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Wassersport

Hinkofer ist auf dem Wasser zu Hause

Seit 40 Jahren steht der Amberger auf dem Surfbrett. Genug hat der amtierende deutsche Meister aber noch lange nicht.
Von Alex Huber

Seine Leidenschaft für das Windsurfen hat Bernd Hinkofer bis heute jung gehalten. Foto: privat
Seine Leidenschaft für das Windsurfen hat Bernd Hinkofer bis heute jung gehalten. Foto: privat

Steinberg am See.Auf dem Wasser war Bernd Hinkofer schon immer gern. Egal ob in Spanien, Südfrankreich, auf dem Gardasee oder in Silvaplana. Seit 1978 surft der braun gebrannte Amberger auf sämtlichen Seen und Meeren Europas. Auch mit 63 Jahren ist er noch gut in Form. Der Sport hat ihn jung gehalten. Doch trotz 40 Jahren Erfahrung steht der amtierende Deutsche Windsurfmeister der Altersklasse 55 vor einer ganz neuen Herausforderung.

Sportliches Denken und ein bisschen Gleichgewichtsgefühl – mehr brauche es für das Surfen eigentlich nicht. „Früher hat man gesagt, wer einigermaßen gut Skifahren kann, der tut sich auch beim Surfen leichter. Und das stimmt auch in gewisser Hinsicht“, sagt Hinkofer. Eines aber sei besonders wichtig: ein gewisses Maß an Ehrgeiz. Schließlich dürfe man sich nicht entmutigen lassen, wenn man bei den ersten zehn Versuchen ins Wasser fällt. „Da muss man dranbleiben“, erklärt die selbst ernannte Graue Eminenz des Steinberger Surfclubs. Ein Hexenwerk sei das Surfen zwar nicht, doch etwas Zeit brauche es schon.

Die Graue Eminenz des Surfclubs

Seine Anfänge machte Hinkofer während seiner Ausbildung in Nürnberg. Während einer Schulung in Bayreuth fuhr der heute 63-Jährige an den Weißenstädter See und versuchte sich dort erstmals auf einem Surfbrett. Auf seinen Werdegang und seine bisherige Karriere blickt Hinkofer, der sich mittlerweile als „Graue Eminenz“ der Steinberger Surfclubs bezeichnet, stolz zurück: „Ich habe die ganze Brettentwicklung mitgemacht.“ Wenig später machte sich Hinkofer selbstständig und übernahm eine Drogerie in Hirschau.

Bernd Hinkofer steht seit 1978 auf dem Surfbrett. Foto: privat
Bernd Hinkofer steht seit 1978 auf dem Surfbrett. Foto: privat

Heute ist das Vergangenheit, erklärt der Amberger. Denn: Vor rund zehn Jahren fällte er die Entscheidung: „Die Regatten gehen meist von Donnerstag bis Freitag. Das kannst du dir, wenn du noch zu Hundert Prozent im Arbeitsleben stehst, zeitlich nicht leisten.“ Bei Hinkofer habe es dann irgendwann aber geklappt. Der Amberger wollte es wissen und blieb dran. „Wenn ich früher im Urlaub mal eine Regatta mitgefahren bin, war es immer mein Ziel, nicht Letzter zu werden. Danach wollte ich einfach sehen, wo ich mich national einordnen kann.“

„Damals, als ich letztendlich in die Szene eingestiegen bin, war ich schon zu alt für Waveriding und Freestyle.“

Bernd Hinkofer

Hinkofer fokussiert sich auf die Disziplinen Slalom und Racing. Waveriding und Freestyle überlässt der 63-Jährige lieber den jüngeren Surfern. „Damals, als ich letztendlich in die Szene eingestiegen bin, war ich im Grunde schon zu alt für Waveriding und Freestyle“, erklärt Hinkofer. Nichtsdestotrotz haben seine Disziplinen für ihn aber einen ganz besonderen Reiz. „Gerade wenn die Temperaturen so hoch sind wie jetzt, macht es Spaß auf dem Brett mit dem Segel und dem Gleichgewicht zu spielen.“ Bei zehn bis zwölf Knoten, also vier Windstärken, komme man erst so richtig auf dem Wasser ins Gleiten. „Da kommt die richtige Faszination.“

Hinkofers Frau reist hinterher

Genau diese Faszination wollte Hinkofer auch mit seiner Frau teilen. Diese versuchte sich bereits früh selbst auf dem Board. „Als wir uns kennengelernt haben, hat sie es auch mal versucht. Allerdings hat sie sich dann ein paar mal böse verletzt“, erzählt Hinkofer. Die Unterstützung für seine große Leidenschaft erhält er von seiner Frau aber dennoch. Wenn am Wochenende Regatten anstehen, macht sich der Amberger in der Regel schon am Sonntagabend zuvor auf den Weg zum Wettkampfort. „Dadurch habe ich noch Zeit zum Trainieren. Wenn man da später ankommt und man ist übermüdet, dann bringt das ja nichts.“

Wir haben sieben Fakten zum Windsurfen gesammelt. Sie finden sie am Ende des Artikels.

Durch Hinkofers Ambitionen kommt es aber auch vor, dass der 63-Jährige mehrere Wochen am Stück unterwegs ist. „Meine Frau kommt dann meistens nach einer Woche oder nach 14 Tagen mit dem Flugzeug oder dem Zug nach.“ Und dann verbindet Hinkofer das Surfen mit Urlaub, denn der Wind bleibe ja auch oftmals aus, erklärt er. „Dann unternehmen wir etwas zusammen und fahren beispielsweise viel mit dem Fahrrad herum.“ Die nächsten drei Wochen ist Hinkofer noch im Land. Danach schaltet der Amberger wieder in den Wettkampfmodus um. An ein relaxtes Leben während seinen Wochenenden am Steinberger See ist für Hinkofer dennoch nicht zu denken.

Auch Bernd Hinkofer trainiert bereits mit den Foils. „Sonst kommst du da nicht mehr hinterher.“ Foto: privat
Auch Bernd Hinkofer trainiert bereits mit den Foils. „Sonst kommst du da nicht mehr hinterher.“ Foto: privat

Die Brettentwicklung schreitet schließlich weiter voran – und Hinkofer muss nachziehen. „Hydrofoils unter den Brettern sind der neueste Trend. Das Equipment ist dazu gemacht, dass man auch bei relativ wenig Wind mit kleineren Segeln fahren kann“, erklärt Hinkofer. Durch die Erzeugung von dynamischem Auftrieb schweben die Surfer mit den Hydrofoils quasi über das Wasser. „Das Ganze wird handlicher, man wird unheimlich schnell und was noch dazukommt: Es sieht spektakulär aus“, sagt Hinkofer.

Mit den XXL-Finnen können Surfer auch an Flautetagen über das Wasser gleiten. Foto: Thomas Frey/dpa
Mit den XXL-Finnen können Surfer auch an Flautetagen über das Wasser gleiten. Foto: Thomas Frey/dpa

Für ihn selbst heißt das vor allem eines: Üben. Denn der Konkurrenz will der ehrgeizige Amberger keinesfalls den Vortritt lassen – obwohl in den Fahrerlagern am Rande der Regatten immer ein stets freundschaftliches Verhältnis herrscht. „Ich bin da ja als Oberpfälzer immer ein bisschen ein Exot, wenn ich beispielsweise an die Ostsee komme. Da wird am Abend dann auch mal gefeiert. Aber auf dem Wasser heißt es immer noch: Jeder gegen jeden!“

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