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Volleyball

Volleyball schreibt rote Zahlen

Von den Volleyball-Hochburgen der Oberpfalz ist oftmals nur noch der gute Ruf übrig. Der Verband schlägt Alarm.
von maximilian frickel, mz

Immer zur Abwehr bereit. Schaffen die Volleyballer es, den Negativtrend im Jugendbereich abzuwenden? Foto: Brüssel
Immer zur Abwehr bereit. Schaffen die Volleyballer es, den Negativtrend im Jugendbereich abzuwenden? Foto: Brüssel

Regensburg.Fußballspiel am Freitagabend. Bundesliga-Nachmittag samstags um 15.30 Uhr. Treffen auf dem Bolzplatz am Sonntag nach dem Doppelpass. Die Wochenendplanung tausender Jugendlicher des Landes ist geprägt von dem runden Leder auf dem heiligen Rasen. Zeit für andere Sportarten ist da kaum. Ein Volleyballspieler macht sich auf einem Poster einfach nicht gut genug neben den Messis und Ronaldos dieser Welt.

WM-Bronze 2014. Europaspiele-Gold 2015. EM-Silber 2017. Die deutsche Volleyball-Herrenmannschaft hat in den vergangenen Jahren Historisches geschafft. Welche Auswirkungen haben solche Erfolge auf die regionale bzw. lokale Ebene? Im besten aller Fälle hoffen die Landesverbände auf den „Trickle-down-effect“, was so viel bedeuten soll, wie: Große Erfolge für das Nationalteam bedeuten auch: großer Aufschwung für den Sport auf den Landes- und Bezirksebenen. Dass die Theorie aber nicht gleichzeitig mit der Praxis einhergeht, hat die Vergangenheit gezeigt: Trotz guter Leistungen bei Großereignissen wie Olympia oder einer Weltmeisterschaft steht Volleyball (mal wieder) am Rande der Sportarten.

Wie verheerend die Situation im männlichen Jugendbereich ist, wird bei einem Blick auf die Zahlen des bayerischen Volleyballverbandes deutlich. In der Spielzeit 2009/10 waren im männlichen Jugendbereich 452 Jungenteams gemeldet. Acht Spielzeiten später, 2017/18, sind es nur noch 400.

Immer weniger Jugendmannschaften sind auf bezirksweiten Turnieren zu finden. Foto: Brüssel
Immer weniger Jugendmannschaften sind auf bezirksweiten Turnieren zu finden. Foto: Brüssel

Auch im Mädchenbereich schreibt der BVV rote Zahlen: Innerhalb der letzten acht Jahre ist die Zahl der gemeldeten Teams von 1098 auf 992 Teams gesunken. Anders als der deutsche Staat hat der Volleyballsport also kein Zuwanderungs- sondern eher ein Abwanderungsproblem. Eine Parallele lässt sich aber dennoch finden: Es gibt keine einzig alleinige Ursache für das Problem. Es sind viele verschiedene Faktoren, die junge Sportler dazu bewegen, sich nicht für den Volleyball zu entscheiden. Sich des Negativtrends bewusst, ist der BVV sichtlich bemüht die Ursachen zu analysieren und Lösungen zu bieten. Auf die Frage, was gegen den Nachwuchsmangel gemacht werden kann, teilt Landestrainer Dominic von Känel mit, dass „Vereine noch mehr in ihrer Arbeit unterstützt werden müssen, um im frühen Jugendbereich Spieler zu finden“. Wie genau diese Hilfe aussieht zeigt BVV-Geschäftsführer Hans Kleiner auf: „Der BVV versucht die Zusammenarbeit mit Grundschulen und fördert die volleyballspezifische Weiterbildung der Lehrer. Man muss aber bedenken, dass wir nicht die einzigen sind, die sich um die Jugendförderung bemühen.“

Volleyball ab der Grundschule

Diesen Ansatz teilt auch Gerd Spieß, langjähriger Jugendtrainer des VC Schwandorf und Betreuer der Carl-Friedrich-Gauß-Schulmannschaft: „Der Volleyball braucht einen höheren Stellenwert im Schulsport. Wenn die Eltern dir den Sport nicht näher bringen, ist das der einzige Berührpunkt für die Jugendlichen.“

Ehemaliger Jugendtrainer des VC Schwandorf: Gerd Spies. Foto: Archiv
Ehemaliger Jugendtrainer des VC Schwandorf: Gerd Spies. Foto: Archiv

Dem Volksmund nach müsste dem Willen auch ein Weg folgen. Doch leider hat der Volksmund nicht immer Recht. Fehlende finanzielle Unterstützungen, Mitarbeitermangel und wenig mediale Aufmerksamkeit sind zwar kein ausschließlich Volleyball typisches Phänomen, sondern betreffen jede Randsportart Deutschlands, aber haben vor allem auf den Sport mit dem Ball und der Schnur einen besonders negativen Einfluss. Von Stolpersteinen zu sprechen, scheint deshalb eine Untertreibung zu sein. Einer rosigen Zukunft liegen eher Felsen im Weg.

„Fußball erdrückt den Volleyballsport.“ Gerd Spies

Der BVV um Kleiner und von Känel sehen trotzdem Möglichkeiten, wie Nachwuchsarbeit verbessert werden kann: „In Vereinen und im Verband hängt ja bekanntlich sehr viel vom Ehrenamt ab, ohne das all die Themen nicht gemeistert werden können. Vereine sollten den Schritt vom Ehren- zum Hauptamt wagen, um den heutigen Anforderungen gerecht werden zu können. Natürlich geht es weiter nicht ohne das Ehrenamt.“ Ob viele Vereine diesen Schritt riskieren, bleibt abzuwarten. Es fehlt an allen Ecken und Kanten. Sowohl was die finanziellen Mittel angeht, als auch der „Manpower“. Rudolf Rieger, Vorsitzender des oberpfälzischen Volleyballverbandes, sieht mehrere Faktoren, die den Volleyball an den Rande der Sportarten drängt: „Den Abwärtstrend im männlichen Nachwuchsbereich anhand einer allgemein gültigen Ursache zu erklären wäre zu einfach. Klar. Die Jugend hat immer mehr Auswahl, was die verschiedensten Sportarten betrifft, aber dass die Tendenz im männlichen Bereich immer mehr zu Fußball geht, hat sich in den letzten drei bis vier Jahren sogar noch mal verstärkt.“

Volleyball zu zeitintensiv ?

Dass sich Jugendliche in einer so großen Zahl für den Fußball entscheiden, ist für Spieß aber keine Überraschung: „Fußball erdrückt den Volleyballsport. Jungs brauchen Vorbilder und Wettkämpfe. Viele Wettkämpfe. Beides kann ihnen der Sport in seiner jetzigen Struktur nicht bieten.“ Liegt es also einfach an der Komplexität und Intensität des Fußballs? Denn wie schon Giovanni Trappatoni sagte: „Fußball ist Ding, Dang, Dong. Es gibt nicht nur Ding.“ Vielleicht fehlt es dem Volleyball auch einfach an „Dang und Dong.“ Neben zu wenig medialer Aufmerksamkeit sieht Rieger weitere Faktoren, die das Nachwuchsproblem immer weiter verschlimmern: „Meiner Meinung nach liegt es an vielen kleinen Faktoren.“ Den Faktor, den er bei Gesprächen mit Eltern am öftesten gehört hat, ist „der hohe Zeitaufwand der Sportart.“

Bezirksverbandvorsitzende Rudolf Rieger. Foto: Archiv
Bezirksverbandvorsitzende Rudolf Rieger. Foto: Archiv

Ein Vorwurf, der seine Berechtigung hat. Ist ein Jugendspieler auch im Erwachsenenbetrieb gemeldet, ist ein völlig verplantes Volleyball-Wochenende keine Seltenheit. Schon um zehn Uhr am Sonntag stehen die Jugendspieltage an. In diesem Punkt sieht Spieß dringende Verbesserungsnotwendigkeit: „Volleyballspieltage können dir schon mal den ganzen Sonntag rauben. Dafür haben die Jugendlichen dann aber wieder drei Wochen gar kein Spiel.“ Der Kritik folgt der Verbesserungsvorschlag auf dem Fuße: „Die hohe Zeitintensivität des Sports kann durch eine bessere Organisation durchaus bekämpft werden: Mehr Spieltage mit weniger Spielen. Das ist die Lösung.“

Volleyball. Ein Ein-Mann-Betrieb?

Gründe für den Abwärtstrend lassen sich aber nicht nur bei den Sportlern finden. „Volleyball, vor allem in der Oberpfalz, ist ein Ein-Mann-Betrieb geworden“, bemängelt Rieger. „Von Volleyball-Hochburgen wie Hirschau, Nittenau oder Cham ist nur noch der gute Ruf übrig.“ Gleichzeitig wird anhand solcher Aussagen auch klar, dass die fehlende Begeisterung für den Sport kaum an dem fehlenden Engagement von Trainern, Betreuern und Verbänden liegen kann. Ganz im Gegenteil: Viele kämpfen mit der Dreifachbelastung aus Beruf, eigenem Spielbetrieb und der Betreuung des Nachwuchses. Dennoch bleibt die verheerende Entwicklung bestehen. Sonntagmorgen aufgrund von fehlenden Spielern Spieltage absagen zu müssen, ist schon lange keine Seltenheit mehr in der Oberpfalz. Und falls endlich mal eine gesamte Mannschaft zusammengetrommelt werden kann, müssen im Jungenbereich auch gerne mal ein, zwei Mädchen aushelfen. Das Bemühen um professionelle Strukturen im bayerischen Volleyball ist erkennbar, aber trotzdem handelt es sich um eine Mammutaufgabe, die ohne Hilfe nicht zu stemmen ist. Auch wenn „das Runde muss ins Eckige“ der Leitspruch einer ganzen Nation geworden ist, sollte sie die anderen Sportarten nicht vergessen. Denn dieser Spruch passt auch zum Volleyball.

Nachwuchssorgen im Volleyball

  • 400 Jungen-

    und 953 Mädchenmannschaften sind in der Saison 2017/18 im Spielbetrieb des Bayerischen Volleyballverbandes gemeldet.In der Saison 2009/10 waren noch 452 und 1098 Teams aktiv.

  • Der Verband

    muss, aufgrund von fehlenden Mannschaften, in den Bezirksrunden mehrere Jahrgänge in einer Liga melden. Auch Mixed-Mannschaften sind im Jugendbereich keine Seltenheit mehr.

  • Um das

    Nachwuchsproblem zu lösen, fordert der BVV professionellere Strukturen in den Vereinen.

  • „Fußball erdrückt

    den Volleyballsport. Der Sport ist in den Medien so dominant, dass er für die meisten Jugendlichen von Anfang an eine Vorbildfunktion einnimmt“, kritisiert Gerd Spieß.

  • Der Bayerische

    -Volleyball-Verband bemüht sich um eine Abwehr des Negativtrends: Vereine sollen bei dem Schritt von Ehren- zu Hauptamt unterstützt werden.

  • Auch die

    Kooperation mit Grund- und weiterführenden Schulen wird vermehrt gesucht. Die Kinder sollen so früh wie möglich an den Volleyballsport herangeführt werden.

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