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Leichtathletik

„Aktiv mitarbeiten und mitgestalten“

Zum 1. Januar tritt Jochen Schweitzer das Amt als Vizepräsident des Süddeutschen Leichtathletikverbandes an.
Von Andreas Allacher

Jochen Schweitzer (re.) mit Kurt Ring, einem seiner Lehrmeister.

SCHWANDORF. Bisweilen verbindet man den Begriff des Sportfunktionärs in Spitzenpositionen mit dem Bild älterer ergrauter Herrschaften auf der Tribüne, deren aktive Zeit schon Jahrzehnte zurückliegt. So gar nicht in dieses Bild will Jochen Schweitzer passen, der zum Jahreswechsel das Amt des Vizepräsidenten des Süddeutschen Leichtathletikverbandes antritt, in das er vor einigen Wochen in Rothenburg gewählt wurde. Der gebürtige Schwandorfer ist gerade einmal 29 Jahre alt, damit mit Abstand der Jüngste im Präsidium, und voller Tatendrang: „Ich will aktiv mitarbeiten und mitgestalten!“

Das Talent zum Sportfunktionär wurde dem derzeit in Erding tätigen Realschullehrer für Deutsch und evangelische Religionslehre sozusagen in die Wiege gelegt. Sein Vater Hartmut Schweitzer war über viele Jahre Motor der Leichtathletik in Schwandorf, zudem von 1985 bis 1994 Präsident des Bayerischen Leichtathletikverbandes und von 1986 bis 1990 Süddeutscher Vizepräsident. Aber einen Druck aus dem Elternhaus in Richtung Funktionärskarriere habe es nie gegeben, sagt Jochen Schweitzer: „Es war stets meine eigene Entscheidung!“

In seiner sportlichen Karriere sammelte der Sprinter Jochen Schweitzer in den Jahren 1999 bis 2003 zahlreiche große Erfolge, vor allem in der Staffel. Platz 3 bei der Deutschen Meisterschaft 2001 in Braunschweig, Bayerische Meistertitel bei der Jugend und bei den Junioren, mehrfacher Bayern-Cup-Sieger. Im Jahr 2000 war Jochen Schweitzer einer von vier deutschen Jungs, die sich für das Internationale Jugendlager des IOC während der Olympischen Spiele in Sydney qualifizieren konnten. Vier Jahre später war er beim olympischen Jugendlager in Athen als Teamleiter dabei. Dazwischen übernahm Jochen Schweitzer 2002 als Wettkampfwart im Bezirk Oberpfalz erste Aufgaben im Bayerischen Leichtathletikverband und war dabei auch in den Landesausschuss Wettkampfwesen eingebunden, dazu als oberpfälzischer Jugendsprecher im Jugendausschuss auf Landesebene tätig. „Irgendwann musst man sich entscheiden“, sagt der Schwandorfer, zwischen Aktiven- und Funktionärslaufbahn – eine Entscheidung, die ihm im Alter von um die 21 Jahre auch durch Verletzungen erleichtert wurde.

Zu dieser Zeit, in der in Schwandorf Leichtathletik praktisch nicht mehr existierte, übernahm er bei der Deutschen Crossmeisterschaft 2001 erste organisatorische Aufgaben bei seinem Verein, der damals noch LG Domspitzmilch Regensburg hieß. „Mit kleinen Aufgaben bin ich da reingewachsen“, erzählt Jochen Schweitzer. Gegangen sei er durch die „harte Schule“ seines Vaters und von Kurt Ring, dem Macher der Leichtathletik in Regensburg und dem Meeting-Direktor der Sparkassen-Gala, die auch 2011 wieder über 1000 Leichtathleten aus 25 Nationen angelockt hat. Auch für die Gala trägt Jochen Schweitzer Mitverantwortung, wurde er doch 2006 bei der LG zum Vorstand für Marketing und Organisation gewählt wurde – eine Arbeit, die ihm „richtig Spaß macht“, weil sie ehrenamtlich, aber doch hoch professionell gemacht wird. Bei der Gala konnten sich auch Verantwortliche des Internationalen und Deutschen Leichtathletikverbandes von der Qualität seiner Arbeit überzeugen, was ihm auch immer wieder Einladungen verschiedenster Veranstaltungschefs einbrachte, die er nutzte, um in allen Bereichen dazuzulernen.

„Der Verein ist eine Herzensangelegenheit und kommt immer an erster Stelle“, unterstreicht er mehrfach im MZ-Gespräch eines seiner Prinzipien. Und auch, dass er während seines Studiums auf Landesebene keine Funktion angestrebt hat. Der Schritt zum Bayerischen Leichtathletikverband (BLV) folgte 2010, als Jochen Schweitzer zum Stellvertretenden Vizepräsidenten Leistungssport gewählt wurde. Und der BLV schlug ihn auch für das Süddeutschen Präsidium vor – eigentlich als Wettkampfkoordinator, doch geworden ist es sogar das Vizepräsidentenamt. „Die Landesfürsten kennen mich, teilweise von klein auf. Sie wussten schon, wen sie sich da ins Präsidium holen.“ Als Vizepräsident hat er zwar in erster Linie repräsentative Aufgaben: Dazu will er sich mit voller Kraft einbringen, aktiv mitarbeiten und mitgestalten. „Es ist nicht nur toll, dieses Amt innezuhaben; ich will auch etwas bewegen.“

Obwohl die Leichtathletik wie viele andere traditionelle Sportarten das Problem hat, sich gegenüber dem Funsport behaupten zu müssen, gerade durch neue Schulformen wie das „G8“ immer wieder Jugendliche verliert und sich auch ehemalige Athleten kaum im organisatorischen Bereich einbringen, sieht Jochen Schweitzer optimistisch in die Zukunft.

Ein sehr positives Beispiel ist für ihn dabei das Wiederaufleben der Leichtathletik in der Großen Kreisstadt durch die LAG/TSV 1880 Schwandorf: „Hier geht wieder was!“, sagt er anerkennend. Wieder Leben ins Sepp-Simon-Stadion bringt auch er zusammen mit seinem Vater mit dem Ostbayerischen Sparkassen-Leichtathletikfest, das bereits achtmal am Pfingstmontag Spitzenathleten nach Schwandorf gelockt hat. Im Jahr 2012 müssen die Organisatoren erstmals eine Pause einlegen: Zu groß ist der Termindruck der Sportler im Vorfeld der Olympischen Spiele in London.

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