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Fussball

Der irre Endspurt in der 2. Liga

Die ersten drei Teams müssen noch gegeneinander ran. Das ist eine Chance für den SSV Jahn, findet Experte Peter Neururer.
Von Jürgen Scharf

Baldowern derzeit sicher schon einen Plan für die letzten vier Spiele der Saison aus: Jahn-Coach Achim Beierlorzer (rechts) und sein Kapitän Marco Grüttner Foto: Andreas Nickl

Regensburg.Bei der Deutschen Fußball-Liga in Frankfurt gibt es die Abteilung „Spielplanung“. Die hätte in dieser Saison eine Auszeichnung verdient: für die Ansetzungen in der 2. Liga. Als passende Trophäe würde sich eine Kristallkugel anbieten. Die Paarungen der letzten vier Spieltage wirken nämlich, als ob sie unter Mithilfe von Hellsehern zusammengestellt wurden. Die ersten drei, Fortuna Düsseldorf, der 1. FC Nürnberg und Holstein Kiel, spielen alle noch gegeneinander. Mehr Krimi geht nicht. Und einer könnte dabei der lachende Vierte sein: der SSV Jahn Regensburg.

„Einen, der mal durchmarschiert, hat es schon gegeben. Dass gleich zwei Aufsteiger, lange Zeit sogar alle drei, um die Aufstiegsplätze mitspielen, ist aber völlig neu.“

Peter Neururer

Peter Neururer ist eine Trainer-Legende und kennt die 2. Liga wie kaum ein anderer. Der Mittelbayerischen verriet er, dass auch er vom unglaublichen Konkurrenzkampf in dieser Saison überrascht ist. „So eng war die Liga einfach noch nie.“ Dies liege insbesondere an drei Mannschaften – an den drei Aufsteigern: „Einen, der mal durchmarschiert, hat es schon gegeben. Dass gleich zwei Aufsteiger, lange Zeit sogar alle drei, um die Aufstiegsplätze mitspielen, ist aber völlig neu.“

Von den Leistungen von Kiel und Regensburg ist Neururer schwer beeindruckt. „Der Jahn etwa hat mich sehr überrascht. Das ist einfach absolut großartig. Nicht nur sportlich, auch die Außenwirkung des Vereins ist überragend gut. Alles wirkt sehr unaufgeregt.“ Gerade vor dem Hintergrund, dass Aufstiegscoach Heiko Herrlich den Klub verlassen hat, hätte er „eher eine ganz, ganz schwere Saison“ für den Jahn erwartet: „Vielleicht ist aber gerade dadurch eine Jetzt-erst-Recht-Situation entstanden. Auf jeden Fall spielen sie eine überragende Saison. Da ziehe ich den Hut vor.“

„Da kann noch alles passieren“

Eine Saison, in der der Jahn immer noch das Unglaubliche schaffen kann: den dritten Aufstieg in Folge. Mit dem Sieg in Fürth wurde der Klassenerhalt endgültig eingetütet. Nun geht es nur noch darum, ob der Jahn sogar noch eine Schippe drauflegt. Er steht auf dem vierten Platz und ist damit der erste Verfolger des Spitzentrios. Auf den Dritten Kiel haben die Regensburger fünf Punkte Rückstand. Eine Lücke, die keineswegs unschließbar ist, findet Neururer: „Fünf Punkte? Die können in zwei Spielen aufgeholt sein. Da kann noch alles passieren.“

Das Restprogramm der ersten Vier

  • Fortuna Düsseldorf

    spielt noch gegen Ingolstadt (H), Dynamo Dresden (A), Kiel (H) und Nürnberg (A).

  • Der 1. FC Nürnberg

    spielt noch gegen Kiel (A), Braunschweig (H), Sandhausen (A) und Düsseldorf (H).

  • Holstein Kiel

    spielt noch gegen Nürnberg (H), Ingolstadt (A), Düsseldorf (A) und Braunschweig (H)

  • Der SSV Jahn

    spielt noch gegen St. Pauli (H), Duisburg (A), Darmstadt (H) und Bochum (A)

Der 62-jährige Kult-Coach weiß aus eigener Erfahrung, worauf es auf den letzten Metern einer Saison ankommt. „Man muss auch mal ins Risiko gehen, auch mal in der letzten Minute den Torwart nach vorn schicken, statt ein Unentschieden zu sichern. Die bringen in dieser Phase nämlich nichts mehr. Da kannst du noch so lange ungeschlagen sein, du brauchst Siege.“

Trainer-Legende Peter Neururer Foto: Deutzmann/Eibner

Das vermeintlich leichteste Restprogramm der Spitzenmannschaften hat der SSV Jahn. Düsseldorf, Nürnberg und Kiel tragen zum Endspurt quasi noch einen zusätzlichen, internen Jeder-gegen-jeden-Wettkampf aus. Der Jahn hat gegen alle drei schon gespielt. Dass sich das Top-Trio gegenseitig die Punkte wegnimmt, sieht auch Neururer als Vorteil für die Regensburger. Gemeinsam mit Ingolstadt räumt er ihnen deswegen die größten Chancen ein, oben noch heranzukommen. Grundsätzlich seien Prognosen auf der Basis des Restprogramms aber sinnlos, findet er: „Im Endspurt gibt es keine leichten und keine schweren Gegner mehr, es gibt auch kein Heim und auswärts, es gibt nur noch Punkte. Das ist so.“

An Spannung bis zum Ende glaubt der Trainer des Tabellenführers aus Düsseldorf. Friedhelm Funkel hat schon vor Wochen gesagt, dass er davon ausgeht, „dass die Saison erst am 34. Spieltag entschieden wird“. Seine Fortuna hat dabei natürlich die beste Ausgangsposition, um den Aufstieg zu schaffen. Neururer ist überzeugt, dass es Düsseldorf auf jeden Fall in die Bundesliga schafft. Wer als Zweiter direkt mit aufsteigt, werde sich zwischen Nürnberg und Kiel entscheiden, glaubt er.

Der Trainer der Nürnberger, Michael Köllner, redet bei den Zielen nicht mehr um den heißen Brei herum: „Wir wollen uns für unsere gute Saison natürlich belohnen und sie mit dem Aufstieg krönen.“ Seine Kollegen aus Kiel und Regensburg, Markus Anfang und Achim Beierlorzer, agieren verbal zurückhaltender und führen immer den Klassiker, dass sie nur von Spiel zu Spiel schauen, an. Anfang muss sich bei Kiel ohnehin nur noch mit den paar restlichen Spielen in dieser Saison beschäftigen. Am Dienstag wurde bekanntgegeben, dass er im Sommer neuer Trainer des 1. FC Köln wird.

Jahn hat „eine Riesenchance“

Regensburgs Beierlorzer hat mit seinem Jahn Neururer zufolge in der kommenden Saison derweil „die Riesenchance“, sich im kleinen Kreis der Mannschaften zu etablieren, die nicht gegen den Abstieg spielen. Dabei sei es übrigens „egal, wo die Regensburger am Ende genau landen. Auch wenn es der zehnte Platz wäre, würden sie mit großem Schwung in die nächste Saison gehen. Es geht jetzt einfach darum, den nächsten Schritt zu machen“.

Ein ganz großer nächster Schritt wäre der Aufstieg. Die Frage, ob dieser für einen noch wachsenden Verein wie den Jahn zu früh kommen würde, könne man sich Neururer zufolge komplett schenken: „Ein Aufstieg kommt nie zu früh. Ein Aufstieg ist immer etwas Wunderbares.“

Ein Jahr Bundesliga könne einen Verein alleine finanziell unglaublich voranbringen: „Selbst wenn man sportlich abgeschlagen ist, wie es einem Klub wie dem Jahn passieren könnte, ist das eine riesige Chance, die sich positiv auf die Zukunft des Vereins auswirken kann. Ein gutes Beispiel ist da Braunschweig, die sich in der Bundesliga voll saniert haben.“

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