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Fussball

Alarm-Stimmung beim SSV Jahn

Die Regensburger gehen nach der Pokal-Blamage hart mit sich ins Gericht. Der Kapitän warnt vor weiteren Pleiten in der Liga.
Von Jürgen Scharf

Eskortiert von Leipziger Fans, die nach dem Abpfiff den Platz gestürmt hatten, verlassen die deprimierten Jahn-Spieler Marco Grüttner, Sargis Adamyan und Haris Hyseni (von links) nach der bitteren Pokalniederlage den Platz. Fotos: Gatzka
Eskortiert von Leipziger Fans, die nach dem Abpfiff den Platz gestürmt hatten, verlassen die deprimierten Jahn-Spieler Marco Grüttner, Sargis Adamyan und Haris Hyseni (von links) nach der bitteren Pokalniederlage den Platz. Fotos: Gatzka

Leipzig.Wenn alles in Butter ist, hat Christian Keller seine Ruhe. Nach Siegen seines SSV Jahn Regensburg kann der Geschäftsführer meist völlig unbehelligt an den Reportern vorbeischlendern. Wenn etwas passiert ist, ist er dagegen gefragt. Am Sonntag ist etwas passiert. Der Jahn hat sich im DFB-Pokal beim Fünftligisten BSG Chemie Leipzig blamiert und ist in der ersten Runde ausgeschieden. Kellers Analyse wurde also gefordert – und er urteilte hart über die Mannschaft: „Es lag heute nicht am Wollen, es lag am Können. Das muss man so gnadenlos sagen.“

Keller hat bereits viele Triumphe mit dem Jahn feiern können, er hat aber auch schon einige bittere Niederlagen erlebt. Vor vier Jahren etwa gab es in der bayerischen Vorrunde des DFB-Pokals eine schlimme Pleite bei der SpVgg Weiden. Die Jahn-Profis zogen gegen die Bayernliga-Truppe den Kürzeren. Damals tobten die Fans, Keller debattierte nach der Partie mit ihnen auf dem Parkplatz über die schlechte Leistung der Mannschaft.

Einen ausführlichen Spielbericht finden Sie hier

An diesem Sonntag war es anders. Einige hundert Jahn-Fans waren mit nach Leipzig gereist. Als die Spieler nach dem Abpfiff zu ihnen gingen, gab es sogar aufmunternde Sprechchöre. Die Regensburger Anhänger gaben damit ein Zeichen ab, dass sie der Mannschaft den Einsatzwillen nicht absprechen wollten. Die rein fußballerische Leistung bewegte sich allerdings, das bestritt hernach auch keiner, im Bereich mangelhaft.

Mit ausdruckslosem Gesicht trat Marco Grüttner vor die Mikros der Reporter. Er hatte bereits vor einer Woche nach der Niederlage in der Liga in Paderborn eine schlechte Leistung seines Teams kommentieren müssen. Nach der Pleite in Leipzig redete er Klartext: „Es ist eine absolute Blamage für uns. Wir waren einfach bodenlos schlecht heute.“ Er mahnte an, dass aus dieser Leistung die richtigen Schlüsse gezogen werden müssten: „Sonst wird es ein böses Erwachen in der Liga geben.“

Ein seltsames Spiel

Die richtigen Schlüsse zu ziehen, dürfte sich allerdings nicht als so einfach gestalten. Es war schließlich ein seltsames Spiel im Leipziger Alfred-Kunze-Sportpark. Der Jahn hatte in der ersten Halbzeit alles andere als geglänzt, unterm Strich aber dennoch alles gut im Griff. Zur eigentlich goldrichtigen Zeit, Mitte der ersten Hälfte, gingen die Regensburger in Führung. Zur Pause schienen die Leipziger, die nicht viel zustande brachten, bereits entmutigt. Die Frage, warum der Jahn die Amateure aus der Oberliga im zweiten Durchgang wieder ins Spiel kommen ließ, dürfte in den kommenden Tagen beim Zweitligisten hitzig debattiert werden. Die Antwort darauf muss letztlich Coach Achim Beierlorzer finden. Auch dieser wollte seiner Mannschaft nicht fehlenden Kampfgeist ankreiden. In der Tat wirkten seine Spieler voll konzentriert und gingen beherzt in die Zweikämpfe. Besorgniserregend war allerdings das, was sie daraus machten, wenn sie den Ball erobert hatten. Immer wieder versandeten die Kombinationen im Nirgendwo – oder im Seitenaus. „Wir haben es verpasst, unsere Stärken ins Spiel zu bringen“, meinte Beierlorzer und hatte damit zweifellos Recht.

Miese Pokal-Bilanz des SSV Jahn

  • 2018:

    1. Runde (1:2 gegen BSG Chemie Leipzig)

  • 2017:

    2. Runde (2:5 gegen 1. FC Heidenheim)

  • 2016:

    1. Runde (4:6 n.E. gegen Hertha BSC)

  • 2013:

    1. Runde (1:2 gegen Union Berlin)

  • 2012:

    1. Runde (0:4 gegen Bayern München)

  • 2011:

    1. Runde (1:3 gegen Mönchengladbach)

  • 2010:

    1. Runde, (6:7 n.E. gegen Arminia Bielefeld)

  • 2005:

    1. Runde (1:3. n.V. gegen Alemannia Aachen)

  • 2004:

    1. Runde (0:2 gegen Werder Bremen)

  • 2003:

    Achtelfinale (5:7 n.E. gegen MSV Duisburg)

  • 2002:

    1. Runde (1:2 gegen LR Ahlen)

  • 2001:

    1. Runde (0:3 gegen Bayer Leverkusen)

  • Historie:

    Auch vor dem Jahrtausendwechsel scheiterte der Jahn meist früh. 1969 erreichte er zumindest das Achtelfinale, das er gegen den FC Bayern verlor.

Zu seiner Aufstellung meinte der Coach, dass er sie auch im Nachhinein nicht ändern würde: „Ich würde es genauso wieder machen. Die Mannschaft, die aufgelaufen ist, hätte bei weitem gut genug sein müssen, Chemie Leipzig zu schlagen.“ Jann George fehlte wegen Rückenproblemen. Mit Philipp Pentke, Marc Lais und Sargis Adamyan hatte Beierlorzer zudem drei weitere Stammkräfte aus der Startelf genommen. Dies war auch durchaus nachvollziehbar. Für sie kamen etwa Jonas Nietfeld oder Sebastian Stolze ins Team, die in der vergangenen Saison in der 2. Liga bereits ihren Mann gestanden hatten. Wann, wenn nicht gegen einen Fünftligisten, sollten sie einmal wieder eine Chance von Beginn an bekommen? Nietfeld, eigentlich ein gelernter Stürmer, wurde im Mittelfeld ausprobiert. Beierlorzers Plan, dadurch insgesamt mehr Druck nach vorne zu bekommen, ging aber nicht auf. „Wir haben einfach zu wenig Torchancen kreiert“, räumte der Coach ein.

„Da wieder rauskommen“

Im Fußball geht es schnell. Nach dem Sieg zum Saisonstart gegen den FC Ingolstadt war beim Jahn alles super. Nach zwei Pleiten in Folge herrscht nun Alarmstimmung. „Ich hoffe einfach, dass sich jeder an die eigene Nase fasst und wir da wieder rauskommen“, sagte Grüttner. Den Abwärtstrend zu stoppen, dürfte aber nicht so leicht werden. Die Vorbereitung etwa sei auch auf das Spiel in Leipzig „top“ gewesen, meinte der Kapitän. Daran könne es nicht liegen.

Vielleicht muss der Jahn einfach den schwierigen Spagat schaffen, aus einem Tief heraus direkt wieder zu spielerischer Leichtigkeit zu finden. Das Fazit am Sonntag lautete: Nur kämpfen ist selbst gegen einen Fünftligisten zu wenig. „Wir haben viel zu wenig Fußball gespielt“, meinte Geschäftsführer Christian Keller.

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