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Kampf gegen den Schmerz in der Schulter

Schulterverletzungen können Betroffene in ihrer Bewegungsfreiheit einschränken. Ein Experte klärt die wichtigsten Fragen.
von Dr. Markus-Johannes Rueth

Die Schulter der ehemaligen deutschen Handball-Nationalspielerin Nadine Krause (rechts) hat stark gelitten. Foto: Sascha Klahn/dpa
Die Schulter der ehemaligen deutschen Handball-Nationalspielerin Nadine Krause (rechts) hat stark gelitten. Foto: Sascha Klahn/dpa

Warum macht die Schulter Probleme?

Die Schulter ist das beweglichste Gelenk am ganzen Körper. Es wird gebildet aus dem eher großen Kopf des Oberarmknochens und einer kleineren Pfanne, die am Schulterblattknochen sitzt. Durch dieses Missverhältnis können wir den Arm über und hinter den Kopf führen, so dass wir in der Arbeit und beim Sport einen riesigen Bewegungsumfang zur Verfügung haben. Auch die Nebengelenke wie das Schultereckgelenk und die Bewegung des Schulterblatts auf dem Brustkorb tragen hierzu bei.

Dr. Markus-Johannes Rueth untersucht eine Schulter. Foto: Uwe Moosburger
Dr. Markus-Johannes Rueth untersucht eine Schulter. Foto: Uwe Moosburger

Als Besonderheit wird die Schulter vor allem durch die Weichteile – Sehnen, Bänder, knorpelige Lippe – und nicht durch Knochen stabilisiert. Dadurch wird das Gelenk anfällig für Verletzungen. Bei größeren Schädigungen kann es zur Instabilität kommen. Der Kopf kann aus der Pfanne springen, dann spricht man von einer Luxation oder Verrenkung. Hier muss meist ein Notarzt oder die Notaufnahme helfen, um den Kopf wieder zurückzubringen. Selten passiert das auch von allein.

Die Sehnenplatte, die für die Hauptbeweglichkeit der Schulter sorgt, die Rotatorenmanschette, kann reißen oder Kalkablagerungen aufweisen – das nennt man Kalkschulter. Der Verschieberaum der Manschette unter dem Schulterdach kann sich auch verengen, dann spricht man vom sogenannten Impingement.

Was sind beispielsweise die Symptome für eine Kalkschulter?

Je nach Ort und Ausmaß der Schädigung entstehen teils unterschiedliche Beschwerden. Bei der gefürchteten Kalkschulter können in Ruhe stärkste Schmerzen einsetzen, die die Betroffenen nachts in die Notaufnahme treiben. Bei den meisten Schulterbeschwerden sind die Bewegungen über die Horizontale schmerzhaft. Von solch schwerwiegenden Verletzungen wissen auch Tennisspieler Tommy Haas, NBA-Star Dwyane Wade und Ex-Welthandballerin Nadine Krause zu berichten.

Wie diagnostiziert man eigentlich eine verletzte Schulter?

Eine eingehende Untersuchung der Schulter muss erkennen lassen, ob und bei welcher Bewegung genau Schmerzen vorliegen. Ist die Schulter dabei instabil? Mittels Ultraschalluntersuchung lässt sich etwa ein Riss in der Sehnenplatte gut diagnostizieren. Ein MRT macht dagegen bei langanhaltenden Schmerzen und nach akuten Unfällen Sinn.

Wie behandelt man eine schmerzhafte Schulter?

Dr. Sebastian Winkler ist Experte für Sportverletzungen und unterstützt Dr. Rueth. Foto: T. Buettner/Asklepios
Dr. Sebastian Winkler ist Experte für Sportverletzungen und unterstützt Dr. Rueth. Foto: T. Buettner/Asklepios

Wenn in der Diagnostik eine akute Verletzung bereits ausgeschlossen wurde, dann kann die Schulter beispielsweise durch Kräftigungsübungen der Muskulatur gut behandelt werden. Diese verbessern die Stabilität und das Bewegungsausmaß des betroffenen Gelenks. Ergänzend können auch Spritzen mit Schmerzmitteln erforderlich sein. Bei der Kalkschulter kann außerdem eine Stoßwellentherapie zum Einsatz kommen.

Bei höhergradigen Instabilitäten und Rissen der Sehnenplatte wird allerdings meist eine Operation notwendig. Diese ist heutzutage in der Schlüssellochtechnik – in der Fachsprache arthroskopisch – gut machbar, nur bei einigen wenigen Schritten muss offen, also mit einem Schnitt durch die Haut und Muskeln operiert werden.

Wann muss man eine schmerzhafte Schulter operieren?

Ist die Struktur geschädigt, also eine Sehne gerissen, sollte man nicht aus dem Bauch heraus entscheiden, eine Operation durchzuführen, sondern vielmehr objektive Kriterien anwenden: Jede Ruptur kann in ihrer Größe in vier Grade eingeteilt werden sowie dahingehend, ob nur ein Teilriss oder ein Komplettriss vorliegt. Des Weiteren ist es wichtig, zu bedenken, wie weit sich unter Umständen die Sehne schon zurückgezogen hat. Hier kann auch nicht jeder Patient mit dem anderen verglichen werden, da immer verschiedene Grundlagen vorhanden sind. In der Regel ist es sinnvoll, einige grundsätzliche mechanische Grundregeln zu bedenken, die eine Heilung ohne Operation nicht zulassen würden.

Wichtig ist aber auch, dass die Beschwerden und Einschränkungen des Patienten zu den Befunden im MRT und beim Röntgen passen. Essentiell für den Erfolg einer Operation ist somit die exakte Planung im Vorfeld, um etwaige Überraschungen bei der Operation zu vermeiden.

Wie sieht die Nachbehandlung nach einer Operation an der Schulter aus?

Die Nachbehandlung hat zum Ziel, einen Mittelweg aus Ruhigstellung und Bewegung zu finden, um die Heilung zu garantieren, aber Bewegungseinschränkungen zu vermeiden. Die Schulter hat leider die unangenehme Eigenschaft, dass sie nach einem Unfall oder einer Operation schnell steif wird. Dies gilt es zu verhindern. Leider kann man vorab nicht erkennen, ob man als Patient diese Neigung besitzt. Die exakte Planung der Nachbehandlung richtet sich nach dem Eingriff und der Schwere der Verletzung. Eine enge Zusammenarbeit zwischen Operateur, Physiotherapeut und Patient ist dann wichtig.

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Lesen Sie auch: Sportverletzungen sind sein Metier. Dr. Markus-Johannes Rueth ist Chefarzt der Sportklinik in Schwandorf. Früher hat er Fußballer wie Khedira und Werner betreut.

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