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Radsport

Wie Rad und Job unter einen Hut passen

Für die Talente Henri und Oscar Uhlig wird es zukünftig nicht nur sportlich spannend, sondern auch beruflich.
Von Angelika Sauerer

Die Brüder Oscar (links) und Henri Uhlig sind erfolgreiche Radsportler und bringen nun auch Ausbildung und Sport in Einklang. Foto: Birgit Uhlig/Archiv
Die Brüder Oscar (links) und Henri Uhlig sind erfolgreiche Radsportler und bringen nun auch Ausbildung und Sport in Einklang. Foto: Birgit Uhlig/Archiv

Hagelstadt.Am Sonntagabend stellt sich die Familie Uhlig der Herausforderung. Kein Radrennen, kein Leistungstest, keine Sprint- oder Bergwertung – es sind die leeren Koffer von Oscar (18) und Henri (17) und die Frage: Was muss rein? Was bleibt hier? Brauche ich ein Rad? Geht es direkt weiter zu einem Rennen? Oder zurück nach Hause? Organisation ist alles. Denn Henri, der zur deutschen Spitze der U19-Junioren im Radsport zählt, absolviert seit Mitte September in Dachau eine Ausbildung im Rahmen des Spitzensport-Fördermodells der Bayerischen Bereitschaftspolizei. Und Oscar fährt für seinen Berufsschulblock nach Sulzbach-Rosenberg. Sein Ausbildungsberuf ist ganz neu: E-Commerce-Kaufmann.

Das ist Henri Uhlig

  • Erfolge:

    „Ostbayerns Nachwuchssportler 2017“ erreichte 2018 u. a. Platz 10 bei der Junioren-WM mit dem Deutschen Bahn-Vierer, Platz 3 in der Bundesliga und wurde Deutscher Vize-Bergmeister.

  • Beistand:

    Das „Team Uhlig“ ist die Familie. Es wird unterstützt von Elektro Hista, Asklepios Bad Abbach, RFZ Rückenzentrum, Reifen Sellmayr, Optik Melcher, Autohaus Wiedmann, Zweirad-Stadler.

Für die Radsportler aus Hagelstadt (Landkreis Regensburg) beginnt nicht nur beruflich ein neuer Abschnitt. Oscar, jetzt U23, startet unter den Elitefahrern für das Team Triebwerk Energy. Von nun an heißt es Auf-die-Plätze-fertig-los gegen gestandene Männer. Und es bedeutet auch, sich der Hackordnung zu beugen. Henri dagegen wird sich künftig ohne Team im Haifischbecken internationaler Rennen und in der U-19-Bundesliga durchbeißen. In der Liga werden alle U19-Mannschaften von den Landesverbänden gestellt. Wegen Differenzen mit dem bayerischen Team Auto Eder bleibt Henri Uhlig zunächst solo. Die Saison 2018/2019 könnte also ungemütlich werden. Sie liegt vor den beiden Radtalenten des RSC Kelheim fast so ähnlich wie die ungepackten Taschen: Es ist unklar, wie schwer oder leicht der Ballast am Ende sein wird.

Hilfe durch Olympiastützpunkt

Immerhin ist der Einstieg ins Berufsleben gemeistert. Während für die meisten ihrer Altersgenossen nach Schulabschluss oder Abi der Weg in Berufsausbildung oder Studium klar ist, stehen junge Spitzensportler erst mal vor großen Fragezeichen. Wie kann ich Beruf oder Studium und Sport in Einklang bringen? Welcher Arbeitgeber toleriert Trainingszeiten und Wettkampfausfälle? Soll ich alles auf den Sport setzen? Was ist, wenn die Karriere stockt?

Klaus Sarsky, Laufbahnberater und stellvertretender Leiter des Olympiastützpunkts Bayern, kennt die Fragen. Seit 1989 kümmert er sich mit Kollegen darum, dass die rund 1000 bayerischen Bundeskaderathleten, zu denen Henri Uhlig zählt, neben dem sportlichen Fernziel – Olympische Sommerspiele 2020 in Tokio – eine berufliche Perspektive haben. „Wir wollen sie für das Danach sensibilisieren“, sagt er. Er wirbt auch an Hochschulen und bei Ausbildern für die Bedürfnisse der Sportler. „Es geht nicht an, dass die jungen Leute im Sport für Deutschland den Kopf hinhalten und dabei Studium oder Ausbildung wie alle anderen durchballern sollen“, sagt er. Es gehe nicht darum, Vorteile zu gewähren, sondern darum, Nachteile auszugleichen. „Geschenkt wird dir nichts“, bekräftigt er.

Nahaufnahme

Der Uhu und sein Team

Mann für schwierige Fälle: Als Jugendtrainer begegnet der Hagelstädter Steffen Uhlig im Radsport nun wieder alten Erinnerungen.

Henri Uhlig, der im Januar seinen Titel als „Ostbayerns Nachwuchssportler“ verteidigen kann, bestätigt das. Der Einstellungstest, den er bei der Polizei leisten musste, war der gleiche wie für alle Polizeischüler. Laufen, Bankdrücken, Springen, Schwimmen – für ihn ein etwas anderes Sportprogramm. Dazu Tests in Deutsch, Mathematik, Allgemeinwissen, Konzentrationsfähigkeit. Henri schnitt gut ab, mit 2,3 ist er besser als der Durchschnitt von 2,5. Neun Athletinnen und Athleten aus verschiedenen Sportarten gehen in die Spitzensport-Klasse. Henri gefällt es gut. „Ich konnte mir schon immer vorstellen, zur Polizei zu gehen“, sagt er. Selbstverteidigung steht jetzt auch auf seinem Stundenplan. Und wie man mit der Waffe umgeht.

Lehre in Teilzeit

Bruder Oscar Uhlig lernt derweil alles über den Online-Handel. Als Nicht-Bundeskader hatte er es schwerer, etwas zu finden, bei dem er Sport und Lehre unter einen Hut bringt. Für ihn gab es keine Stelle bei der Fördergruppe der Bundeswehr, bei Bundespolizei, Zoll oder Bereitschaftspolizei. Der 2018 neu von der IHK als Ausbildungsberuf eingeführte E-Commerce-Kaufmann war seine Chance. Dass er sie nutzen kann, verdankt er auch seinem Ausbildungsbetrieb Zweirad-Stadler: Oscar darf die Lehre in Teilzeit absolvieren. So hat er genug Zeit fürs Radfahren. Er will sie nutzen. Er ist (noch) kein Profi – aber er wird sich profilieren.

Die nächste große Möglichkeit bietet sich kurz vor Weihnachten bei der Deutschen Meisterschaft im Omnium auf der Bahn in Frankfurt/Oder. Henri und Oscar Uhlig werden am Start sein.

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