. Das Gefühl von Doppelsiegen hatten Olympialäuferin Harrer und EM-Starterin Maren Kock schon doppelt gelebt. Diesmal nahmen sie die Neue als Dritte im Bunde dazu, machten den 3000-Meter-Lauf zur Vereinsmeisterschaft auf hohem Niveau und verteilten Gold, Silber und Bronze wie im Vorfeld erträumt tatsächlich klubintern.

Den Sieg holte sich wie erwartet Corinna Harrer (9:04,21): Die 22-Jährige kam in den Genuss von Ovationen von der Tribüne und fliegt bereits nun am Mittwoch gemeinsam mit Teamkollege Orth nach Göteborg zu ihrer Hallen-EM-Premiere. Maren Kock war nach sieben Wochen Verletzungs- und Krankheitspause mit Platz zwei in persönlicher Hallenbestzeit genauso zufrieden (9:15,93) wie Carolin Aehling als Dritte (9:22,32). Aehling war mit dafür verantwortlich, dass die Zeit ein Stück flotter war, als es Kurt Ring erwartet hatte. „Caro hat das Tempo hochgehalten, da war das Feld schnell auseinandergezogen“, sagte Kock zum Startkilometer (3:00,49).

Harrer: „Da gibt‘s kein Gewusel“

„Das war nicht schlecht, da gibt’s kein Gewusel“, meinte Harrer in dem allerdings sowieso überschaubaren Feld von nur sieben Läuferinnen, in dem die Fürtherin Jannika John als Vierte den bayerischen Triumph abrundete. Nach dem zweiten Kilometer (6:02,64) hatten auch die Regensburgerinnen ihre Positionen schon verteilt und liefen auf den letzten tausend Metern die Medaillen nach Hause.

So eindeutig war die Rollenverteilung bei Florian Orth nicht. Der Hesse, der in München studiert und für Regensburg startet, war im Vorjahr bei der Hallen-DM gestürzt. Der Titelverteidiger hieß Homiyu Tesfaye – und dazu gesellte sich mit Sebastian Keiner noch ein Umsteiger von den 800 Metern. Er war auch der Grund, warum es für ein Meisterschaftsrennen so schnell wurde, dass Orth mit seiner Siegerzeit von exakt 3:41,00 sogar zum dritten Mal die EM-Norm lief. Zum Vergleich: Bei seinem ersten Hallentriumph vor zwei Jahren ging der Titel in einer zehn Sekunden langsameren Zeit an ihn.

Eingangs der letzten Runde hatte Orth die Führung übernommen, „aber so kontrolliert, wie es vielleicht aussah, war das Rennen nicht“. Und noch etwas hatte sich im Vergleich zum so überraschenden Titel für den Schützling von Heimtrainer Klaus Bornmann massiv verändert: „Wer hätte 2011 schon gedacht, dass ich gewinne. Jetzt aber bin ich soweit, dass ich mir selber Druck mache.“

„Wäre fast noch gestürzt“

Auf der Zielgeraden gab es noch einen kleinen Orth’schen Angstmoment: „Da habe ich einfach so gut es geht dagegengehalten und im Ziel die Brust so nach vorne gereckt, dass ich fast noch gestürzt wäre“, sagt Orth. Mitten im Getümmel, als Stabhochspringer Björn Otto beim Höhepunkt der Titelkämpfe sich an 6,01 Metern und deutschem Rekord versuchte, lief Florian Orth seine Ehrenrunde und somit auch schon der Europameisterschaft in Göteborg von Freitag bis Sonntag entgegen. „Dort haben dann alle meine Leistungsklasse und alle wollen da laufen, wo du läuft. Da muss man mit Ellbogen seine Position verteidigen.“

Vielleicht können sich zwei der Aushängeschilder der Regensburger Leichtathletik in Göteborg ja wieder herzen und gegenseitig zu ihren Leistungen gratulieren wie in Dortmund.

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