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Ausdauersport

„Ich kann mit Schmerzen umgehen“

Ultraläuferin Holly Zimmermann plaudert beim Jahrestreffen der „Wall-of-Fame“-Mitglieder aus dem Nähkästchen.
Von Rainer Plank

  • Die auf der „Wall of Fame“ verewigten Sportler mit Andreas Allacher (2. v.l.), Bernd Riedl (2.v.r.) und Ehrengast Holly Zimmermann (r.) Fotos: Plank
  • MZ-Redakteur Andreas Allacher, Holly Zimmermann und Sparkassengebietsdirektor Bernd Riedl (von links)

Schwandorf.Von Schwandorf zum Großen Arber – mit dem Auto kein Problem. Mit dem Fahrrad sind die rund 100 Kilometer schon nicht mehr so leicht zu bewältigen, doch auch noch machbar. Die Strecke gar zu Fuß – genau genommen im Laufschritt – zurückzulegen, darauf kämen wohl nur wenige. Und eine dieser wenigen Sportlerinnen, die an dieser Distanz sicherlich nicht verzweifeln würde, ist die 46-jährige Ultraläuferin Holly Zimmermann aus Alteglofsheim (Landkreis Regensburg), die am Freitag beim Jahrestreffen der „Wall of Fame“-Mitglieder den ehemaligen Sportgrößen aus der Region einen Einblick in ihr sportliches Leben gewährte.

Sportler seien Vorbilder

Zuvor jedoch hatte Sparkassengebietsdirektor Bernd Riedl die schon in den vergangenen Jahren erfolgreichen und porträtierten Sportler aus der Region in der Schwandorfer Sparkasse, in der auch seit 2007 ihre Porträts an der „Wall of Fame“ zu sehen sind, begrüßt. Riedls Worten zufolge fühlt sich die Sparkasse der Region verpflichtet und versucht, das Zusammenleben in der Region zu fördern. Dies geschehe über den Breitensport, aber auch über Aktion wie der „Wall of Fame“, denn gerade diese 48 Sportler, die in den vergangenen Jahren ausgezeichnet wurden, hätten großen Gemeinschaftssinn bewiesen und seien daher auch Vorbilder für junge Menschen.

MZ-Redakteur Andreas Allacher, der im Rahmen des Gemeinschaftsprojektes „Wall of Fame“ die Mittelbayerische Zeitung vertrat, gab bekannt, dass im vergangenen Jahr kein neues Porträt hinzugekommen sei, obwohl mehrere Kandidaten zur Auswahl gestanden hätten. Im Jahr 2016 werde die „Wall of Fame“ aber bestimmt um das ein oder andere Porträt erweitert, denn würdige Sportler gebe es in der Region noch genügend, ergänzte er. Und anstatt auf das abgelaufene Jahr zurückzublicken, habe man zum ersten Mal fürs Jahrestreffen einen Ehrengast eingeladen, der auch etwas zu sagen hat, so Allacher weiter.

Und das hatte die schnelle Ultraläuferin zweifellos: Nicht nur, dass die Mutter von vier Kindern, die in der Nähe von Boston aufgewachsen und im Jahr 2000 über die Liebe zu ihrem Mann nach Alteglofsheim gekommen ist, den Regensburger Landkreislauf schon zweimal in der Frauenwertung gewonnen hat, Holly Zimmermann nahm unter anderem auch 2013 am Zugspitz-Extremberglauf teil und war zudem Zeugin bei dem Terroranschlag beim Boston-Marathon 2013.

„Ich bin damals 14 Minuten vor dem Anschlag ins Ziel gekommen und nur 200 Meter von den Explosionen entfernt gewesen. Das bleibt mir immer in Erinnerung, gerade weil es immer mein Traum war, einmal beim Boston-Marathon mit zu laufen“, sagte Holly Zimmermann.

„Danach hatte ich Schuldgefühle“, erklärte sie und versucht seitdem mit Laufprojekten Spendengelder zu sammeln, um so einigen Menschen über soziale Projekte etwas zurückgeben zu können. So will die 46-Jährige dieses Jahr auch die 100 Kilometer von Biel (Ultramarathon durch die Nacht) in Angriff nehmen.

Ihr größtes Projekt in diesem Jahr ist allerdings der Marathon des Sables (250 Kilometer in sechs Etappen durch die Wüste Sahara), auf den sie sich mit 15 Stunden Training pro Woche seit einiger Zeit akribisch vorbereitet. Sie möchte in der Wüste „so schnell wie möglich laufen, um nicht so lange der Sonne ausgesetzt zu sein“, verriet sie ihren Zuhörern.

„Alles nur Kopfsache“

Um einen Ultralauf zu bestehen, seien neben dem Training die Planung des Wettkampfes und der Wille das Wichtigste. Man müssen den Schmerz, der während eines so langen Laufes eigentlich immer auftrete, besiegen. „Das ist alles nur Kopfsache, denn ich weiß, dass der Schmerz nur vorübergehend ist. Und als Mutter, die vier Kinder geboren hat, weiß ich mit Schmerzen umzugehen“, ergänzte sie.

Bei all den Strapazen fragt man sich natürlich, warum man so etwas überhaupt macht. Auch darauf hat Holly Zimmermann eine plausible Antwort: Immer wenn sie ihren inneren Schweinehund besiegt habe – egal ob im Training oder Rennen – sei sie mit sich zufrieden.

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