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Challenge: Tolle Stimmung, maue Zahlen

Viele Teilnehmer des Challenge Regensburg schwärmen. Eine erste Bilanz zeigt: Den Veranstaltern brachte er ein dickes Minus.
Von Julia Ried, MZ

Großer Jubel von allen Seiten: Challenge-Siegerin Julia Viellehner läuft ins Ziel.
Großer Jubel von allen Seiten: Challenge-Siegerin Julia Viellehner läuft ins Ziel. Foto: altrofoto.de

Regensburg.Aus der Triathlon-Szene gab es für den ersten Challenge Regensburg Mitte August viel Lob. Das Fachmagazin „Triathlon“ lässt auf seinem Internetauftritt Athleten zu Wort kommen. Dort schwärmen die Sportler etwa von der „tollen Stimmung“ in der letzten Kurve vor dem Ziel in der „pulsierenden Altstadt“ und den „vielen Stimmungsnestern auf der Strecke“ des Ultra-Triathlons, in dessen Verlauf sie 3,8 Kilometer schwimmen, 180 Kilometer Rad fahren und 42 Kilometer laufen mussten.

Andere Zahlen sind deutlich weniger begeisternd. Ein Minus „in Richtung sechsstellig“ brachte der Challenge der Purendure GmbH von Sonja und Thomas Tajsich ein, wie sie uns auf Anfrage mitteilten. Das zeigt ihre erste Bilanz. Ein Grund dafür: die Teilnehmerzahl. Sie blieb mit 1030 unter dem Wunschwert von 1500 Startern.

Mit Teilnehmerzahl „zufrieden“

Euphorie bricht angesichts der Zahlen bei den Veranstaltern nicht aus. „Aufgrund der längeren Triathlon-Pause und der nicht immer glücklichen Vorgeschichte in Sachen Triathlon-Langdistanz sind wir mit der Teilnehmerzahl des diesjährigen Rennens zufrieden“, erklärte Thomas Tajsich. Die Vorgänger-Veranstaltung Ironman hatte in Regensburg verbrannte Erde hinterlassen, unter anderem, weil die Macher wenig sensibel auf die Wünsche der mit Einschränkungen konfrontierten Bevölkerung reagiert hatten. Purendure bemühte sich jetzt sehr um eine gute Zusammenarbeit mit den Betroffenen, etwa den Bauern. Mit roten Zahlen in dieser Höhe hatte Tajsich im Vorfeld gerechnet. „Ohne bereit zu sein, erst einmal einen sechsstelligen Verlust hinzunehmen, würde es das Event nicht geben“, hatte er im Januar im Gespräch mit unserer Zeitung gesagt.

Ein Video vom ersten Challenge Regensburg sehen Sie hier.

Eindrücke vom ersten Challenge Regensburg zeigt dieses Video

Die 670 Einzelstarter und 120 Staffeln, die auf der Langdistanz starteten, mussten ein Startgeld von je bis zu 530 Euro beziehungsweise 630 Euro zahlen, je nach Zeitpunkt der Anmeldung. Circa 1,1 Millionen Euro waren im Vorfeld für die Veranstaltung veranschlagt. Einen Großteil der Kosten sollten Sponsoren tragen. Von der Stadt kamen 75 000 Euro als „Anschubfinanzierung“. Dazu übernahm sie Sachleistungen im Wert von 200 000 Euro. Hinter dieser Summe stünden Posten wie Platzmiete, Mülltonnen und -entsorgung, Straßenreinigung, Strominstallationen und Wasserversorgung, teilte Stadtsprecherin Juliane von Roenne-Styra mit.

So bekam das Sportereignis deutlich mehr Unterstützung aus öffentlicher Hand als andere, lokale Rennen. 3500 Euro Zuschuss erhielt etwa der Triathlon des Regensburger Vereins Tristar, der ein Wochenende vor dem Challenge stattfand.

Sonja und Thomas Tajsich veranstalten den Challenge Regensburg
Sonja und Thomas Tajsich veranstalten den Challenge Regensburg Foto: MZ-Archiv

Tajsich und auch sein „Challenge-Nachbar“ Felix Walchshöfer, der seit 2002 den Challenge Roth veranstaltet, verweisen vor diesem Hintergrund darauf, dass eine internationale Veranstaltung wie der Challenge zum einen deutlich teurer sei, zum anderen auch andere Ziele verfolge. „Es geht vielmehr auch um die mediale Reichweite, die Zuschauer an der Strecke und online, positive Effekte für die Region im Vorfeld und auch im Nachgang des Wettkampfes“, teilte Tajsich mit. Walchshöfer betont: Die Teilnehmer aus der ganzen Welt, die vielen Spitzensportler, hätten höhere Erwartungen als die Teilnehmer eines lokalen Rennens – von Duschzelten bis zu Preisgeldern. Auch für die TV-Präsenz zahlen Challenge-Veranstalter. „In Roth kostet es uns weit in den sechsstelligen Bereich, die Fernsehsender zu beliefern“, erzählt Walchshöfer. Er bezahlt die Produktion von Beiträgen, die er dann zur Verfügung stellt. Notwendig sei Engagement dieser Art auch, um der Ausrichter-Region etwas zurückzugeben, ihr auch international Präsenz zu verschaffen.

Roth: Im dritten Jahr rentabel

Mit dem ersten Challenge Roth im Jahr 2002 habe er eine hohe sechsstellige Summe Minus gemacht, rentabel sei erst das dritte Jahr gewesen. 2016 nahmen 3400 Einzelstarter und 650 Staffeln teil. Mit Blick auf Regensburg sagt er: „Es ist nicht einfach, schnell auf große Starterzahlen zu kommen. Dazu ist der Markt zu gesättigt.“ Purendure könne es aber schaffen, die Zahlen schneller zu steigern, als ihm das gelang. „Regensburg hat von Grund auf den Vorteil: Es ist eine wunderschöne Stadt, in der viel geboten wird.“ Das ziehe Sportler und Angehörige an. Das Ehepaar Tajsich setzt sich bescheidenere Ziele. „Mittelfristig peilen wir Starterzahlen von 1000 bis 1500 an. Langfristig sind 2000 Starter unser Ziel.“

Aus Sicht der Stadtspitze war die Förderung des Challenge eine lohnende Investition. Oberbürgermeister Joachim Wolbergs ließ mitteilen: „Der erste Challenge war in meinen Augen ein voller Erfolg. Die Stimmung war toll, die Organisation gelungen, viele Ehrenamtliche mit Elan im Einsatz und Menschen aus allen Teilen der Welt waren bei uns zu Gast. Und zwar in einer Zeit, in der sich der Einzelhandel, die Gastronomie und Hotellerie über Veranstaltungen in dieser Größenordnung freuen.“ Er sei besonders froh, dass die Region zum nächsten Challenge auch Gastgeber der Europameisterschaft im Langdistanz-Triathlon ist. „Das wird ein weiterer wichtiger Schritt in Richtung Sportstadt Regensburg – auch für den internationalen Spitzensport!“

Challenge

  • Die Marke:

    Unter dem Namen „Challenge“ finden weltweit Langdistanz-Triathlon-Rennen statt. Im Moment gibt es nach Angaben der „Challenge Family“ auf ihrer Homepage 44 Veranstaltungen mit der vollen beziehungsweise halben Strecke in 21 Ländern.

  • Challenge Roth:

    In Deutschland bekannt ist der Ultra-Triathlon Challenge Roth. 2016 traten circa 3400 Einzelstarter und 650 Staffeln aus 72 Nationen über die klassische Langdistanz an. Nach Angaben der Polizei kamen 260 000 Zuschauer.

  • Challenge Regensburg:

    Die Macher des Challenge Regensburg möchten die Triathlon-Langdistanz hier etablieren, nachdem sich der Wettbewerber Ironman nach 2012 aus Regensburg zurückzog. 2016 sahen bis zu 25 000 Menschen Sportlern aus 32 Nationen zu.

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