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SSV Jahn

Ziereis sorgt für Tore – und Stimmung

Nach Wanderjahren ist der Stürmer wieder in seine Heimat zurückgehrt. Nun ist er der Top-Scorer des SSV Jahn Regensburg.
Von Jürgen Scharf, MZ

Markus Ziereis (rechts) hat mal wieder getroffen – und teilt seine Freude mit Teamkollege Uwe Hesse.
Markus Ziereis (rechts) hat mal wieder getroffen – und teilt seine Freude mit Teamkollege Uwe Hesse. Foto: Nickl

Regensburg.Im Fußball geht es manchmal ganz schnell. Markus Ziereis weiß das. Es gibt Spiele, da will ihm zunächst einfach nichts gelingen. Da verdribbelt er den Ball, schießt am Tor vorbei und schreit seinen Frust hinaus – nur, um sich ein paar Momente später, bei der nächsten Chance, in einen eiskalten Vollstrecker zu verwandeln. 19 Tore hat der Top-Stürmer des SSV Jahn Regensburg in dieser Saison bereits geschossen. Auf dem Weg zum großen Ziel, dem Aufstieg in die 3. Liga, sollen noch ein paar dazukommen.

16. Juli 2015. Der SSV Jahn muss in seinem ersten Pflichtspiel in der neuen Regensburger Fußball-Arena gegen Viktoria Aschaffenburg ran. Fast 8000 Zuschauer sind da. Der Druck ist riesig. In der ersten halben Stunde klappt beim Jahn wenig. Aschaffenburg geht in Führung, vom mit viel Vorschusslorbeeren geholten neuen Jahn-Stürmer Markus Ziereis ist kaum was zu sehen. Bis zur 30. Minute. Da kommt er im Strafraum an den Ball und haut das Ding trocken zum Ausgleich rein. Der Jahn ist wieder voll in der Partie und gewinnt am Ende mit 3:2.

Wenn ein Stürmer seine erste Chance in einem Spiel verwandelt, fällt auch alles andere leicht. Die große Kunst ist es aber, nach Fehlschüssen weiter an sich zu glauben. Da ist es gut, wenn man sich auf seinen Instinkt verlassen kann. Der Abschluss, das Toreschießen, das liege ihm eben, sagt Ziereis, wenn man ihn nach seinen Stärken als Fußballer fragt. Dazu gehört auch, Situationen zu erkennen, vorauszuahnen, wann und wo sich eine Chance auftun könnte. „Ich glaube, da habe ich eine ordentlich gute Nase“, meint er. Im Gegenzug geht er hart mit seinen Schwächen ins Gericht. Schneller müsse er auf jeden Fall noch werden. Daran arbeite er. Genauso wie an seinem Kopfballspiel.

„Du musst überall zurechtkommen“

Mit dem Fußballspielen angefangen hat der heute 23 Jahre alte Ziereis bei der SpVgg Neukirchen-Balbini im Landkreis Schwandorf. Und da führte auch kein Weg daran vorbei. „Alle, der Vater, und schon der Opa“, erzählt Ziereis, waren bei der SpVgg aktiv. Sein Bruder spiele heute noch.

Im vergangenen Sommer wechselte Ziereis zum SSV Jahn. Dass er nun wieder näher an der Heimat und seiner Familie lebt, gefällt ihm. Im Fußball, das betont er, bringe das alleine aber nichts. „Da musst du alles ausblenden und schauen, dass du zurechtkommst, egal in welcher Stadt du wohnst.“

„Ich glaube, da habe ich eine ordentlich gute Nase“

Markus Ziereis über seinen Torriecher

Ziereis weiß, wovon er redet. Für sein junges Alter ist er viel herumgekommen. Als 13-Jähriger wechselte er in die Jugend des SSV Jahn, zwei Jahre später zum TSV 1860 München. Dort machte er auch sein Abitur. „Die Doppelbelastung war knackig“, erinnert er sich. Mit der Hochschulreife in der Tasche gab es nur noch ein Ziel: Fußball-Profi werden. Beim TSV 1860 gehörte er zwar zum Zweitligakader, kam aber kaum zu Einsätzen. Meist spielte er in der U23 in der Regionalliga.

Ziereis wechselte zum FSV Frankfurt und schoss dort sein bislang einziges Tor in der 2. Liga. „Das war schon etwas ganz Besonderes“, erinnert er sich. Stammspieler wurde er aber auch hier nicht, genauso wenig wie danach in Darmstadt und Chemnitz. Ziereis machte einen Schritt zurück, ging in die Regionalliga, um endlich regelmäßig auf dem Platz zu stehen.

Das hat geklappt. Beim Jahn ist er aus der Startelf nicht wegzudenken. Das Vertrauen zahlt er mit Toren zurück – und als Stimmungsmacher. „Markus ist für uns auch menschlich extrem wichtig, da er immer einen Witz parat hat und für lockere Stimmung sorgt“, lobt Mannschaftskapitän Markus Palionis. Insbesondere die Grimassen, die der Stürmer wie auf Knopfdruck anknipsen kann, sind berüchtigt. Da er wieder regelmäßig Fußball spielen und Tore schießen darf, ist Ziereis gut drauf – und von dieser Laune will er etwas abgeben.

Das mit Ziereis und Regensburg scheint gut zu passen. Hier hat er auch seine Freundin kennengelernt. Die ist übrigens Fernsehreporterin und berichtet über die Spiele des SSV Jahn. Er fühle sich dabei fair behandelt, sagt Ziereis: „Wenn ich schlecht bin, sagt sie es, und wenn ich gut bin, sagt sie es auch, das ist genau richtig so.“ Er finde es ohnehin gut, dass seine Freundin Einblick in seinen Beruf habe: „Das ist doch was Schönes, wenn du zuhause über eine Sache, die beide beschäftigt, reden kannst“. Umso mehr, da er keiner sei, der neben dem Fußball extravagante Hobbys habe. Wenn seine Freundin zum Joggen geht, setzt er sich aufs Fahrrad und begleitet sie ein wenig. Das reiche ihm zur Entspannung vollkommen.

Mit Kevin Volland dick befreundet

Einer seiner besten Freunde ist Nationalspieler Kevin Volland. Mit ihm spielte er einst beim TSV 1860. Damals wohnten sie sogar zusammen. Fast täglich haben sie noch Kontakt. Heute ist Volland Bundesligaprofi in Hoffenheim, Ziereis kickt drei Spielklassen darunter in der Regionalliga. Diese Kluft sei in ihrer Freundschaft aber überhaupt kein Problem, er neide niemandem den Erfolg, sagt Ziereis, und wirkt dabei so mit sich im Reinen, das man ihm diese Haltung abnimmt. Es könne nicht jeder eine Traumkarriere im Fußball machen, das müsse man akzeptieren, erklärt der Jahn-Stürmer. Schließlich gehöre neben Arbeit und Talent auch das Glück, im richtigen Moment am richtigen Ort zu sein, dazu. Das könne man nicht erzwingen. „Ich versuche einfach, meinen eigenen Weg zu gehen“, sagt Ziereis. Aller Voraussicht nach wird dieser – egal in welcher Liga – mit Toren gepflastert sein.

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