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Nachruf

Wo Glaser war, da war ein Ball

In der Nacht auf Dienstag ist der Schwandorfer Ex-Fußballprofi Ferdinand Glaser völlig unerwartet in einer Regensburger Klinik gestorben.

Ferdinand Glaser ist in der Nacht auf Dienstag gestorben. Archivfoto: MZ

Schwandorf.Seinen großen Traum hatte sich Ferdinand Glaser schon vor vielen Jahren erfüllt. Einmal bei einem Bundesligaspiel selbst unten auf dem Rasen stehen, das hatte er sich als Kind sehnlichst gewünscht – und er schaffte es. Anfang der 80er Jahre lief er vier Mal für den 1. FC Nürnberg in der ersten Liga auf. Vor drei Wochen feierte der gebürtige Schwandorfer nun seinen 60. Geburtstag und hatte immer noch viele Pläne. Er wird sie nicht mehr mit Leben erfüllen können. In der Nacht auf Dienstag ist Ferdinand Glaser völlig unerwartet in einer Regensburger Klinik gestorben.

Wo Ferdinand Glaser war, da war eigentlich immer auch ein Ball. Schon in ganz jungen Jahren ist sein sportliches Talent nicht zu übersehen. Dabei fährt er lange zweigleisig: Tischtennis und Fußball. An der Platte wird er mit der Mannschaft bayerischer Jugend-Vizemeister. Mit dem Tischtennis macht er aber Schluss, als er 1971 von seinem Heimatverein ASV Fronberg zum Fußball-Landesligisten FC Amberg wechselt. Durch eine Verletzung gehandicapt, will seine Karriere auf dem Rasen zunächst aber nicht richtig zünden. Glaser kehrt in seine Heimatstadt zurück und spielt mehrere Jahre für den FC Schwandorf. Er ist ein klassischer Spielmacher: glänzende Technik, tolles Spielverständnis und ein Schuss, über den heute noch ehrfürchtig gesprochen wird. Zwar gibt es immer wieder Angebote von den Amateuren des 1. FC Nürnberg, doch Glaser zögert. 1980 wechselt er dann doch zu seinem Traumverein. Den großen Schritt zum Club hätte er früher riskieren soll, bedauerte er später.

Ein Jahr später wird er allerdings schon zu den Profis hochgezogen. Der Club startet schlecht in die Saison. Glaser bekommt nun seine Chance. Mit ihm gelingt der erste Saisonsieg über Arminia Bielefeld. Und beim nächsten Spiel ist der Oberpfälzer wieder in der Startelf: Vor 64 000 Zuschauern im Münchner Olympiastadion gegen den FC Bayern. Er spielt gegen Paul Breitner und macht sich gegen den Weltmeister prächtig. Die Partie endet 1:1. Und doch werden es nur noch zwei weitere Bundesliga-Spiele für ihn. Nürnberg muss seinen Kader verschlanken und schiebt Glaser ab.

Der schlägt danach eine Offerte des amerikanischen Hallensoccerteams Memphis America aus, weil er nahe der Heimat bleiben will und wechselt zur SpVgg Fürth in die 2. Bundesliga. Beim FC Amberg lässt er die Karriere später ausklingen, danach arbeitet er als Trainer erfolgreich für mehrere Vereine in der Region Schwandorf. Viele Jahre schreibt er zudem satirische Kolumnen für die Mittelbayerische Zeitung. Sein großes Fußballwissen kann er nun nicht mehr weitergeben. Zwar war er seit eineinhalb Jahren gesundheitlich angeschlagen, sein Tod kam dennoch völlig unerwartet. Der Oberpfälzer Fußball hat einen seiner ganz Großen verloren. (ra/js)

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