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Fussball

So verrückt ist die 2. Liga

Sieben Spieltage vor Schluss geht es so eng zur Sache wie noch nie. Viele Zweitliga-Klubs zittern um den Klassenerhalt.
von Felix Kronawitter

So umkämpft wie zwischen Regensburgs Alexander Nandzik (links) und Berlins Felix Kroos geht es in der 2. Liga zur Sache. Fotos: Eibner
So umkämpft wie zwischen Regensburgs Alexander Nandzik (links) und Berlins Felix Kroos geht es in der 2. Liga zur Sache. Fotos: Eibner

Regensburg.Man kann es fast nicht trefflicher formulieren als Sargis Adamyan: „Jeder kann jeden schlagen. Die Liga ist ein bisschen verrückt“, sagt der Angreifer des SSV Jahn Regensburg mit Blick auf die Zweitliga-Tabelle. Die spannendste Saison im Bundesliga-Unterhaus geht auf die Zielgerade. Es ist so eng wie noch nie. Aufstiegsträume und Abstiegsängste wechselten zuletzt fast wöchentlich. Das vermeintliche Niemandsland der Tabelle hat sich aufgelöst. Die Teams produzieren Punkt-Rekorde en masse.

Das Fußball-Fachmagazin „kicker“ nennt sie derzeit nur noch „Die Liga der Angst.“ Das Abstiegsgespenst geht um. Nicht nur in Fürth, Darmstadt, Kaiserslautern oder Bochum. Vierzehn Klubs bangen um den Ligaverbleib. Darunter mit Ingolstadt, Braunschweig, Union Berlin, Bochum oder St. Pauli auch Klubs, die Zweitliga-Experten eigentlich in ganz anderen Gefilden erwarteten.

„Jeder kann jeden schlagen. Die Liga ist ein bisschen verrückt.“

Sargis Adamyan

Die nackten Zahlen sprechen eine deutliche Sprache. Den Tabellenfünften aus Bielefeld und den Tabellensechzehnten aus Aue trennen sieben Spieltage vor Schluss nur magere fünf Punkte.

Der bisherige Minusrekord lag bei zehn Punkten (1995/96 und 2003/04). In der Saison 2011/2012 trennten Platz 5 und 16 zu diesem Saisonzeitpunkt noch satte 29 Zähler. 37, 34, 37, 40 und 37: Diese Punktzahlen haben in den vergangenen fünf Spielzeiten jeweils für Platz 15 gereicht. Und so geben Jahr für Jahr Teams die magische Marke von 40 Zählern als Saisonziel aus, mit der man zuletzt immer auf der sicheren Seite war. „Ich habe schon vor einiger Zeit gesagt, dass 40 Punkte in dieser Saison womöglich nicht für die Rettung reichen“, erklärte St. Paulis Sportchef Uwe Stöver im „kicker“. „Wie eng es jetzt zugeht, ist ein Novum.“

Nachreiner fällt aus

  • Gegen Aue muss

    Achim Beierlorzer (Foto: Eibner) seine Innenverteidigung neu ordnen. Sebastian Nachreiner hat sich im Training einen Kahnbeinbruch an der rechten Hand zugezogen – und wird voraussichtlich zwei Wochen ausfallen.

  • Mit Benedikt Gimber

    Asger Sörensen oder Markus Palionis hat Jahn-Trainer Beierlorzer Alternativen in der Hinterhand.

Jahn als „schlechtester Vierter“

Seit der Saison 2008/2009 steigen nur noch zwei Mannschaften direkt ab aus der 2. Liga. Der Tabellensechzehnte trifft in der Relegation auf den Dritten der 3. Liga. Bis dato war man mit der magischen Marke in der Tasche immer gesichert. 37 Punkte reichten bisher zumindest für die Teilnahme an der Relegation. Spielt die Liga weiter so verrückt, dürfte sich auch das bald ändern.

Der Jahn ist mit aktuell 40 Punkten der „schlechteste Vierte“ aller Zeiten. Und bei lediglich vier Punkten Rückstand auf Holstein Kiel könnten die Regensburger eigentlich zum Angriff auf den Aufstiegsrelegationsplatz blasen. Eigentlich. Denn gebetsmühlenartig wiederholen die Oberpfälzer ihre Devise „nur von Spiel zu Spiel zu schauen“. „Wir haben jetzt schon mal 40 Punkte. Und das ist überragend“, sagt Beierlorzer.

„Wir haben jetzt schon mal 40 Punkte. Und das ist überragend.“

Achim Beierlorzer

Nicht nur Adamyan traut dem Braten noch nicht ganz bei lediglich sieben Punkten Vorsprung auf Aue. „Ich glaube, wir brauchen noch ein, zwei Punkte“, sagt der armenische Nationalspieler mit Blick auf den Klassenerhalt. Sein Teamkollege Marc Lais fügt hinzu: „Wir wollen schon am Sonntag gegen Aue den Dreier einsacken, damit da nichts mehr anbrennt.“

Wegen der ungewöhnlichen Konstellation stehen nach der Länderspielpause gleich fünf direkte Abstiegs-Duelle auf dem Programm. Unter der Prämisse firmiert auch die Partie zwischen Heidenheim und Bundesliga-Absteiger Ingolstadt. Auf der Vereins-Website wies Marcel Gaus treffend darauf hin, dass „die Distanz zu den unteren Rängen geringer als nach oben“ sei. Dementsprechend ist auch bei den Oberbayern am Wochenende ein Sieg Pflicht, „um den Abstand zu den Abstiegsplätzen zu vergrößern“.

Aue, Kaiserslautern, Fürth: Auf die Regensburger wartet nach der Länderspielpause ein Dreierpack gegen die Kellerkinder. Aue hat als 16. schon 33 Punkte. So viele Zähler hatte ein Tabellen-Sechzehnter noch nie zu diesem Zeitpunkt. Danach geht es für die Regensburger auf den Betzenberg. Auch Kaiserslautern dürfe man nicht unterschätzen, erklärt Beierlorzer. Auch das Schlusslicht könne prinzipiell jeden schlagen. Und auch die Historie macht dem Traditionsklub Mut. Seit Einführung der Drei-Punkte-Wertung ist Lautern zu diesem Zeitpunkt der nach Punkten mit 25 Zählern drittbeste Tabellenletzte – steht aber mit sattem Rückstand am Tabellenende.

Lesen Sie hier: Jahn verliert in Ingolstadt – ohne Fans

Nürnberger Aufstiegsträume

In Fürth plant Sportdirektor Rachid Azzouzi derweil schon seit einiger Zeit zweigleisig. „In dieser engen Liga werden wir wohl bis zum letzten Spieltag warten müssen, um Genaueres zu wissen“, sagte Azzouzi im „kicker“. Dass die Franken Burghausen als besten Tabellenfünfzehnten zu diesem Zeitpunkt ablösten, tröstet nicht.

Nur ein paar Kilometer weiter findet sich einer der wenigen Klubs, bei dem das Abstiegsgespenst keine Rolle spielt. In Nürnberg reifen vielmehr Aufstiegsträume. Nächste Bestmarke: Mit den bisherigen 46 Punkten als Tabellenzweiter stellen die Mittelfranken ihren eigenen Minusrekord aus der Saison 2003/04 ein. „Wir sind gut gerüstet für den Schlussspurt in der Liga“, sagt Coach Michael Köllner und fügt hinzu: „Wir sind immer noch Tabellenzweiter, haben zwei Punkte Vorsprung auf Rang drei und ein paar mehr auf Rang vier. Das ist top.“

Nur sechs Punkte hinter der Mannschaft des Trainers aus der Oberpfalz lauern die Oberpfälzer. Am Sonntag könnten die Regensburger das Abstiegsgespenst endgültig vertreiben – und sich dann dem Aufstiegskampf widmen. 2. Liga, Saison 2017/2018: Irgendwie schon verrückt!

Und so verrückt geht es zur Sache in der 2. Liga:

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