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Gespräch

Schwimmclub steht am Startblock

Die Gründung hat nicht nur beim FC Schwandorf Wellen geschlagen. Gelingt die Zusammenführung der Schwimmer unter einem Dach?
Von Andreas Allacher

  • „Ich bin fest davon überzeugt, dass der Schwimmclub Schwandorf ein Erfolg wird“, sagt Gründungsvorsitzender Benno Larisch. Er will allen Schwimmern eine neue sportliche Heimat bieten.
  • Am 21. Juli wurde der Schwimmclub Schwandorf gegründet. Gründungsmitglieder waren Benno Larisch, Stefan Meierhofer, Tobias Schwendner, Doris Baumann, Petra Held, Markus Stiegler, Yvonne Mauerer, Jürgen Kellner, Karin Frankerl, Tina Swoboda, Winnie Borkner, Elke Meier, Heinrich Reinhardt, Thomas Held und Stefan Fleischmann. Foto: SCS

SCHWANDORF.15 Mitglieder aus den Reihen der Schwimmabteilung des 1. FC Schwandorf haben am 21. Juli den neuen Schwimmclub Schwandorf gegründet. Dies hat nicht nur in dem 101 Jahre alten Traditionsverein hohe Wellen geschlagen, sondern auch in der gesamten Sportwelt der Großen Kreisstadt, denn „die Tür zu uns ist offen“, sagt Benno Larisch. Der Abteilungsleiter der FC-Schwimmer wurde wie sein Stellvertreter Stefan Meierhofer nach Bekanntwerden der Vereinsgründung vom FC Schwandorf ausgeschlossen. Inzwischen sind die Voraussetzungen geschaffen, dass der neue Verein zum Jahresbeginn 2015 ins Wettkampfgeschehen eingreifen kann. Steht eine Bündelung der Kräfte im Schwandorfer Schwimmsport bevor? Im MZ-Interview nimmt der Vorsitzende Benno Larisch Stellung zu der Vereinsgründung und den Ziele des neuen Schwimmclubs.

Die Idee eines eigenständigen Schwimmvereins in Schwandorf war ja nicht neu. Wieso wurde er gerade jetzt gegründet?

Auslöser für die Realisierung war die schwierige Situation, in der der 1. FC Schwandorf zum Ende seines Jubiläumsjahres gekommen ist, und die daraus resultierende andauernde finanzielle Unsicherheit. Zum Jahresbeginn 2014 musste die Schwimmsparte lange auf den zweiten Teil des Beitragsrücklaufs 2013 warten, den man zunächst lange einforderte und auf den die neu gewählte Spartenleitung schließlich in einem Gespräch am 5. Juni verzichtete. Die Sportförderung des Großen Kreisstadt Schwandorf und des Freistaats Bayern wurde erst am 24. Februar vom Hauptverein an die FC-Schwimmer weitergeleitet. Die finanzielle Zukunft war für uns zu keinem Zeitpunkt klar. Es schien, als sollten wir häppchenweise auf die alte Tour hingehalten werden.

Es ging also ums liebe Geld...

Dazu muss man sagen, dass der FC Schwandorf dank seines ehemaligen Vorsitzenden Richard Ettl ein für die Abteilungen berechenbares Beitragssystem hat. 45 Prozent der Mitgliedsbeiträge bleiben beim Hauptverein, 55 Prozent plus die Abteilungsbeiträge fließen an die Sparten. Allerdings herrschte bei den Schwimmern schon immer eine gewisse Unzufriedenheit, denn mit den 45 Prozent, die beim Hauptverein bleiben, wird neben der Vereinsverwaltung zwar auch etwas für die Sparten gemacht, doch zum Beispiel von der Pflege und Sanierung der Vereinsanlage haben die Schwimmer nichts, die im Gegenteil für die Nutzung ihrer Sportstätten im Hallen- und Erlebnisbad selbst zahlen müssen. Die Fußballer, die von der FC-Anlage am meisten profitieren, haben bis zum Sommer als einzige Sparte keinen Abteilungsbeitrag erhoben. Zudem musste man befürchten, dass mit der neuen FC-Satzung die 45/55-Regelung gekippt wird, nachdem wir mit dem Antrag gescheitert waren, diese Regelung darin festzuschreiben und endlich auch klar zu regeln, was der Hauptverein zahlt und was die Sparten selbst zu tragen haben. Die Gründung des neuen Vereins war sozusagen für uns ein Notausgang.

Aber wäre es nicht der ehrlichere Weg gewesen, dem FC Schwandorf eine solche Vereinsgründung als Alternative anzudrohen, statt hinter dem Rücken der bisherigen sportlichen Heimat vollendete Tatsachen zu schaffen?

Im Nachhinein gesehen hätte man es vielleicht schon so machen können, aber diese Möglichkeit wurde nicht diskutiert. Wir haben uns für die konspirative Lösung entschieden.

Vielleicht ganz persönlich gefragt: War es nicht widersinnig, sich im Mai noch einmal zum Abteilungsleiter wählen zu lassen, wenn die Pläne für einen neuen Verein schon in der Schublade waren?

Ganz ehrlich. Zu diesem Zeitpunkt habe ich nicht geglaubt, dass es so weit kommt und ich war nicht bereit, den Schritt zu machen. Wir haben immer noch versucht, vereinsinterne Lösungen zu finden. Mit Mail vom 13. Mai an den FC-Vorsitzenden Reinhard Mieschala habe ich einen runden Tisch und eine solidarische Lösung von Hauptverein und allen Sparten für die Finanzprobleme des FC gefordert und die Bildung eines Finanzausschusses angeregt. Aber es kam nur zu einem separaten Gespräch des Gesamtvorstandes mit der Schwimmabteilung, in dessen Folge man auf einen Teil des Beitragsrücklaufs 2013 verzichtete.

Können Sie die Reaktion der FC-Führung verstehen, dass Sie und Ihr Stellvertreter als neue Vorsitzende eines konkurrierenden Vereins im Vorfeld der Jahreshauptversammlung ausgeschlossen wurden?

Es ist vielleicht nachvollziehbar. Aber ich wurde letztendlich von diesem Schritt überrascht und glaube nicht, dass er rechtmäßig war. Aber ich bin überzeugt, dass sich der FC Schwandorf damit keinen Gefallen getan hat. Ganz im Gegenteil: Es war eine riesige Motivation für die Mitglieder des neuen Schwimmclubs.

Muss der FC Schwandorf also jetzt einen massiven Mitgliederverlust angesichts der bisher rund 300 Leute starken Schwimmabteilung fürchten?

Wir werden niemanden auffordern, vom 1. FC Schwandorf auszutreten. Aber ich gehe davon aus, dass die aktiven FC-Schwimmer zum neuen Verein herüberwechseln. Aber nicht all unsere Mitglieder waren aktive Schwimmer, so dass ich schätze, dass wohl ein Drittel der bisherigen Schwimmabteilung dem FC treubleibt. Allerdings ist auch nicht auszuschließen, dass einigen nicht mehr aktiven Schwimmern durch diesen Umbruch erst auffällt, dass sie noch Mitglied der Sparte sind, und dass sie künftig keinem der beiden Vereine angehören wollen.

Auf der neuen Homepage des Schwimmclubs stehen schon 19 Trainer, Trainerasiistenten und Helfer...

Wie bei den Aktiven ist es auch bei den Übungsleitern: Wir fordern niemand zum Austritt auf. Eine Trainerin beispielsweise wird beim FC bleiben. Die Schwimmer wollen ja noch bis zum Jahresende für den FC starten, und wir hoffen, dass der Hauptverein die Startgelder bewilligt, nachdem ja unsere Kasse weiterhin gesperrt ist. Zudem sind Übungsleitergelder noch nicht ausbezahlt. Es wird auch etwas in der Abteilungskasse zurückbleiben.

„Vom Schwimmkurs bis zur Wettkampfgruppe – bei uns macht Schwimmen Spaß!“ heißt es auf der Homepage des Schwimmclubs. Wie definiert der neue Verein seine Ziele?

Uns ist bewusst, dass das Experiment eines neuen Vereins auch schiefgehen kann. Aber ich bin fest davon überzeugt, dass es ein Erfolg wird. In den letzten sechs Jahren, in denen ich an der Spitze der FC-Schwimmer stand, ist es meinem engagierten Team gelungen, die Motivation der Mitglieder hochzuhalten. Und wenn uns mit dem neuen Verein die Abrundung des Schwimmsports in Schwandorf gelingt, bin ich optimistisch, dass wir die Stärke, die wir haben, auch halten können.

Abrundung heißt die Bündelung der Kräfte mit dem TuS Dachelhofen?

Alte Rivalitäten aus der Vergangenheit spielen bei einem Neuanfang keine Rolle. Deshalb haben wir im Sommer auch schon mit Verantwortlichen der Schwimmsparte des TuS Dachelhofen gesprochen, wobei wir damals ziemlich herumeiern mussten, weil ja die Vereinsgründung noch nicht öffentlich werden sollte. Aber wir haben ein neuerliches Treffen vereinbart. Wir haben eine Tür geschaffen, die offen ist, wobei klar ist, dass wir im Falle eines positiven Echos auch im Führungskreis des Schwimmclubs für den TuS noch Platz schaffen würden – notfalls mit einer Satzungsänderung.

Wo liegen denn die Vorteile einer gemeinsamen Zukunft?

Solch eine gigantische Abrundung ist doch besser als Separation und Streit. Der Schwimmsport hat in Schwandorf eine große Tradition. Und gemeinsam könnten wir noch erfolgreicher werden, statt uns gegenseitig Konkurrenz zu machen. Wir könnten uns auf vielen Feldern entlasten, sei es bei Trainern, Bahnkapazitäten, Wettkampfrichtern oder Mitgliederverwaltung. Was aus unserer Sicht keinen Sinn macht, ist eine Startgemeinschaft: Denn wir haben eine Vielzahl an guten jungen Schwimmern, die freilich dem TuS in der Landesliga noch nicht helfen können.

Chronologie der Gründung

  • Im Jahr 2013

    feiert der FC Schwandorf sein 100-jähriges Bestehen, das sich in der Endabrechnung als Draufzahl-Geschäft entpuppt. In der Folge verzögern sich Beitragsrücklauf und die Weiterleitung der Sportförderung vom Hauptverein an die Abteilungen.

  • Am 16. Mai 2014

    findet die Mitgliederversammlung der FC-Schwimmsparte statt; dabei werden Abteilungsleiter Benno Larisch und sein Stellvertreter Stefan Meierhofer im Amt bestätigt. Die für 23. Mai angesetzte Mitgliederversammlung des 1. FC Schwandorf wird verschoben.

  • Am 21. Juli

    wird der Schwimmclub Schwandorf gegründet. Zum 1. Vorsitzenden wird Benno Larisch gewählt, zu seinem Stellvertreter Stefan Meierhofer.

  • Am 14. Oktober

    erfolgt die Aufnahme in den Bayerischen Landessportverband, vier Tage später in den Bayerischen Schwimmverband.

  • Am 21. Oktober

    wird bei einer Mitgliederversammlung des Schwimmclubs Schwandorf die neue Satzung angenommen.

  • Am 24. Oktober

    findet die Jahreshauptversammlung des 1. FC Schwandorf statt. Im Vorfeld werden die beiden Schwimmabteilungsleiter Benno Larisch und Stefan Meierhofer aus dem Verein ausgeschlossen und mit Hausverbot belegt. Die FC-Vorstandschaft befürchtet einen Interessenskonflikt. Zudem wird die Abteilungskasse gesperrt. (ra)

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