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Fussball

Beierlorzer: „Lebe im Hier und Jetzt“

Jahn-Coach Achim Beierlorzer spricht über magische Grenzen, seinen Karriereplan – und ein Telefonat mit Heiko Herrlich.
Von Jürgen Scharf und Felix Kronawitter

Jahn-Coach Achim Beierlorzer hat den Klassenerhalt im Visier. Foto: dpa
Jahn-Coach Achim Beierlorzer hat den Klassenerhalt im Visier. Foto: dpa

Herr Beierlorzer, 25 Punkte hat der Jahn schon gesammelt. Noch fünf Siege, dann ist der Klassenerhalt fix, oder?

Das ist auf jeden Fall eine Rechnung, mit der wir die magische Grenze von 40 Punkten erreichen würden. Mit dieser Bilanz ist noch keiner abgestiegen.

Am Dienstag geht es mit dem Spiel gegen Nürnberg wieder los. Überhaupt hat es der Start in sich. Danach warten mit Ingolstadt und Kiel weitere Top-Teams. Wie groß ist die Gefahr, dass der Jahn dramatisch abstürzt, so wie vergangene Saison Würzburg?

Ich kann nicht sagen, was bei Würzburg war, kann aber sagen, was bei uns ist. Wir haben ein sehr intaktes Mannschaftsgefüge, das es uns ermöglicht, in jedem Spiel alles investieren zu können, um erfolgreich zu sein. Ich glaube schon, dass das ein ganz wichtiger Faktor ist. Deswegen mache ich mir keinen Kopf, dass wir komplett abstürzen könnten. Denn eines ist mir wichtig: Die 25 Punkte waren nicht nur Glück, die haben wir uns wirklich verdient.

Es ist, wie es ist, und es kommt, wie es kommt – und da glaube ich dran.

Achim Beierlorzer

Gibt es mit Kaiserslautern, die abgeschlagen am Tabellenende stehen, nicht ohnehin zumindest schon einen Absteiger?

Nein, überhaupt nicht. Letzte Saison schien St. Pauli zur Winterpause völlig abgeschlagen und ohne Chance. Die hatten weniger Punkte als Kaiserslautern – und haben es am Ende noch relativ sicher geschafft, drin zu bleiben. Dafür rutschen dann halt wieder andere unten rein. Da müssen wir aufschauen, dass nicht auf einmal wir das sind.

Sie sind seit einem halben Jahr in Regensburg. Haben Sie sich eigentlich auch mal mit Ihrem Vorgänger Heiko Herrlich ausgetauscht?

Ja, ich habe ihn angerufen. Aber vor allem deshalb, weil ich Heiko seit langem sehr gut kenne. Und es war nicht so, dass ich gesagt habe: Erzähl mir bitte dies und das über die Mannschaft. Im Gespräch streift man solche Themen dann ja ganz von alleine.

Regensburg hat sich für Herrlich als Sprungbrett in die Bundesliga erwiesen. Wie sieht eigentlich Ihr Karriereplan aus?

Den gibt es nicht. Ich weiß, dass 2019 eine Entscheidung von mir zu fällen ist. Da muss ich mich erklären, ob ich wieder als Lehrer arbeiten will, weil es dann keine weitere Beurlaubung mehr geben wird. Ansonsten lebe ich aber nur im Hier und Jetzt und freue mich da sehr darüber. Es gibt diesen Satz: Es ist, wie es ist, und es kommt, wie es kommt – und da glaube ich dran.

Beierlorzer, der Klassenprimus

  • Achim Beierlorzer

    ist eigentlich Gymnasiallehrer für Sport und Mathematik. Derzeit ist er aber beurlaubt. Beim 60. Fußball-Lehrer-Lehrgang (2013/2014) an der Hennes-Weisweiler-Akademie avancierte Beierlorzer mit der Note 1,0 zum Klassenprimus. Der 50-Jährige, der acht Geschwister hat, stammt aus Franken und kickte einst in Fürth selbst drittklassig.

  • Als Trainer

    stand Beierlorzer ein erstes Mal bei RB Leipzig im Rampenlicht. 2015 fungierte er dort für 15 Spiele als Interimscoach. Beim Jahn hat er einen Vertrag bis zum 30. Juni 2019. Den SSV will er gemeinsam mit Geschäftsführer Christian Keller, dessen Vertrag um ein Jahr verlängert wurde und nun ebenfalls bis Ende Juni 2019 läuft, in der 2. Liga etablieren.

Eigentlich sind Sie Gymnasiallehrer für Mathematik und Sport. Wann kam der Punkt, an dem Sie das nicht mehr mit dem Fußball vereinbaren konnten?

Als ich 2002 als Trainer beim SC Schwabach in der vierten Liga angefangen habe, konnte ich das noch problemlos verbinden. Parallel habe ich angefangen, nach und nach die ersten Trainerscheine zu machen. Irgendwann hatte ich dann das Ziel, die bestmögliche Ausbildung zu haben und dafür musste ich den Fußballlehrer-Lehrgang machen. Die SpVgg Greuther Fürth hat mir das 2013 ermöglicht, indem sie mich fest angestellt hat. Da habe ich mich erstmals als Lehrer beurlauben lassen. Das sind übrigens alles Sondergenehmigungen und die wurden bislang mehrfach verlängert. 2019 ist aber auf jeden Fall Schluss. Da muss ich mich dann entscheiden.

Können Sie es sich derzeit überhaupt vorstellen, wieder vor einer Schulklasse zu stehen?

Zufällig habe ich erst gestern zu meiner Frau gesagt, dass ich nullkommanull Probleme damit hätte. Alleine wegen der unglaublichen Erfahrungen, die ich in den vergangenen viereinhalb Jahren mitnehmen konnte. Die könnte ich dann wieder in meine Arbeit als Lehrer einbringen. Auf der anderen Seite bin ich jetzt im Moment aber in einem Job, bei dem ich nur sagen kann, dass es meine Passion ist, die zum Beruf geworden ist. Das ist natürlich auch was.

Sie haben im Jugendbereich, bei den Amateuren, sowie als Interims- und Assistenztrainer bei den Profis gearbeitet. Wie groß war die Umstellung, nun zum ersten Mal von Saisonbeginn an eine Profi-Mannschaft zu leiten?

Die war nicht groß. Ich habe die Ausbildung als Fußballlehrer als Fundament. Und auch wenn es ein gewisser Unterschied ist, ob du eine Jugendmannschaft oder eine Herrenmannschaft im Profi-Bereich trainierst – es geht immer um Fußball und darum, ihn zu vermitteln. Deswegen war es keine grundsätzliche Umstellung für mich, jetzt beim Jahn anzufangen.

Sie haben acht Geschwister. Auch einen ganz prominenten Bruder. Bertram Beierlorzer war ja der bekanntere Fußballer als sie…

(lacht)…und ich würde auch sagen der bessere.

Haben sich im Fußball Ihre Wege irgendwann gekreuzt?

Und wie. Er war bei der SpVgg Fürth sogar mal mein Trainer. Und das habe ich natürlich gespürt, weil ich als Bruder immer deutlich vor den anderen sein musste, um spielen zu dürfen.

Haben Sie ihn da auch mal drauf angesprochen.

Ja, da gab es ein Spiel, in dem der Teamkollege, der auf meiner Position als Sechser gespielt hat, schlecht drauf war. Mein Bruder hat mich dennoch nicht eingewechselt. Ich hab ihm gesagt: „Wenn du mich nicht einmal heute bringst, wann dann überhaupt?“

Und das habe ich natürlich gespürt, weil ich als Bruder immer deutlich vor den anderen sein musste, um spielen zu dürfen.

Achim Beierlorzer

Wie hat er reagiert?

Ach, dazu muss man wissen, dass mein Bruder der entspannteste Mensch ist, den ich kenne. Er hat nur gemeint, dass er halt noch gehofft hat, dass der andere, der einen super Schuss hatte, vielleicht noch einen Treffer aus der Distanz erzielen würde. Dann war das auch wieder geklärt.

Fassen wir zusammen: Sie haben acht Geschwister, drei Kinder und haben viele Jahre als Lehrer gearbeitet. Mal ehrlich: Können Sie 20 Fußballer noch wirklich aus der Ruhe bringen?

(lacht) Nein, das nicht. Aber ich müsste lügen, wenn ich sage, dass alles komplett leicht ist. Wenn du als Chef-Trainer zum ersten Mal vor deiner neuen Mannschaft stehst, ist das schon eine Herausforderung. Einen Kopf mache ich mir da aber nicht. Weil ich authentisch bin, ich bin ich selbst. Deswegen grübele ich nicht rum, wie mich jetzt vielleicht der eine oder andere Spieler findet, weil ich eben so bin, wie ich bin.

Und da wirken Sie übrigens nicht so wie der Joggingsanzug-Typ. Sie treten immer sehr gewissenhaft gekleidet auf. Ist Ihnen das wichtig?

Ja, das ist mir wichtig. Ich habe auch mit dem Jahn vereinbart, dass ich zu Spielen in eigener Kleidung erscheinen kann. Und ich mag das auch nicht, etwa aufs Trainingsgelände im Jogginganzug reinzuschlurfen. Ich will normal und ordentlich gekleidet sein. Ohnehin bin ich jetzt in einem Alter, dass die am Knie eingerissene Jeans eher mein fünfzehnjähriger Sohn trägt.

Und sucht die Kleidung eigentlich Ihre Frau aus?

(lacht) Nun, ich habe da meine Vorstellungen, aber mit meiner Frau rede ich da natürlich darüber und sie gibt mir auch Ratschläge.

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