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Juniorenfussball

26 Spiele, und der Jahn ist nie Favorit

Die U 15 vertritt die Oberpfalz erstmals in der Regionalliga. Am Dienstag zeigt der FC Bayern, wo jetzt der Hammer hängt.
Von Claus-Dieter Wotruba, MZ

Als erstes C-Junioren-Team vertritt der SSV Jahn die Oberpfalz in der Regionalliga Süd. Nicht nur das Mannschaftsfoto entstand in der Conti-Arena, am Sonntag wird dort  gegen Freiburg gespielt.
Als erstes C-Junioren-Team vertritt der SSV Jahn die Oberpfalz in der Regionalliga Süd. Nicht nur das Mannschaftsfoto entstand in der Conti-Arena, am Sonntag wird dort gegen Freiburg gespielt. Foto: SSV Jahn

Regensburg. Es wird eine Aneinanderreihung von 26 in der Oberpfalz bislang einmaligen Erlebnissen. Schließlich hat es seit der Gründung der Regionalliga Süd für C-Junioren seit 2010 noch kein Verein des kleinsten bayerischen Fußball-Bezirks in die höchste Liga dieser Altersklasse geschafft. Mit dem 2:0 am 17. Juni in Landshut-Berg gegen die SpVgg Unterhaching änderte sich das: Als erst achter bayerischer Klub nach den Großen misst sich die U 15 des SSV Jahn Regensburg mit den besten Talenten in der Regionalliga. Die Mannschaft von Aufstiegstrainer Christian Martin spürte am Samstag beim Karlsruher SC auch gleich die rauere Luft und verlor das Startspiel mit 0:3. „Obwohl wir vieles richtig gemacht haben. Aber der KSC hat eine Klassemannschaft.“

Überhaupt gibt es in dieser Liga nur noch Klassemannschaften. In die Verlegenheit, die Favoritenrolle zu besetzen, kommt der SSV Jahn kein einziges Mal. „Alle unsere Gegner sind leicht bis stark im Vorteil.“ Gibt es einen Gegner in Jahn-Kragenweite? „Nein“, gibt Christian Martin frank und frei zu. „Am ehesten Greuther Fürth oder Darmstadt, vielleicht auch der 1. FC Nürnberg und FC Augsburg. Aber es wird nicht groß etwas erwartet bei uns.“ Außer der Weiterentwicklung der Spieler. Klappt es wie in der vergangenen Saison, ist das gut. In der entwicklungs-, aber eben auch schwankungsreichsten Altersklasse des Jugend-Leistungsfußballs steigerte und steigerte sich das körperlich leicht unterschätzbare Jahn-„Zwergerlteam“ bis zum Sieg im bayerischen Finale kontinuierlich. „Am Schluss haben wir bei Turnieren auch Teams wie Borussia Dortmund oder den 1. FC Nürnberg dominiert“, sagt Martin.

Sonntag Spiel in der Conti-Arena

2015/16 muss der 35-Jährige mit seinen Jungs erst gar nicht mehr zu großen Turnieren fahren, um reizvolle Vergleiche zu suchen: Heuer finden sie Woche für Woche im Punktspielbetrieb statt. Das Auftaktprogramm ist knackig: Heute (18.15 Uhr am Kaulbachweg) und am Sonntag (11 Uhr, im Rahmen des „Tags der Jahn-Jugend“ in der Conti-Arena) zeigen in den ersten Heimspielen erst der FC Bayern München und dann der SC Freiburg, wo der Hammer hängt. 2015 folgen noch weitere Höhepunkte: Am 10. Oktober gegen den 1. FC Nürnberg, am 7. November gegen Meister VfB Stuttgart und am 21. November gegen Ex-Meister Eintracht Frankfurt.

Nach wie vor wird die Jahn-Mannschaft nicht zu den Riesen gehören – und auf Einkaufstour gingen Christian Martin und Co. auch nicht. Es kamen acht, teils noch gesperrte Neuzugänge aus dem Regensburger Umland und ostbayerischen Raum. „Wir haben bewusst gesagt, dass wir nicht alles umkrempeln wollen, uns punktuell verstärken und möglichst vielen die Chance geben wollen, die schon da waren“, erklärt Martin den Jahn-Weg. Ein Weg, den nicht alle gingen. „Sandhausen hat 15 Neue geholt, alle 1,80 groß. Aber mit Jugendarbeit und Ausbildung hat das nichts zu tun.“

Kader und Regionalliga-Fakten

  • Große Konkurrenz:

    Die Regionalliga für C-Junioren gibt es in Deutschland seit 2004, als sie im Norden eingeführt wurde. 2006 folgte die West-Gruppe, 2009 Südwest und Mitteldeutschland.

  • Die Regionalliga Süd gibt es seit 2010. Seither gab es mit dem VfB Stutgart (2010/15), der TSG Hoffenheim (2011/12) und Eintrach Frankfurt nur drei verschiedene Meister.

  • Aus Bayern sind konstant neben Bayern München und dem 1. FC Nürnberg, die auch schon zweite und dritte Plätze verbuchten, nur die SpVgg Greuther Fürth und der FC Augsburg dabei. Der TSV 1860 stieg heuer ab. Die SpVgg Unterhaching und der FC Ingolstadt waren nur zwei Jahre bzw. ein Jahr vertreten.

  • Der Jahn-Kader:

    Tor: Emile Mendel (neu vom TSV Kareth-Lappersdorf), Lukas Faltermeier, Philip Falter (Kickers Labertal); Abwehr: Simon Haimerl,Veit Prenninger, Johannes Reichl, Lisa Schöppl, Erik Zebisch (SpVgg Weiden), Michael Weinfurtner, Jonas Blümel; Mittelfeld: Julian Ziegler, Michael Maier (SV Burgweinting), Paul Hansen, Nathan Ziaja, Leon Notz, Nico Daffner, Maximilian Böhm, Quirin Huber (SpVgg Deggendorf); Angriff: Benedikt Nessner, Benedikt Fischer (JFG Chamer Land), Jeremias Burkhardt (ASV Cham), Philip Müller (SpVgg Landshut).

  • Die Trainer:

    Christian Martin (Cheftrainer), Jörg Inning, Sebastian Luermann (Co-Trainer)

Auch technisch-taktisch sollen und wollen sich Christian Martins Schützlinge trotz der gestiegenen Anforderungen in Sachen Tempo und Druck nicht unterkriegen lassen und entwickeln. „Die Tore in Karlsruhe haben wir bekommen, weil wir Fehler gemacht haben beim Rausspielen von hinten und der KSC gepresst hat. Vielleicht wären wir besser gefahren, die Bälle nur rauszuschlagen. Aber es geht um die fußballerische Ausbildung.“ Ein Projekt, zu dem mit Lisa Schöppl eine U-16-Nationalspielerin gehört, die den DFB-Nachwuchs gerade wieder beim 3:1 in Dänemark als Spielführerin aufs Feld führte.

Ob unter den 26 einmaligen Fußballerlebnissen bis zum letzten Spieltag am 14. Mai in Frankfurt so arg viele Erfolgserlebnisse dabei sein werden, steht in den Sternen. Mit Dauerfrust wegen Dauer-Niederlagen aber will sich Christian Martin vorerst nicht beschäftigen: „Das wäre die verkehrte Denkweise. Wir müssen eben schauen, dass wir Erfolgserlebnisse kriegen.“ Und schnell viel lernen, am besten schon in den ersten Heimspielen gegen die Bayern und Freiburg.

Ein neues Modell wäre gefragt

Freilich: Die Berechtigung der Liga an sich in diesem Alter ist durchaus fragwürdig. „Für 2 x 35 Minuten Spielzeit nach Karlsruhe zu fahren, macht eigentlich wenig Sinn“, sagt Martin. „Wir waren von halb acht morgens bis halb zehn nachts unterwegs. Und manche Spieler haben gar nicht oder ein paar Minuten gespielt.“ Braucht’s derlei Profi-Aufwand dauerhaft in der U 15? „Nein“, sagt Martin. „Alle bayerischen Klubs möchten ein neues Modell. Mal schauen, wann es kommt.“

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