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Radsport

Für Nittenauer Radler wird Traum wahr

Die beiden Nittenauer, Thomas Meierhofer und Manfred Pöllinger, meistern den Ötzaler Radmarathon unter zehn Stunden.

Beim Ötztaler Radmarathon waren vier Pässe zu bewältigen. Foto: Pöllinger
Beim Ötztaler Radmarathon waren vier Pässe zu bewältigen. Foto: Pöllinger

Nittenau.Thomas Meierhofer und Manfred Pöllinger von der Radsportabteilung des TSV Nittenau haben den Ötztaler Radmarathon gemeistert. Mit 9:22 und 9:40 Stunden blieben beide unter der 10-Stunden-Grenze und somit im ersten Drittel der Finisher. Zum 39. Mal wurde Anfang September der Ötztaler Radmarathon ausgetragen. Mit seinen 228 Kilometern und 5500 Höhenmetern zählt er zu den großen Herausforderungen, die der Radsport für Amateure zu bieten hat. Diesem Gradmesser stellten sich die beiden Nittenauer Radsportler nach einem langen und harten Trainingsjahr, in der Hoffnung, das Ganze ohne Probleme durchzustehen.

Bei Sonnenaufgang gestartet

Insgesamt waren 228 Kilometer und 5500 Höhenmeter beim Ötztaler Radmarathon zu absolvieren. Foto: Pöllinger
Insgesamt waren 228 Kilometer und 5500 Höhenmeter beim Ötztaler Radmarathon zu absolvieren. Foto: Pöllinger

So standen Meierhofer und Pöllinger um 6 Uhr mit 4500 Radsportlern am Start. Nach dem Sonnenaufgang startete das Rennen um 6.45 Uhr, und der Tross setzte sich erst langsam in Bewegung. Doch bereits nach wenigen Minuten steigerte sich das Tempo auf Rennniveau. Mit einer Durchschnittsgeschwindigkeit von 50 Stundenkilometern ging es von Sölden aus das Ötztal hinunter bis nach Ötz. Anschließend stand die Auffahrt zum Kühtai bevor. Bereits hier galt: Essen, Trinken und Kräfte einteilen.

Nach der teils steilen Auffahrt ging es nach der Verpflegungsstelle in die nächste adrenalintreibende Abfahrt in Richtung Innsbruck. Die Schnellsten wurden hier mit 114 Stundenkilometern gemessen, auch die Nittenauer kratzten an der 100er-Marke. Nach einer rasanten Fahrt durch die Tiroler Hauptstadt stand schon Berg Nummer zwei an. Die Auffahrt auf der Brenner Landstraße hat den geringsten Höhenunterschied und lockte deshalb zum Überdrehen. Obwohl die beiden Nittenauer ihre Emotionen in Griff hatten, erschwerte diese Auffahrt Meierhofer den Rest des Rennens. Bei der Abfahrt hatte er an einem der Weidegitter in der Straße bei hohem Tempo eine Trinkflasche verloren und die Zweite riss ein. Deshalb konnte er sich nicht ausreichend Flüssigkeit zuführen und musste an der zweiten Verpflegungsstation um Ersatz bitten.

Der Ötzaler

  • Zeitmessung:

    Der Ötztaler wird als Rennen mit Zeitmessung durchgeführt, bei dem der Großteil der Straßen für den Verkehr gesperrt ist.

  • Strapazen:

    Nicht nur die Auffahrten auf die vier Pässe, Kühtai, Brenner, Jaufenpass und das Timmelsjoch, werden zur großen Strapaze, auch die Abfahrten werden mit hohen Geschwindigkeiten teils in großen Gruppen gefahren, was zu einem zusätzlichen Stressfaktor führt.

Nach der verhältnismäßig kurzen Abfahrt nach Sterzing stand nach kurzer Strecke die 16 Kilometer lange und durchgehend sieben bis acht Prozent steile Auffahrt zum Jaufenpass an. Dass es bereits der dritte Pass war, konnte man sehen: Die meisten Teilnehmer starrten auf die Straße vor sich und auf ihre Pulsanzeige, um diesen bei dieser Belastung unter Kontrolle zu halten.

Nachdem die Speicher an der Labestatation, wie die Österreicher ihre Verpflegungen bezeichnen, wieder gefüllt waren, ging es über die Passhöhe in die wohl schwierigste Abfahrt. Auf einer kurvenreichen Straße mit teils schlechten Straßenverhältnissen ging es hinab in das Passeiertal nach Sankt Leonhard.

Freizeit

Echte Kerle fahren Moped

Fünf Männer aus dem Bereich Schwandorf meistern ein verrücktes Rennen in den Ötztaler Alpen: 209 Kilometer, 6500 Höhenmeter.

Viele sagen, ab hier beginnt der Ötztaler erst. Nachdem bereits 175 Kilometer und knapp 4000 Höhenmeter zurückgelegt wurden, ging es in die 29 Kilometer und 1750 Höhenmeter lange Auffahrt zum Timmelsjoch. Da beide Radsportler für eine eigene Bestzeit kämpften, mussten sie diese körperliche und mentale Herausforderung alleine meistern. Bei Meierhofer war das Problem eher körperlich, denn nun kamen die Folgen des zwischenzeitlichen Flüssigkeitsmangels. Pöllinger war zwar einige Minuten langsamer unterwegs, konnte seine konstante Fahrt an der Leistungsgrenze jedoch auch auf diesem Streckenabschnitt fortsetzen.

Der Berg ist nur mit absolutem Willen zu bezwingen

Beide waren sich jedoch im Nachgang einig: Es ist nur mit absoluten Willen, das Timmelsjoch erreichen zu wollen, der Berg zu bezwingen, denn jeder Fahrer leidet hier. Es ist kaum in Worte zu fassen, was auf den circa 2,5 Stunden, die beide für die Auffahrt brauchten, in ihren Köpfen vorging. Mit besagtem Willen schaffte es Meierhofer trotz muskulärer Probleme nach 8:45 Stunden über das Joch zurück nach Österreich. Pöllinger konnte Muskelkrämpfe vermeiden und fuhr 20 Minuten später durch den Tunnel kurz vor dem Timmelsjoch und überquerte den höchsten Punkt der Tour noch vor 16 Uhr. Damit stand auch für ihn fest, dass das zweite Ziel neben dem Durchkommen, die 10-Stunden-Marke, zu schaffen war.

Für Thomas Meierhofer und Manfred Pöllinger ging mit dem Erreichen des Ziels ein Traum in Erfüllung.
               Foto: Pöllinger
Für Thomas Meierhofer und Manfred Pöllinger ging mit dem Erreichen des Ziels ein Traum in Erfüllung. Foto: Pöllinger

Nach einer weiteren rasanten Abfahrt kam nochmals ein kurzer Anstieg zur Mautstation. Dieser verlangte den beiden nochmals alles ab. Danach ging es in flotter Fahrt dem lang ersehnten Ziel in Sölden entgegen. Pöllinger berichtete von starken Emotionen bereits ab dem Ortsschild Sölden. Diese wurden noch stärker, als in Ziel-Nähe immer mehr Zuschauer an der Strecke standen, steigerten sich nochmals bei der Durchfahrt unter dem Zielbogen und gipfelten darin, als man im Ziel in die Arme der Ehefrau fiel und den Trainingspartner voller Stolz abklatschte.

Es endet eine Reise, die bereits am Jahresanfang mit der Bewerbung auf einen Startplatz begonnen hat. Wie 18 000 andere hatte das Nittenauer Miniteam keinen Startplatz erhalten. Ende März erhielt man eine zweite Chance über die Hotelbuchung und von da galt das Motto des Ötztalers: „Ich habe einen Traum!“

Viele Stunden im Sattel

Dazwischen lagen noch viele Stunden im Sattel, oft mit Spaß aber manchmal auch aus Pflichtbewusstsein und Angst vor dem Bevorstehenden. Zur Vorbereitung wurden drei Radmarathons in der Region quasi nebenbei gefahren. Das Material wurde nach und nach optimiert, Ernährungsstrategien erarbeitet und Tipps von erfahren Ötztalfahrern eingeholt, um sich den Traum zu erfüllen.

An welch seidenem Faden dieser Traum hängt, zeigte auch der Ötztaler 2019. Nachdem die beiden Nittenauer bei nahezu idealem Wetter das Ziel erreicht hatten, zog eine Stunde später eine Schlechtwetterfront über das Timmelsjoch. Dies ließ die Temperaturen für die langsameren Fahrer am Joch auf fünf Grad fallen und brachte starken Regen. So schnell kann aus dem Traum ein Alptraum werden. Für die Mitglieder der Radsportabteilung erfüllte sich jedoch der Traum, und so konnten sie das begehrte Finishertrikot abholen und mit vielen positiven Eindrücken die Heimreise antreten.

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