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Fussball

Der Jahn hat acht Matchbälle

Während die Regensburger bereits am 27. Spieltag die magische Marke knacken können, rumort es bei Gegner Union Berlin.
von Felix Kronawitter

Jahn-Kapitän Marco Grüttner (Mitte, im Duell mit Berlins Kristian Pedersen) und seine Kollegen haben die 40-Punkte-Marke fest im Blick. Foto: Nickl
Jahn-Kapitän Marco Grüttner (Mitte, im Duell mit Berlins Kristian Pedersen) und seine Kollegen haben die 40-Punkte-Marke fest im Blick. Foto: Nickl

Regensburg.Am Samstagnachmittag ist es soweit: „Jetzt sind wir zum ersten mal in der Situation, dass wir in Schlagdistanz sind“, sagt Achim Beierlorzer. Der Trainer des SSV Jahn Regensburg meint damit aber nicht, einen Angriff auf den Aufstiegs-Relegationsplatz zu starten, sondern die magische 40-Punkte-Marke. „Wir haben jetzt acht Spiele Zeit, um unser Ziel zu erreichen“, erklärt der Regensburger Chefcoach vor dem Auftritt der Oberpfälzer beim 1. FC Union Berlin. Im Tennis-Jargon würde man acht Matchbälle sagen. „Wir wollen es dabei aber natürlich nicht auf das letzte Spiel ankommen lassen“, sagt Beierlorzer, der mit seiner Mannschaft bereits am 27. Spieltag in der Hauptstadt den Deckel drauf machen will.

„Wir haben jetzt acht Spiele Zeit, um unser Ziel zu erreichen.“

Achim Beierlorzer

Verkehrte Welt in der 2. Fußball-Bundesliga: Während der Aufsteiger aus der Oberpfalz auf seiner Mission, dem historischen Ziel, zum ersten Mal den Klassenerhalt im Unterhaus zu schaffen, famos unterwegs ist, backen die einstigen Aufstiegsfavoriten kleinere Brötchen. St. Pauli, Braunschweig, Ingolstadt oder Bochum: Die ambitionierten Klubs bangen um den Ligaverbleib. Dazugesellt zu diesem illustren Kreis hat sich jetzt auch noch Union Berlin. Präsident Dirk Zingler hatte zu Wochenbeginn in einem Interview mit dem Berliner Kurier zu einem Rundumschlag ausgeholt – und eine Kurskorrektur vorgenommen. „Wichtig ist, dass man einen klaren Blick hat. Und erkennt, dass wir unser Saisonziel, nämlich den Aufstieg in die Bundesliga, wohl nicht erreichen“, sprach er Tacheles. Das heiße für den Moment, dass man sich darauf konzentrieren müsse, die notwendigen Punkte zu holen, um den Klassenerhalt auch rechnerisch zu sichern, richtet sich der Union-Blick jetzt auch nach hinten.

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Trainerstuhl wackelt

Beierlorzers Kollege sitzt alles andere als fest im Sattel. Ob André Hofschneider, der im Dezember überraschend Jens Keller als Coach abgelöst hatte, auch in der neuen Saison Union-Coach sei, „wird davon abhängen, wie wir die nächsten acht Spiele gestalten“, sagte Zingler und fuhr fort: „Nur so viel kann ich sagen: André wird auch nach dem Spiel gegen Regensburg noch Trainer sein.“ Hofschneider wollte die Ausführungen derweil nicht groß kommentieren: „Ich bin zu lange im Geschäft, als dass mich das beunruhigt“, sagte der Ex-Profi, der großen Respekt hat vor den Oberpfälzern: „Regensburg hat einen Lauf. Das überrascht aber auch nicht, weil die gesamte Liga dieses Jahr mit Überraschungen gespickt ist“, erklärte Hofschneider und trifft es dabei auf den Punkt.

Mit einem Sieg gegen den Jahn könnte die Union-Welt schon wieder rosiger aussehen. Denn acht Spiele vor Schluss liegt das Feld so nah beieinander wie noch nie. „In der vergangenen Zweitliga-Saison lagen zum gleichen Zeitpunkt 25 Punkte zwischen den Relegationsplätzen“, weiß Beierlorzer. Heuer sei die 2. Liga extrem ausgeglichen. „Jeder kann jeden schlagen“, bemüht der Regensburger Trainer die Devise, die so banal klingt, sich aber Woche für Woche bewahrheitet.

In diese Städte führt die Zweitliga-Reise die Regensburger:

Die Abstiegssorgen der Konkurrenten oder wie eng es zur Sache geht, tangieren die Regensburger dabei nicht. „Wir fokussieren uns auf das, was ansteht. Und das ist jetzt ein schweres Auswärtsspiel in Berlin, das wir genießen wollen, weil wir 2. Liga spielen dürfen“, erklärt Beierlorzer. Gegen Union kassierte der Jahn eine von elf Saisonniederlagen. „Wir sind gewarnt – auch vom Hinspiel, das wir mit 0:2 verloren haben. Union ist eine Topmannschaft, die heuer eigentlich den Aufstieg als Ziel hatte“, weiß Beierlorzer. Das werde ein brutal schweres Spiel, weil Berlin individuell sehr gut aufgestellt sei und im „Stadion An der Alten Försterei“ eine Stimmung herrschen werde, die die eigene Mannschaft nach vorne peitscht, erwartet Beierlorzer eine prächtige Kulisse.

Union und Co. laufen ihren Ansprüchen hinterher. Dafür sorgen die Aufsteiger aus Kiel, Regensburg und Duisburg für Furore. „Das sind alles geschlossene Mannschaften“, sagt Beierlorzer. In einer so ausgeglichenen Liga sei der Teamspirit vielleicht der Schlüssel zum Erfolg.

Ausbaufähige Bilanz

Während der Jahn in der Festung Continental-Arena im Fußball-Jahr 2018 beeindruckende 12 von 12 möglichen Zählern holte, ist die Bilanz auf fremdem Terrain noch ausbaufähig. Der letzte Auswärtssieg datiert vom 3. Dezember – einem 1:0 in Darmstadt. Nach den starken Auftritten in Nürnberg (2:2) und Kiel (1:1) setzte es zuletzt mit dem 0:1 in Dresden und dem 1:2 in Braunschweig in der Ferne zwei Niederlagen.

In Berlin kann Beierlorzer wieder mal aus dem Vollen schöpfen. „Extrem erfreulich“ sei der Blick auf die Personalkonstellation. „Ich habe alle Mann an Bord. Das ist schon eine überragende Situation in dieser Phase“, sagt Beierlorzer. Freitagmittag machte sich der Jahn-Tross auf die Reise. Mit dem Mannschaftsbus ging es nach Nürnberg, von dort per Zug weiter in die Hauptstadt. Die Abfahrt mit dem Teamgefährt zurück nach Regensburg ist für Sonntag geplant. Verwandelt der Jahn gleich den ersten Matchball – am besten, um auf Nummer sicher zu gehen, mit einem Dreier – , wäre Berlin sicher auch nicht gerade das schlechteste Pflaster für eine kleine Sause.

Und so steht der Jahn derzeit in der Tabelle da:

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