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Spitzenläufer auf Königswiesens Höhen

Telis-Langstreckler Philipp Pflieger spielte nach einer Operation das Versuchskaninchen. Exklusives Trainingsmittel ergänzt Angebot in Regensburg.
Von Claus-Dieter Wotruba, MZ

Die Höhenluft tat Philipp Pflieger nach seiner Operation gut. Fotos: Lex (5)

REGENSBURG. Nichts gegen Hausfrauen. Aber als Trainingsbegleitung für Philipp Pflieger sind sie eher ungeeignet. Der 23-Jährige von der LG Telis Finanz Regensburg gehört zu Deutschlands besten Langstreckenläufern. 2010 hatte er die internationale Norm für die Europameisterschaft in Barcelona, was in Europa oft zur Teilnahme reicht, in Deutschland aber nicht.

Philipp Pflieger hat aber auch ein Problem: Öfter zwickt es hier oder da. Diesmal war es die Patellasehne, ein schmerzhaftes Problemobjekt für Leistungssportler am Knie. „Konservativ war das nicht in den Griff zu kriegen“, sagt Pflieger. Ende September fand die Operation statt. Pflieger drohte das in solchen Fällen übliche Programm zum langsamen Wiederaufbau: Zum Beispiel Aquajogging mit besagten Hausfrauen. Die Alternative, die sich seit der Eröffnung am 1. Oktober im Gesundheitszentrum Medicus in Regensburg-Königswiesen bot, ergriff Pflieger dankend. Bayernweit gibt es diese Räumlichkeiten für Höhentraining sonst nur noch in München, Würzburg und Röthenbach. Deutschlandweit sind es knapp über 20 Standorte.

Das Höhentraining ist ähnlich wie die Wissenschaft eines jener Gebiete, in dem sich eine teils gänzlich neue Lehrmeinung entwickelt hat (siehe Interview). Philipp Pflieger spielte gerne das Versuchskaninchen. „Ich war neugierig, hatte keine Erfahrung mit Höhentraining und wollte im verletzten Zustand so viel wie möglich machen.“ Robert Mücke (35), dem Medicus-Spezialisten fürs Höhentraining, kam Pfliegers Interesse recht. Er wollte seinerseits etwas gegen die Skepsis in Sachen Höhentraining tun. „Wir wollten Philipp in der Phase der Verletzung so fit wie möglich kriegen – obwohl er noch nicht voll belastbar war.“

Der Leistungssportler aus dem telis-Athletenhaus wunderte sich.

Laufen durfte er noch nicht -– und kam schon im Gehen bei einer Geschwindigkeit von sieben Stundenkilometern ärger ins Schwitzen. Ein Drei-Wochen-Programm stellte Robert Mücke für Philipp Pflieger zusammen. Der Athlet registrierte den Puls „über 170 im Gehen“. Erst trainierte Pflieger im Intervall (häufiger Wechsel zwischen Belastung in der Höhe und Pause im „normalen“ Raum) auf simulierten 2500 bis 2700 Metern Höhe, dann in der Dauermethode auf Höhen bis 3200 Metern und in der dritten Woche mit höherer Intensität auf einer Höhe bis 3700 Metern. Pfliegers Fazit hinterher: „Ich fühle mich gut. Die Belastung für das Herz-Kreislauf-System ist vergleichbar mit der beim Lauftraining. Es macht zwar nicht so viel Spaß wie draußen zu laufen“, sagt Pflieger, „aber es kommt dem Laufen näher als Alternativen wie Aquajogging.“

Philipp Pflieger ist so etwas wie eine Vorhut. Das Höhentraining ergänzt den Reigen besten sportärztlichen Angebots in Regensburg um eine weitere Möglichkeit. „Was das angeht, sind die Bedingungen für Spitzensport hier unglaublich günstig“, sagt Mücke, nennt das Höhentraining (Stundenpreis 18 Euro) aber auch „exklusiv“. Man könne nicht Hunderte von Leuten durchschleusen. „Höhentraining ist etwas für bestimmte Leute in bestimmten Phasen.“ Vielleicht sogar auch mal für die Hausfrau.

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