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Fussball

SSV Jahn: Die Ruhe nach dem Sturm

Die Regensburger verlieren verdient gegen Aue und suchen die Schuld bei sich. Die Fans gehen gelassen mit der Pleite um.
Von Jürgen Scharf

Aues Pascal Köpke (rechts) beweist gegen Regensburgs Marc Lais Standfestigkeit – und ist mit zwei Toren auch der entscheidende Mann des Spiels in der Continental-Arena. Fotos: Nickl
Aues Pascal Köpke (rechts) beweist gegen Regensburgs Marc Lais Standfestigkeit – und ist mit zwei Toren auch der entscheidende Mann des Spiels in der Continental-Arena. Fotos: Nickl

Regensburg.Irgendwas war anders, an diesem Ostersonntag in der Regensburger Continental-Arena. In diesem Stadion hat der SSV Jahn in dieser Saison bereits einige wundersame Aufholjagden gefeiert. Motto: Rückstand? Kein Problem! Dieses Mal, gegen den FC Erzgebirge Aue, war der Rückstand aber nicht nur ein Problem, er war sogar ein sehr großes. Gegen diesen Gegner hinterherrennen zu müssen, sei „keine gute Idee“, meinte auch Regensburgs Trainer Achim Beierlorzer nach dem Spiel, das mit einem völlig verdienten Sieg der Gäste endete.

Regensburgs Innenverteidiger Marvin Knoll schlurfte später in sich gekehrt durch die Katakomben. Er ist sonst einer der Dampfmacher des Jahn. Einer, der auf dem Platz tobt und zetert und sich mit jedem anlegt, den er als Gefahr für den Erfolg seiner Mannschaft ansieht. Dieses Mal war er ganz ruhig. Die Schuld für die Niederlage suchte er nirgendwo anders als bei sich und seinen Teamkollegen: „Wir hatten vorne keine Lösungen und waren hinten zu konteranfällig“, fasste er das Spiel zusammen. Vorne nicht gut, hinten nicht gut – verloren.

Ein kleiner Triumph bleibt

Den Regensburgern blieb nach dem 1:3 (0:2) zumindest der kleine Triumph, dass sie in einem doch recht gehabt hatten. In den vergangenen Wochen war das Geraune, dass das Überraschungsteam der Liga vielleicht nicht nur nicht absteigen, sondern sogar erneut aufsteigen könnte, immer lauter geworden. Hochrechnungen wurden erstellt, wie der dritte Platz – oder vielleicht sogar der zweite – erreicht werden könnte. Die drei Punkte aus der Partie gegen den vor diesem Spieltag auf dem drittletzten Platz stehenden FC Erzgebirge waren dabei bereits auf der sicheren Habenseite verbucht worden. Die Leute vom Jahn wiesen dagegen immer wieder darauf hin, dass es in dieser 2. Liga kein wirkliches oben und unten gibt. Jeder Gegner sei richtig, richtig schwer. Nun konnte sich davon jeder überzeugen – in Form der Offensive des FC Erzgebirge, die wie ein Sturm über den Platz der Continental-Arena hinwegfegte.

Einen ausführlichen Spielbericht gibt es hier

Es lief die 27. Minute, als die Angreifer von Aue ihr erstes gemeinsames Kabinettstückchen zeigten. Rasend schnell flitzte der Ball über den Platz. Am Ende tanzte Pascal Köpke Regensburgs Benedikt Saller aus und vollendete mit traumwandlerischer Sicherheit zum 1:0 für die Gäste. Eine Viertelstunde später war es dann Köpkes kongenialer Sturmpartner Ridge Munsy, der eine tolle Einzelleistung zeigte. Völlig locker ließ er die Regensburger Jann George und Asger Sörensen stehen und hämmerte den Ball zum zweiten Tor der Auer in die Maschen.

Ein paarmal habe man sich von Aue auskontern lassen, meinte Regensburgs Jonas Nietfeld später: „Wir wussten, dass das ihre Stärke ist, haben es aber dennoch zugelassen.“ Zusammen genommen sei dies „dann natürlich doppelt ärgerlich“. Plan und Praxis lagen beim Jahn an diesem Tag also weit auseinander. Ein Grund, alles infrage zu stellen, dürfte dies aber nicht sein. Die simple Wahrheit dieses Spiels lautete nämlich auch vielleicht einfach, dass die Auer dieses Mal richtig gut drauf waren, „und wir einfach nicht unseren besten Tag erwischt haben“, wie Nietfeld einräumte.

„Wir wussten, dass das ihre Stärke ist, haben es aber dennoch zugelassen.“

Jonas Nietfeld über die Konter von Aue

Ein solch schlechter Tag wird den Regensburgern von ihren Fans übrigens offenbar auch einmal zugestanden. Zuschauer, die im Ticketpreis eine Garantie für den Sieg ihrer Mannschaft erwarten, gab es am Sonntag jedenfalls nicht. Keine Pfiffe, keine Buh-Rufe, kein Gemotze. „Mei, die waren halt mal besser heute“, meinte ein junger Mann beim Verlassen des Stadions, als ob er Marco Grüttner gehört hätte. Der hatte ein paar Minuten zuvor erklärt, dass man die Niederlage „jetzt nicht zu hoch hängen“ dürfe: „Wir haben eine überragende Saison bisher gespielt.“ Und selbst am Sonntag schien nach dem 1:2 durch einen Freistoß von Marvin Knoll kurz nach der Pause noch was zu gehen. Nur wenige Minuten später wurden die Träume von einer erneuten Aufholjagd durch das zweite Tor des überragenden Köpke aber endgültig erstickt.

Kein Sündenbock benannt

Achim Beierlorzer brach später auch nicht den Stab über seinen Schützlingen. Bei den Gegentreffern hatte es grobe Patzer in der Jahn-Abwehr gegeben. Namentlich wollte der Jahn-Coach aber niemanden zum Sündenbock erheben. Er sprach allgemein von „individuellen Fehlern“ und dass „nicht kompromisslos genug verteidigt“ wurde. Auf den Jahn warten nun zwei harte Auswärtsspiele in Kaiserslautern und Fürth. Beierlorzer braucht da Spieler, deren Selbstbewusstsein er schnell wieder aufrichten kann. Und dass vom Aufstieg zumindest in dieser Woche wohl kaum jemand reden wird, passt Beierlorzer sogar richtig gut ins Konzept: „Wenn so eine Niederlage irgendetwas Gutes hat, dann das, dass jedem klar ist, was für ein Ziel wir haben: den Klassenerhalt und nichts anderes.“

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