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Fussball

SSV Jahn setzt Kiel unter Druck

Die Regensburger lassen sich auch von St. Pauli nicht stoppen – und rücken Holstein Kiel auf die Pelle.
von Felix Kronawitter

Jann George (links, im Zweikampf mit Philipp Ziereis) und seine Teamkollegen ließen den Hamburgern keine Chance. Foto: Nickl
Jann George (links, im Zweikampf mit Philipp Ziereis) und seine Teamkollegen ließen den Hamburgern keine Chance. Foto: Nickl

Regensburg.Der SSV Jahn Regensburg rückt Holstein Kiel auf die Pelle. Dank des 3:1(2:0)-Heimsieges vor 15210 Zuschauern gegen den FC St. Pauli verkürzen die Oberpfälzer den Abstand auf den Klub aus dem Norden, der auf dem Aufstiegsrelegationsplatz in der 2. Liga rangiert, auf zwei Punkte. Die Kieler sind am Montagabend zu Hause im Spitzenduell gegen den 1. FC Nürnberg gefordert.

Die Regensburger schwimmen weiter auf einer Erfolgswelle. Den Klassenerhalt fest in der Tasche, spielten die Oberpfälzer am Samstagnachmittag befreit auf gegen St. Pauli und feierten mit ihren Fans ein Fußballfest. Marco Grüttner (10.), Sargis Adamyan (20.), Joshua Mees (48.) sorgten mit ihren Toren für den Heimerfolg. Johannes Flum (53.) erzielte den einzigen Treffer für die Hamburger, die kurz vor dem Halbzeitpfiff einen Platzverweis kassierten und in der Schlussphase nur noch neun Mann auf dem Platz hatten.

„Diese Mannschaft ist so gierig. Sie wollen in jedem Spiel das Maximum erreichen. Dafür kann ich wieder nur Superlative verwenden. Ich bin sehr sehr stolz, diese Mannschaft trainieren zu dürfen“, sagte Jahn-Coach Achim Beierlorzer nach der Partie. Eine Kampfansage in Richtung Kiel gab es nicht vom Regensburger Trainer, der Jahn-Blick richtet sich weiter nur von Spiel zu Spiel: „Jetzt schauen wir noch, was wir noch erreichen können.“ Pauli-Coach Markus Kauczinski war entsprechend bedient und sprach von einem Tiefpunkt. Die Hamburger, die eigentlich um den Aufstieg mitspielen wollten, zittern um den Klassenerhalt und kommen einfach nicht in die Gänge.

Lesen Sie hier: Choreo der Fans rührt Hein zu Tränen

Für Asger Sörensen, der sich gegen Fürth eine Oberschenkelzerrung zugezogen hatte, rückte Sebastian Nachreiner in die Innenverteidigung.

Auch Jann George durfte von Beginn an ran nach seinem Doppelpack beim 2:1 gegen die SpVgg Greuther Fürth. Philipp Pentke hatte sich am Freitag im Training einen Rippenbruch zugezogen. Für den Jahn-Keeper ist die Saison damit beendet. Andre Weis stand daher zwischen den Pfosten.

Stimmen zum Jahn-Sieg gegen St. Pauli

  • Alexander Nandzik:

    (zur Situation bei der Gelben und Roten Karte): „Also mein Gegenspieler, der mich geschubst hat, der hat Gelb bekommen. Den Rest kann ich nicht beurteilen, das hab ich nicht gesehen. Ich hab nur gehört, dass der Allagui einen an den Hals gepackt hat. Aber ob das stimmt, kann ich nicht sagen.“

  • André Weis:

    „Die erste Halbzeit haben wir zwar mit 2:0 geführt, aber St. Pauli hatte da schon auch ihre Spielanteile und Chancen. Die rote Karte kurz vor der Halbzeit hat uns dann gewissermaßen in die Karten gespielt. Das 3:0 nach der Pause war dann natürlich überragend, da hatten wir gedacht, wir hätten den Zahn gezogen. Aber man auch gesehen, gegen zehn Mann ist es dann noch schwer, das Spiel zu Ende zu bringen. Dann kam das 3:1 und dann wars ganz gut, dass Pauli sich noch selbst geschwächt hat“

  • Oliver Hein:

    (zu seinen Emotionen nach der Choreo und seinem Einsatz): „Schwer zu beschreiben, weil da die Emotionen doch wieder hochkommen. Ich muss schon sagen, ich hab schon ein paar Tränen in den Augen gehabt, wie wir rausmaschiert sind. Ich hab mit dem überhaupt nicht gerechnet. Es ist mir irgendwie auch ein bisschen unangenehm, weil ja doch die Mannschaft irgendwie im Fokus stehen soll und dass dann ein Spieler rausgepickt wird, ist mir dann doch etwas unangenehm. Nichtsdestotrotz freut es mich unheimlich. Die Höhen und Tiefen, die wir da durchgegangen sind, da erinnert man sich wieder dran.“

  • (ob er nervös war bei seinen ersten Metern wieder auf dem Platz): „In meinem Fall war’s einfach so, dass ich das Spiel einfach nur genießen wollte, weils einfach schon so lange her war. Über 400 Tage wenn ich zurück blickt. Auch wenn man auf der Tribüne sitzt, fiebert man ja immer mit und versucht auch in solchen Zeiten immer das Beste für die Mannschaft zu tun. Es war einfach ein unbeschreibliches Gefühl wieder auf dem Platz zu stehen.“

  • „Wir waren heute sehr gut vorbereitet, wie es in jedem Spiel der Fall ist. Wie man schon vorhergesagt haben: Wir wollen immer an unsere Leistungsgrenze gehen und das Optimum abrufen. Das ist uns heute auch wieder gelungen. Wenn wir wirklich 90 Minuten an unsere Leistungsgrenze kommen, dann sind wir eine sehr unangenehme Mannschaft. Das hat St. Pauli auch heute zu spüren bekommen. Genauso mit der Einstellung werden wir auch die letzten Spiele anpacken und dann schauen wir was rauskommt.“ „Wir sind keine Hellseher, wir wissen nicht was am Ende der Saison rausspringt. Wir werden einfach die Spiele genießen so wie heute.“

  • Marco Grüttner:

    „Verdienter Sieg heute, das würde ich sagen. Vor allem aufgrund der ersten Halbzeit. Da haben wir souverän gespielt und zur rechten Zeit die Tore gemacht und in der zweiten Halbzeit haben wir’s dann clever runtergespielt, weil Pauli dann ja auch nichts mehr wollte. Da haben wir uns dann etwas Kräfte gespart bei dem Wetter.“ „Man weiß ja wie schwer es bei so einem Wetter ist und der Gegner lässt den Ball laufen. Von dem her haben wir das heute echt super gemacht.“

  • „Wir brauchen heute nicht über den Schiedsrichter zu diskutieren. Wir haben heute gewonnen, das zählt.“ „Zu den zwei roten Karten: Ich glaub die erste war klar, das sieht man, der packt mich am Hals und im Gesicht. Der Linienrichter hat das gesehen und dann ist es eine rote Karte. Die zweite, weiß ich nicht, wenn er da vorher schon Foul pfeift. Die Folgeaktion hat er dann halt nochmal gewertet. Das war halt mit offener Sohle.“ (wie groß die Lust ist, die drei oben in der Tabelle noch zu ärgern): „Die ist sehr groß. Aber jetzt kommt Duisburg. Schweres Spiel, aber wir wollen auch da gewinnen, dass wir dann im Fall eines Ausrutschers dann da sind. Wir wissen einfach, dass die Mannschaften da oben zurecht da stehen und auch bockstark sind. Wir wollen einfach so lange wie möglich da dran bleiben.“

  • Andreas Geipl:

    (ob es ein Unterschied, wenn man an seinem Geburtstag auf dem Platz steht): „Ein bisschen was anderes ist es schon, aber im Endeffekt ist es das Gleiche, bloß dass man ein Jahr älter ist. Aber das merkt man auf dem Platz noch nicht. Heute hab ichs nicht gemerkt.“ „In der ersten Halbzeit waren wir richtig kaltschnäuzig vor dem Tor. Da waren wir eiskalt. Die Chancen, die wir gehabt haben, haben wir reingemacht. Das ist uns zugute gekommen, vor allem bei dem Wetter. Es war schon brutal warm. Das hat man dann an den letzten 20 Minuten gesehen, dass wir nur noch auf Ballbesitz gespielt haben und St. Pauli gar nicht mehr raugerückt ist. Letzten Endes war der Sieg schon verdient.“

  • „Bei der zweiten roten Karte geht er mit gestrecktem Fuß rein, die kann man geben.“ „Der Schiedsrichter hat halt seine Linie durchgefahren, von dem her kann man dem Schiedsrichter keinen Vorwurf machen.“ „Wir haben 47 Punkte, wir können rechnerisch nicht mehr absteigen. Wir schauen jetzt von Spiel zu Spiel was geht. Wir können jetzt befreit aufspielen.“

  • Philipp Ziereis:

    (ob er schonmal in der Continental-Arena war): „Nur als Zuschauer. Die Stimmung heute war super für den Jahn, für uns im Moment ist es gerade bitter. Für mich ist es natürlich schön mal wieder nach 5 Jahren zurück zu kommen. Aber das hab ich mir natürlich auch anders vorgestellt.“

  • „Ich muss sagen der Jahn spielt eine überragende Saison. Ich gönn’s dem ganzen Verein, dem ganzen Umfeld, weil ich weiß wie schwer die Jahre davor waren und ich sehe was die Jungs einfach leisten und auch verdient da oben stehen. Schön für mich zurück zu kehren, aber ich hab mir natürlich einen anderen Ausgang gewünscht.“ „Letztendlich verdiente Niederlage, wenn man 2 rote Karten bekommt und mit 8 Mann nur noch verwalten kannst, dass es nicht noch höher ausgeht. Ich denke, dass wir ganz gut angefangen haben und ganz gut drin waren. Wir haben uns Chancen erspielt und dann natürlich zwei richtig dumme Gegentore bekommen, das bricht dir dann das Genick. Da kommst du dann aus der Halbzeit raus, dann bekommst du direkt das 3:0. Dann war’s natürlich auch schwierig, obwohl wir sofort wieder zurückgekommen sind. Spätestens nach der zweiten roten Karte war’s dann eigentlich tot.“

  • „Die zweite rote Karte war für mich keine, weil klar davor ein Foul ist und er wird geschubst, springt dann natürlich in den rein, aber es war klar ein Foul vorher an ihm. Wir kriegen ja auch Freistoß.“

Grüttner lässt den Jahn jubeln

Torjubel: Joshua Mees mit Alexander Nandzik und Marco Gruettner, daneben Marvin Knoll Foto: Nickl
Torjubel: Joshua Mees mit Alexander Nandzik und Marco Gruettner, daneben Marvin Knoll Foto: Nickl

„Wenn man St. Pauli zu Hause hat, dann ist das natürlich ein Spiel, das jedem Motivation gibt. Da wollen wir gewinnen“, hatte Marvin Knoll vor der Partie angekündigt. Und bereits nach zehn Minuten verwandelte sich die ausverkaufte Continental-Arena in ein Tollhaus. Philipp Ziereis, der aus Schwarzhofen im Landkreis Schwandorf stammt, konnte nur unzureichend klären. Grüttner war zur Stelle und drosch den Ball per Dropkick in die Maschen. Das 12. Saisontor des Jahn-Kapitän.

Dann war aber Weis zwei Mal gefordert. Gegen Jan-Philipp Kalla (12.) und Dimitrios Diamantakos (13.) behielt er aber die Oberhand. Nachreiner musste verletzungsbedingt runter. Markus Palionis sprang wie schon in Fürth ein (18.). Der Innenverteidiger war nur zwei Minuten auf dem Feld, da durfte er mit seinen Teamkollegen gleich den zweiten Treffer bejubeln. George passte zielgenau auf den Kopf von Sargis Adamyan, der zum 2:0 einnickte. „Steht auf, wenn ihr Jahn-Fans seid“, schallte es durch das Stadion. Die Regensburger Anhänger waren begeistert, keinen hielt es mehr auf den Sitzen. Joshua Mees hätte noch vor der Pause erhöhen können, zielte aber drüber (34.). St. Pauli suchte den Anschluss. Diamantakos probierte es per Kopf – aber der Hamburger Angreifer verfehlte das Regensburger Tor. Dann schickte Andy Geipl, der am Samstag seinen 26. Geburtstag feierte, Grüttner auf die Reise. Der Jahn-Kapitän brachte aber zu wenig Druck hinter den Ball bei seinem Abschluss.

Und so bewertet die MZ die Leistung der Regensburger:

Die Jahn-Spieler in der Einzelkritik

Pauli sieht Rot

Alexander Nandzik (SSv Jahn) gegen Jan-Marc Schneider (FC St. Pauli) Foto: Nickl
Alexander Nandzik (SSv Jahn) gegen Jan-Marc Schneider (FC St. Pauli) Foto: Nickl

Kurz vor der Pause wurde es hitzig. Kalla schubste Alexander Nandzik. Schiedsrichter Matthias Jöllenbeck beriet sich mit seinem Assistenten und zeigte dem Hamburger Gelb. Sami Allagui schickte er vorzeitig unter die Dusche, weil der Pauli-Angreifer Grüttner an den Hals gefasst hatte. Nach Wiederanpfiff brauchten die Anhänger der Oberpfälzer gar nicht erst auf ihren Sitzen Platz nehmen. Denn bereits in der 48. Minute gab es erneut Grund zum Jubeln. Mees zirkelte den Ball zum 3:0 ins lange Eck. Die Gäste gaben sich aber noch nicht geschlagen. Nach einem Einwurf von Ziereis verlängerte Diamantakos den Ball per Kopf zu Johannes Flum, der Weis keine Chance ließ und zum 1:3 traf (53.). Der Gegentreffer tangierte die Gastgeber aber überhaupt nicht. Der Jahn spielte weiter munter nach vorne. Pauli-Keeper Robin Himmelmann hatte Glück, dass ihm Grüttner nicht den Ball abluchste. Nur wenige Sekunden später grätschte Adamyan nach Vorarbeit von George den Ball haarscharf am Tor vorbei (54.).

Der Gästeblock verstummte, den die Regensburger traten so selbstbewusst und dominant auf, dass die Hoffnung erloschen war, das Spiel noch zu drehen. Grüttner hätte den Deckel endgültig draufmachen können, aber Pauli-Keeper Himmelmann rettete in höchster Not (71.).

Ab der 75. Minute waren es dann nur noch neun Hamburger, die sich gegen die Niederlage stemmten. Der eingewechselte Cenk Sahin sah glatt Rot nach einem Foul an George.

Jahn-Coach Achim Beierlorzer brachte mit Benedikt Gimber für George einen frischen Mann für die Schlussphase. Der Jahn erspielte sich durch Grüttner die nächste dicke Chance, aber der Regensburger zielte drüber (85.).

Vor dem Anpfiff hatten die Anhänger auf der Hans-Jakob-Tribüne ein Transparent präsentiert: „Egal ob Liga zwei oder vier – einer blieb immer hier“. Und ab der 88. Minute durfte der Publikumsliebling ran. Unter großem Jubel lief Oliver Hein aufs Feld und feierte nach langer Verletzungspause sein Comeback und einen souveränen Heimsieg mit seinen Teamkollegen.

Alles zum SSV Jahn lesen Sie hier in unserem Spezial!

Hier können Sie die Partie im Ticker nachlesen:

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